Wirtschaft

Ein Hagelunwetter verwüstete dieses Maisfeld – muss die Versicherung zahlen? (Foto: Bilderbox)

04.03.2011

Das Klima war noch nie eine Konstante

Ein Symposium der Versicherungskammer Bayern beschäftigte sich mit der Frage, wie die Assekuranzen auf extreme Wetterverhältnisse reagieren sollen

Zwischen dem 16. und 18. Juli 2010 durchzog ein Hagel-Unwetter Oberbayern, Niederbayern sowie die Oberpfalz und verursachte Schäden in Höhe von rund zehn Millionen Euro. Am 9. August 2010 sorgte Dauerregen im Südwesten Bayerns, in Mittelfranken und in den Gebieten an der Donau für starke Überschwemmungen. Solche extremen Wetterereignisse belegen den fortschreitenden Klimawandel auch in Bayern und seine Auswirkungen auf Mensch und Natur.
Politik, Wirtschaft und Kommunen haben die Zeichen der Zeit erkannt und entwickeln gemeinsam Strategien, wie mit den Herausforderungen des Klimawandels umzugehen ist. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Versicherungskammer Bayern (vkb) seit 2006 Klimasymposien, die sich mit der Bewältigung und Prävention von Klimafolgen beschäftigen. Das diesjährige, 6. Klima-Symposium stand unter dem Motto „Chancen ergreifen – Risiken minimieren“.

Die Bürger
sensibilisieren


„Klima war noch nie eine Konstante“, erklärte Friedrich Schubring-Giese, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern. Wichtig sei es daher, so Schubring-Giese sowie der Meteorologe Sven Plöger, die Bürger für die Folgen von Naturgefahren für ihr Hab und Gut zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt stehe dabei der Versicherungsschutz, denn nach wie vor hätten viel zu wenig Hauseigentümer ihr Gebäude und ihren Hausrat gegen Schäden durch Überschwemmungen, Hochwasser, Schneedruck und Lawinen versichert. „In Bayern sind es derzeit immer noch erst rund acht Prozent“, so Schubring-Giese. Versicherbar seien dagegen bei der vkb über 99 Prozent.
Der Schutz des Klimas sei eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, betonte Umweltminister Markus Söder. „Bayern nimmt die globale Erwärmung sehr ernst. Mit dem Klimaprogramm 2020 haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt.“ Der Freistaat investiert laut Söder mit dem Klimaprogramm 2020 von 2008 bis 2011 insgesamt eine dreiviertel Milliarde Euro – mehr als jedes andere Bundesland.
„Die Zwischenbilanz gibt uns recht. Der CO2-Ausstoß im Freistaat liegt heute ein Drittel unter dem Bundesdurchschnitt.“ Die bayerische Klimastrategie beruht auf drei Säulen: Minderung des Treibhausgasausstoßes, Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Klimaforschung. Schon heute liegt laut Söder der jährliche Pro-Kopf-Ausstoß von energiebedingtem CO2 im Freistaat bei unter sechs Tonnen und damit rund 20 Prozent unter dem EU-Durchschnitt.
Das Zukunftsrezept des Freistaats heißt laut Söder „Bayern regenerativ“. Derzeit liege der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Bayern bei 25 Prozent, während es im Bundesdurchschnitt nur 16 Prozent sind. Mit dem „Energie-Atlas Bayern“, einem innovativen Internet-Portal, können Bürger, Kommunen und Wirtschaft seit diesem Jahr ortsgenau Potenziale für erneuerbare Energien und Wärme abrufen. „Mit diesem bundesweit einmaligen Informationsangebot schaffen wir das Fundament, auf dem das regenerative Bayern systematisch aufgebaut werden kann.“
Extreme Wetterereignisse gab und wird es auch zukünftig immer wieder geben, sagte Sven Plöger. Für den Einzelfall lasse sich aber nicht sagen, ob sie durch die Erderwärmung entstanden sind. Aber umgekehrt lasse sich argumentieren: Eine wärmere Atmosphäre führt physikalisch belegbar dazu, solche extremen Wetterphänomene häufiger zu produzieren.
In diesem Zusammenhang machte der Meteorologe auch deutlich, dass man Wetter, das sehr variabel ist, mit unseren Sinnesorganen fühlen kann. Klima sei dagegen „nur“ Statistik. Wie soll jemand „fühlen“, dass es in den letzten 100 Jahren global um 0,8 Grad Celsius wärmer geworden ist?
Es habe immer schon natürliche Klimaschwankungen gegeben, allerdings sei die Erwärmung des Globus noch nie so rasant vorangeschritten. Seit der letzten Eiszeit vor rund 11 000 Jahren habe sich die Erde um „lediglich“ 4 bis 4,5 Grad Celsius erwärmt. Aber allein in den nächsten 100 Jahren, so die Prognose, werde sich unser Planet um 4 bis 5 Grad Celsius erwärmen. Deshalb, so Plöger, ist die Geschwindigkeit der Veränderung das entscheidende Kriterium. Ausschlaggebend dafür ist das CO2.

Hitzebelastung
wird weiter zunehmen


Warum aber, fragt Plöger, tun wir uns so schwer, die CO2-Emissionen zu begrenzen? Seine verblüffend einfache Antwort: „Weil wir ein unsichtbares und geruchsloses Gas in eine durchsichtige Atmosphäre bringen. Wir sehen und spüren nicht, was wir da tun und sind uns deshalb des Risikos nicht oder zu wenig bewusst.“
Plöger ist sich sicher, dass wir vom weiteren Temperaturanstieg nicht verschont bleiben, die Hitzebelastung zunimmt, die Winter nässer werden und die Schneefallgrenze steigt sowie die Sommer trockener und Starkregen- sowie Hagelereignisse zunehmen werden. Deshalb fordert der Meteorologe einen neuen Energiemix. Eine Strategie, die rund 90 Prozent der benötigten Energie aus endlichen fossilen Energieträgern erzeugt, kann auf Dauer nicht nachhaltig sein und funktionieren. Energieverbrauch und Schadstoffemissionen können nur durch den Einsatz erneuerbarer Energien entkoppelt werden. Die Zukunft gehöre deshalb Wind, Wasser, Biomasse und Sonne, die uns knapp 6000 Mal so viel Energie liefert, wie die Menschheit derzeit benötigt.
Für die Kommunen bedeutet dies, weltweit lokal zu handeln. Denn „ein globaler Erfolg beim Thema Klimawandel ist die Summe der lokalen Erfolge“.
(Friedrich H. Hettler)

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