Wirtschaft

Nach der Pleite der Investmentfirma P&R kommt die nächste Hiobsbotschaft für die Anleger: Rund zwei Drittel der Schiffscontainer, die sie dem Unternehmen abkauften, sind nach einer ersten Analyse nicht vorhanden. (Foto: dpa)

17.05.2018

Betrugsverdacht bei P&R

Staatsanwaltschaft ermittelt

Bei der insolventen Investmentfirma P&R haben Anleger möglicherweise über Jahre hinweg Geld in Schiffscontainer gesteckt, die gar nicht existierten. Das geht aus der bisherigen Bestandsaufnahme des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Jaffé hervor. Die Staatsanwaltschaft München I hat deshalb jetzt Ermittlungen unter anderem wegen Betrugsverdachts gegen frühere und heutige Geschäftsführer aufgenommen, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte.
Nach Angaben Jaffés und der Staatsanwaltschaft steht den 1,6 Millionen Schiffscontainern, die über vier zu der Gruppe gehörende Verwaltungsgesellschaften an rund 54 000 Anleger verkauft wurden, eine Flotte von nur rund 600 000 Containern gegenüber. Sämtliche Angaben müssten allerdings noch überprüft werden. Der "Fehlbestand" habe sich seit dem Jahr 2007 kontinuierlich aufgebaut, erklärte die Staatsanwaltschaft. "Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wird die strafrechtliche Verantwortlichkeit hinsichtlich der Beschuldigten in Bezug auf jeden Anleger von Amts wegen geklärt werden." Angesichts des zu erwartenden großen Umfangs des Verfahrens hat die Behörde eine Arbeitsgruppe "Container" gebildet. Die Ermittler haben nach Angaben einer Sprecherin eine größere Zahl von Beschuldigten im Visier.
Zehntausende Anleger hatten bei der Investmentfirma Container gekauft, einige Jahre an Leasinggesellschaften sowie die Transportindustrie vermietet und dafür Mietzahlungen bekommen. P&R hatte versprochen, die Container am Ende der Vertragslaufzeit zurückzukaufen.
Jaffé rief die Anleger dazu auf, Ruhe zu bewahren, und die Fortschritte in den einzelnen Insolvenzverfahren abzuwarten. "Wir tun alles dafür, um den Schaden der Anleger so gering wie möglich zu halten, dies setzt aber voraus, dass sich die Beteiligten trotz der schwierigen Situation im eigenen wirtschaftlichen Interesse rational verhalten." Trotz der enormen Differenz zwischen verkauften und vorhandenen Schiffscontainern stellten letztere einen "substanziellen Wert" dar. Es gelte nun, die Miet- und die späteren Verkaufserlöse für eine bestmögliche Befriedigung der Ansprüche der Anleger zu sichern und zu realisieren.
Ihre Forderungen können die Anleger derweil erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden, die für Juli erwartet wird. Nach Angaben eines Sprechers von Jaffé lässt sich dann auch erst die Höhe der Forderungen abschätzen. Nach bisher kursierenden Schätzungen soll es um eine Anlagesumme von bis zu 3,5 Milliarden Euro gehen.
(Christine Schultze, dpa)

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