Wirtschaft

Metallberufe: anspruchsvoll und spannend. (Foto: ddp)

27.08.2010

„Come with ME“ – please!

Bayerns Metall- und Elektroindustrie sieht sich als Paradies für Lehrlinge

Wer in Bayern eine Lehrstelle sucht, für den scheint die Metall- und Elektroindustrie zunächst die beste Wahl zu sein. Die durchschnittlich besten Löhne aller Wirtschaftsbranchen werden hier gezahlt – bereits 800 Euro brutto monatlich im ersten Lehrjahr –, es gelten die höchsten Übernahmequoten – die Firmen kündigen an, 80 Prozent ihrer Azubis zu behalten – und kaum irgendwo werden im Vergleich zum Vorjahr heuer mehr neue gewerblich-technische Ausbildungsverträge abgeschlossen: 1,5 Prozent zusätzlich im Vergleich zu 2009, also 12 500. Noch besser weitergehen soll es im nächsten Jahr, dann rechnet die Branchenspitze sogar mit einem Plus von 4 Prozent bei den Lehrverträgen. Es gibt also gute Gründe, dem Werbe-Aufruf der Branche „Come with ME“ – ein Wortspiel mit den Anfangsbuchstaben der Metall- und Elektroindustrie –, zu folgen. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt verkündete jetzt die Zahlen der Öffentlichkeit.
Doch hinter dem Sonnenschein ballen sich durchaus einige Wolken: So sank der Anteil der unbefristeten Anschlussverträge von 41,4 auf 38,2 Prozent. Dabei sind die Firmen gut beraten, die jungen Leute bei Laune zu halten, denn die Trümpfe in den Bewerbungsgesprächen werden sich in den nächsten Jahren immer stärker zugunsten der Schulabgänger verschieben.
Fast 57 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Bewerberzahl in den nächsten fünf Jahren weiter verringern wird. Die Branche rechnet bereits 2015 mit zirka 520.000 fehlenden Fachkräften. Schon heute gibt jedes zweite Unternehmen, das nicht ausbildet, als Grund das Fehlen geeigneter Bewerber an, bei weiteren 15 Prozent hat sich überhaupt niemand gemeldet. Die Branche reagiert zweifellos, doch sind die sicher positiven Maßnahmen immer noch fast ausschließlich aus Arbeitgeberperspektive konzipiert: Differenzierung der Ausbildung (zweijährige Lehrzeiten), „Theorieentlastung“, eine „an den Bedürfnissen der Unternehmen angepasste duale Ausbildung“. Doch junge Menschen wollen nicht nur arbeiten, sondern auch Familien gründen, und dafür benötigen sie unter anderem auch mehr unbefristete Verträge und Teilzeitangebote.
Auch wenn es nicht bei jedem Personalchef Begeisterungsstürme auslösen dürfte: Dass motivierte, fähige und zuverlässige junge Menschen beim Berufseinstieg Konzessionen machen müssen, dürfte schon in wenigen Jahren der Vergangenheit angehören, sie sitzen dann am längeren Hebel. Und irgendwann wird die Metall- und Elektroindustrie ihre Werbebotschaft ergänzen müssen: „Come with ME – please!“ (André Paul)

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