Wirtschaft

Peter Bofinger fordert ein Umdenken in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. (Foto: ddp)

26.02.2010

Damit uns die Polen nicht überholen

Wirtschaftsweiser Peter Bofinger hat Ideen für Wege aus der Krise – einige sind reichlich kühn

Die Kombination aus Egoismus und kurzfristigem Profitdenken war maßgeblich für den Ausbruch der Finanzkrise. Eine Erkenntnis, die nach Ansicht des Würzburger Wirtschaftsweisen Peter Bofinger bei den Verantwortlichen noch nicht angekommen ist. Seine Forderung: ein Paradigmenwechsel in der Gesellschaft.
Welche Schritte dazu notwendig sind, referierte der Ökonom beim „Zeitenwechsel“, dem „Talk im Uhrenhaus“, den der DGB Mittelfranken regelmäßig in Kooperation mit der evangelischen und der katholischen Kirche in Nürnberg veranstaltet.
Nur wenn sich nachhaltiges Handeln in Politik und Wirtschaft durchsetzt, können laut Bofinger Egoismus und Kurzfristdenken ihre zerstörerischen Kräfte nicht mehr entfalten. Ziele wie zum Beispiel 25 Prozent Eigenkapitalrendite führten zum Niedergang selbst so renommierter Unternehmen wie Toyota. Jahrelang führte der japanische Autobauer die Pannenstatistik als zuverlässigster Hersteller an. Jetzt sei das Image von Toyota wegen klemmender Gaspedale und daraus resultierender tödlicher Unfälle innerhalb kürzester Zeit ruiniert worden. Grund für die Qualitätsmängel sei kurzfristiges Renditestreben.
Als Mittel gegen das Kurzfristdenken sieht der Wirtschaftsweise beispielsweise die Stärkung von Familienunternehmen, die sich nicht über den Kapitalmarkt finanzieren und langfristige Unternehmensziele verfolgen. Auch das Zähmen der Heuschrecken, also der Finanzinvestoren, sei ein möglicher Schritt, den die Politik gehen sollte. „Warum nicht 10 Prozent Unternehmenserwerbsteuer verlangen, die zurückgezahlt wird, wenn der Investor die Firma zehn Jahre lang hält?“, meint Bofinger. Wenn man in Deutschland ein Haus kaufe, zahle man schließlich auch Grunderwerbsteuer. Ebenso müssten Sparkassen, Genossenschaftsbanken und alle anderen Kreditinstitute staatlich überstützt werden, die nicht kurzfristig der Steigerung der Eigenkapitalrendite hinterherhechelten.

(Ralph Schweinfurth)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 48 (2016)

Soll die Meisterpflicht wieder eingeführt werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 2. Dezember 2016 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Hans Michelbach, MdB und Vorsitzender der CSU-Mittelstands-Union

(JA)


Jonas Kuckuk, Vorstand im Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker, BUH e.V.

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2016

Nächster Erscheinungstermin:
25. November 2016

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 27 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen
Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.