Wirtschaft

Nach dem Rhein-Main-Airport in Frankfurt ist der Münchner Flughafen der zweitgrößte Deutschlands. (Foto: BSZ)

16.10.2015

Bayerns Wirtschafts sieht dritte Startbahn als zwingend notwendig an

Studie erläutert dramatische negative Folgen für Arbeitsmarkt und Firmen im Freistaat

Bürgerentscheid hin, Proteste von Umweltschützern her: Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) gibt beim Projekt einer dritten Startbahn für den Münchner Flughafen "Franz Josef Strauß" nicht nach. Am Freitag, 16. Oktober, präsentierte Präsident Alfred Gaffal persönlich eine mehr als 130 Seiten starke Studie mit der Kernbotschaft: Der Erweiterungsbau für den Airport ist nicht nur absolut notwendig, sondern ein Verzicht würde dem Freistaat schweren Schaden zufügen. Obwohl nach aktuellem Stand rechtskräftiges Baurecht vorliegt, kam umgehend Protest von der bayerischen SPD.

"Der Flughafen hat herausragende Bedeutung für den Erfolg der stark exportorientierten bayerischen Wirtschaft und maßgeblichen Anteil an dem hohen Wohlstandsniveau in ganz Bayern", so Gaffal. Die von der IW Consult in Zusammenarbeit mit dem Economica Institut und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln erstellte Studie analysiert besonders die Effekte des Flughafens auf Wertschöpfung und Beschäftigung in Bayern.

Sollte die dritte Startbahn nicht kommen, befürchtet die vbw vor allem negative Auswirkungen auf den Export. Hintergrund: Im vergangenen Jahr exportierten die Unternehmen des Freistaats Waren im Wert von knapp 170 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr des Jahres 2015 konnte hier nochmals ein Plus von 4,6 Prozent verzeichnet werden. "Jedes zweite Unternehmen in Bayern ist heute schon in die internationale Wertschöpfungskette eingebunden", sagt Gaffal. "Die brauchen ein wettbewerbesfähiges Luftverkehrsdrehkreuz als Homebase. Für ausländische Unternehmen sei die Flugverbindung mittlerweile eines der entscheidendsten Kriterien für Investitionen in Bayern. Obendrein werde am Flughafen mittlerweile eine jährliche Wertschöpfung von 4,4 Milliarden Euro erzielt, rund 70.000 Jobs im Lande garantiert - beinahe ein Prozent aller Arbeitsplätze Bayerns.


Wettbewerber aus Türkei und Golf-Staaten "holen schnell auf"


Doch diese Erfolgsbilanz ist nach den Worten von Alfred Gaffal bedroht - aktuell "vor allem aus der Türkei und den Golfstaaten mit ihren wachstumsstarken Fluggesellschaften, hohen finanziellen Ressourcen und schnellen Planungsverfahren beim Infrastrukturausbau. Diese Wettbewerber holen schnell auf." Um die so genannte Drehkreuzfunktion des Münchner Flughafens zu erhalten, müssen in den nachfragestarken Zeiten ausreichend viele Slots für Umsteigeverbindungen zur Verfügung stehen. "Andernfalls droht eine Abwanderung von Airlines und Flugverbindungen an andere Luftverkehrsdrehkreuze", warnt der vbw-Präsident. Somit würden Direktverbindungen verloren gehen und neue Routen nicht aufgenommen werden können.

Die vbw rechnet in zehn Jahren - so die dritte Startbahn denn kommt - mit mehr als 58 Millionen Fluggästen im Jahr. Obendrein stiege die Wertschöpfung jährlich um mehr als eine Milliarde Euro und allein in Bayern kämen 15.000 neue Arbeitsplätze hinzu, weitere 5000 im übrigen Bundesgebiet und in den grenznahen Regionen Tschechiens und Österreichs. Freilich wäre dazu auch eine verbesserte Erreichbarkeit des Flughafens notwendig, längst geplante Straßen und Schienen aus Niederbayern und der südlichen Oberpfalz müssten endlich gebaut werden.

Der zweite Teil der Studie legt das Augenmerk auf das Negativszenario, sollten sich die Gegner der dritten Startbahn durchsetzen. "Wir müssen dann mit einem Verlust der Wertschöpfung von 1,1 Milliarden Euro rechnen, außerdem mit dem Verlust von 22.500 Arbeitsplätzen", zeichnet Gaffal ein düsteres Szenario. "Ohne den Ausbau wird die gute Position Münchens und damit Bayerns nicht zu halten sein." Er schließt mit einem eindringlichen Appell an die SPD-geführte Landeshauptstadt München: "Sie müssen ihre Blockadehaltung aufgeben und den Weg für eine Lösung frei machen!"

Doch zumindest die Landes-SPD arbeitet daran, dass ihre Münchner Genossen sich nicht zu einem entsprechenden Meinungsumschwung verleiten lassen. Postwendend zur Präsentation der vbw-Studie ließ Generalsekretärin Natascha Kohnen, mitteilen: "Das ,Nein' der Münchner Bürgerinnen und Bürger zu dritten Startbahn am Münchner Flughafen gilt. Daran ändert auch die jüngste Studie der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft nichts. Die Entwicklung der Flugbewegungen zeigt: Es gibt keine Notwendigkeit zum Bau einer dritten Start- und Landebahn", so die sozialdemokratische Generalsekretärin. Das Geld solle man statt dessen "für eine bessere Anbindung an das Regional- und Fernbahnnetz oder für eine bessere S-Bahnverbindung" ausgeben. (André Paul)

 

 

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Kommentare (1)

  1. pawilli am 16.10.2015
    Die periodisch erhebliche Verstärkung der Sonnenstrahlung mittels der reflektierenden Kondensstreifen und Wolken des Flugverkehrs schränkt jeden Aufenthalt und damit jede Beschäftigung im Freien wesentlich ein. Damit vernichtet der Flugverkehr mehr Arbeitsplätze, darunter in wichtigeren Branchen wie z.B. der Land- und Bauwirtschaft, als er zu schaffen vermag.

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Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

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