Wirtschaft

Jetzt beginnt für den Handel die wichtigste Saison. Das vierte Quartal eines jeden Jahres gilt mit Blick auf die Umsätze und Gewinne als besonders erfreulich - daran wird sich auch 2015 nichts ändern. (Foto: dpa)

05.11.2015

Das Jahr endet mit Bestmarken

In keinem anderen Quartal wird hierzulande mehr Geld ausgegeben als in der Zeit zwischen Oktober und Dezember - daran wird sich auch 2015 nichts ändern

Erneut gleicht das Jahresende zumindest im Handel einer wahren Rallye und Konzerne wie die Metrogroup erwarten ein gutes Quartal mit einem starken Weihnachtsgeschäft. Jetzt nämlich wird in vielen Branchen des Verkaufs noch einmal ordentlich das Tempo erhöht. Zahlreiche Produktsortimente müssen zu kleinen Preisen veräußert werden, um Platz für die neuen Kollektionen zu schaffen. Gleichzeitig verfügen die Käufer über mehr finanziellen Spielraum und werden nicht zuletzt durch das Weihnachtsgeschäft regelrecht in ihrer Kauflust angetrieben. Im Ergebnis präsentiert sich das vierte Quartal als derart umsatzstark, dass es weit über den anderen Jahreszeiten liegt. Ein Umstand, von dem viele Wirtschaftszweige profitieren – der aber zugleich auch einige Verlierer kennt. Die Gründe dafür gestalten sich vielschichtig.

Auch heuer wird das vierte Quartal wieder viele Rekorde des Handels brechen. Absehbar war diese Entwicklung jedoch nicht. Über viele Monate hinweg hielt die vermeintliche Schuldenkrise die Bürger in ihrem Griff. Nur noch zögerlich wurden Investitionen getätigt. Die Sorge einer Überschuldung und die damit verbundene Angst, persönliches Eigentum zu verlieren, dominierte das Denken und Handeln der Menschen. Dank eines gegenwärtig niedrigen Zinsniveaus kann der Furcht aber durch die Vergabe günstiger Kredite begegnet werden. Es sind somit wieder Geldmittel vorhanden, um die Wirtschaft zu stärken und gleichzeitig die Kauflaune spürbar zu erhöhen. Laut dem Bundesministerium der Finanzen zeichnet sich somit eine positive Konjunkturentwicklung für das Jahr 2015 ab.

Kaufeuphorie der Verbraucher

Dass sich das Jahr 2015 insgesamt für den Handel als überraschend verkaufsstark präsentiert hat, liegt aber auch an der zunehmend sicheren Wirtschaftslage in Europa und der Welt. Dort, wo noch vor wenigen Jahren die Angst vor einer neuerlichen Bankenkrise, vor einem Abbau von Arbeitsplätzen und Sozialleistungen sowie vor einem finanziellen Kollaps einzelner Staaten stand, ist nun Zuversicht eingekehrt. Viele Nationen nutzen diesen Aufschwung, um neue Investitionen zu tätigen. Davon profitiert in besonderem Maße der Transportweltmeister Deutschland, der die generierten Einnahmen in die Verbesserung der heimischen Absatzmärkte sowie zur Erhöhung der Reallöhne einsetzt.

Aus diesem Grund sind es somit letztlich nicht alleine die Unternehmen, die ein sattes Plus verzeichnen können. Auch die Bürger haben über das Jahr gesehen profitiert: Einerseits durch die vielfach verbesserten Arbeitsbedingungen, die durch die Konjunktur begründet wurden. Andererseits durch das direkte Teilhaben an den gestiegenen Löhnen – denn Geld ausgeben kann nur, wer etwas besitzt. Manche über das Jahr getätigte Ansparung entlädt sich in einer buchstäblichen Kaufeuphorie der Verbraucher, die im dritten und vierten Quartal noch einmal die Warenkörbe füllen. Zudem darf nicht das zeitgleich einsetzende Weihnachtsgeschäft übersehen werden, das dem Handel Jahr um Jahr neue Bestmarken beschert.

Weihnachten als Erfolgsgarant für die Wirtschaft

Natürlich werden die höchsten Umsätze immer dann verzeichnet, wenn sich der Heilige Abend allmählich abzeichnet. Die Festtagsstimmung ist schließlich erst dann perfekt, wenn unter dem Weihnachtsbaum auch mancher Traum erfüllt wurde – über Inspirationen stößt man zurzeit sowohl in den Einkaufsketten des stationären Handels, zum Beispiel im Kaufhof, als auch online auf ausgewählten Themenportalen. Vor allem der Markt für Gutschein- und Erlebnisgeschenke hat sich den letzten Jahren stark entwickelt. Einer der größten Marktteilnehmer, Jochen Schweizer, erwirtschaftet folglich auch den Großteil des Jahresumsatzes über das Weihnachtsgeschäft. In keinem anderen Quartal wird hierzulande mehr Geld ausgegeben als in der Zeit zwischen Oktober und Dezember. Ebenso besitzen die Bürger aber in keinem anderen Quartal derart viel Geld: Das 13. Monatsgehalt, die zum Jahresende fälligen Dividenden der Anlagen oder die Bonusauszahlungen einiger Banken ermöglichen vielen Haushalten eine bessere finanzielle Perspektive – und damit auch die Chance des einen oder anderen Einkaufs, der in keinem anderen Monat derart üppig ausfallen könnte.

Besonders hohe Absatzzahlen lassen sich daher im Herbst und im beginnenden Winter vor allem für elektronische Gebrauchsartikel feststellen. Vom Smartphone über den Computer bis hin zur Spielekonsole wird erworben, was die Shops nur hergeben – und das fällt nicht einmal besonders schwer, da viele Produzenten ihre neuen Produkte pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt bringen. Ebenso profitieren die Branchen hochwertiger Artikel: Luxusuhren, Schmuck, teure Parfüms und maßgeschneiderte Bekleidungswaren erweisen sich als wahre Verkaufsschlager. Aber auch erlesene Kosmetika gehören zu den am häufigsten nachgefragten Artikeln des Winters.

In Baumärkten brechen im Winter die Umsätze ein

Allerdings klingeln die Kassen nicht in jeder Branche des Handels. Traditionell werden rund um den Advent zwar erhebliche Ausgaben getätigt – tatsächlich größere Summen fließen dagegen nur selten einmal. Die neue Möbeleinrichtung, das Auto, Aktienpakete oder teure Reisen werden im Weihnachtsgeschäft also seltener erworben. Gleiches gilt für die damit verbundenen Wirtschaftsbereiche: Die Umsätze im Baumarkt, im Autozubehör, bei den Versicherern sowie den damit einhergehenden Dienstleistern brechen im Winter spürbar ein. Vom rekordverdächtigen vierten Quartal eines jedes Jahres profitieren also nicht alle Segmente des Verkaufs – diese können dagegen in den warmen Monaten mit Gewinnsteigerungen rechnen.

Über das Jahr gesehen gleichen die Umsatzzahlen übrigens nur selten einmal einer Achterbahnfahrt. Trotz aller Unterschiede zwischen den Branchen wird dabei ein kontinuierlicher Anstieg verzeichnet, der im Weihnachtsgeschäft seinen Höhepunkt erreicht. Gleich danach fällt er jedoch drastisch ab: Im ersten Quartal gilt die Kauflaune als befriedigt, vielseitige Investitionen wurden bereits getätigt. Das Erblühen des Frühlings kurbelt dagegen das zweite Quartal an, beschert ihm kleinere Gewinne, präsentiert sich immer aber auch etwas abwartend. Eine Zurückhaltung, die sich im dritten Quartal langsam legt und im vierten Quartal gänzlich überwunden ist. Dann kennt der Kaufrausch keine Grenzen mehr. So, wie es auch aktuell im Jahr 2015 wieder erlebt werden kann. (BSZ)

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