Wirtschaft

Die HUK Coburg ist der bedeutendste Arbeitgeber in der Region um die oberfränkische Stadt. Aktuell sind laut HUK rund 5000 Mitarbeiter allein am Standort Coburg beschäftigt. Foto: Huk Coburg

26.08.2011

Coburg will wirtschaftsfreundlicher werden

Die oberfränkische Stadt braucht einen ICE-Halt und einen zukunftsfähigen Regionalflugplatz

Wir leben überwiegend von der HUK“, sagt Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) zur Staatszeitung. Doch genau das bereitet ihm Sorgen, denn die Erträge aus Finanzdienstleistungen seien rückläufig und das schlage sich auch im Gewerbesteueraufkommen nieder. „Ab 2013 wird es richtig schwierig für uns“, sagt der Coburger OB. Dann seien die 80 Millionen Euro, die die oberfränkische Stadt derzeit in der Rücklage hat, aufgebraucht. Und nenneswerte Neuzuführungen seien aufgrund der Nachwirkungen der Finanzkrise nicht in Sicht.
Natürlich ist der Versicherer HUK Coburg nicht der einzige Gewerbesteuerzahler, doch aufgrund der Größe des Unternehmens ist es der gewichtigste. Automobilzulieferer Brose oder Werkzeugmaschinenbauer Kapp tragen zwar ebenso zum Wohlergehen der Kommune bei, doch nicht in den Volumina wie die HUK.
Verständnis für die Finanzsorgen kann Kastner kaum erwarten. Denn im Vergleich zu anderen Städten in Bayern befindet sich Coburg in einer sehr komfortablen Lage – auf den ersten Blick. „Von jedem Euro Gewerbesteuer bleiben uns aber nur 40 Prozent“, erläutert Kastner. Bezirksumlage, Krankenhausumlage und vieles mehr lassen den Kuchen auf ein Küchlein zusammenschrumpfen. „Das habe ich einmal unserem Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) erläutert. Der äußerete Verständnis und sprach von einem leicht schizophrenen Bild, meinte aber, dass er da nichts machen könne“, erzählt Kastner. Dabei befinde sich Coburg hier in einer ähnlichen Lage wie Bayern beim Länderfinanzausgleich. „Das ergibt ein extrem leistungsfeindliches Bild“, betont Kastner.
Er fordert eine Netto-Betrachtung der kommunalen Finanzen im Freistaat. Derzeit werde gerade in Sachen Gewerbesteuer nur eine Brutto-Rechnung aufgestellt. „Darin liegt auch der wahre Grund, weshalb die Kommunen in Bayern so wenig Interesse an der Doppik haben. Denn mit ihr kann man sich viel schlechter arm rechnen als mit der Kameralistik“, so Kastner.
Wie wirtschaftsfreundlich die Stadt am Nordende Bayerns ist, zeigt sich schon am Gewerbesteuerhebesatz. Dieser ist mit 275 Punkten der Niedrigste aller kreisfreien Städte Deutschlands. Für die Förderung der Wirtschaft gibt die Stadt Coburg jährlich etwa 1,6 Millionen Euro aus. Aktuell hat man zur Sicherung der Geschäftsfliegerei am Coburger Flugplatz Brandensteiner Höhe eine Regelung gefunden, die es erlaubt, den Verkehrslandeplatz – angepasst an die neuesten Vorschriften – bis 2019 weiter zu betreiben. „Parallel wollen wir jetzt die Alternative für einen neuen Platz im Landkreis vorantreiben, damit wir 2019 nicht ohne Flugplatz dastehen“, sagt Kastner. Allein der global tätige Automobilzulieferer Brose mit seinen rund 3000 Mitarbeitern in Coburg (weltweit sind es mehr als 18 500 Beschäftigte) sorgt für über 1500 Geschäftsflüge pro Jahr. Auch die weltweit agierende Werkzeug- und Maschinenbaugruppe Knapp mit ihren Präzisionsteilen für Hubschraubergetriebe und Formel-1-Rennwagen ist auf den Flugbetrieb angewiesen. Denn Knapp (weltweit etwa 850 Beschäftigte) hat nicht nur in Berlin ein Zweigwerk, sondern ist noch an vier weiteren Standorten vertreten.
Doch nicht nur der Flugplatz ist wichtig für die Wirtschaft. Auch der ICE-Halt im Zuge der Neubaustrecke von Nürnberg über Erfurt nach Berlin wird künftig den Wirtschaftsstandort Coburg aufwerten. „Wir arbeiten an dem Ziel, den so genannten Systemhalt zu bekommen“, sagt der Oberbürgermeister. Nicht nur in Tagesrandlagen, sondern alle zwei Stunden soll fahrplanmäßig ein ICE in Coburg Station machen. Und auch die Regionalzüge ins benachbarte Thüringen sollen über Coburg fahren. „Die Bahn gibt 150 Millionen Euro aus, um Coburg an die ICE-Strecke anzuschließen“, erläutert Kastner. Da sei es fast zwingend, den Systemhalt zu installieren, denn sonst mache die Ausgabe ja keinen Sinn.
Stolz ist OB Kastner auf ein Servicecenter von Mainova und N-Ergie (BSZ berichtete), das ab September für zusätzliche 120 Arbeitsplätze in Coburg sorgen wird. „Das ist kein klassisches Callcenter, sondern hier wird Kundenberatung betrieben und somit sind es höherwertige Arbeitsplätze“, betont er. Auch der Erweiterungsbau der Fachhochschule zum Designcampus bis Ende 2012 wird die Wirtschaft der oberfränkischen Stadt stärken.
„Ein Megathema, das uns hier in ganz Oberfranken bewegt, ist die TU Nordbayern“, sagt Kastner. Ziel sei es, eine dezentral organisierte Technische Universität an den Standorten Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof zu etablieren. „Das würde der Region wirklich helfen“, betont der OB mit Blick auf die Abwanderungstendenzen der Menschen in den südlichen Teil Bayerns.
Ebenfalls sinnvoll für den Wirtschaftsstandort Coburg ist die Mitgliedschaft der Stadt in der Metropolregion Nürnberg. „Dadurch können wir zu einem vernünftigen Preis auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real vertreten sein und gemeinsam mit den anderen Kommunen verkehrspolitische Forderungen für die Metroregion formulieren“, verdeutlicht Kastner.
(Ralph Schweinfurth)

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