Wirtschaft

31.05.2013

Der Mangel hat sich verschärft

Nachwuchssorgen bei Ingenieuren im Bauwesen

Der Ingenieurmangel am Bau hat sich weiter verschärft – dies geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau hervor. 2013 haben fast doppelt so viele Planungsbüros Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen als vor fünf Jahren. 2009 beklagten 35,7 Prozent dieses Problem, 2013 sind es bereits 63,6 Prozent. „Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge“, sagt der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Heinrich Schroeter.
„Der Beruf des Ingenieurs im Bauwesen muss wieder attraktiver werden. Ingenieure planen, bauen und erhalten unsere moderne Infrastruktur. Sie bauen Straßen, Brücken, Tunnel, Häuser und sind die Macher der Energiewende. Wenn nicht mehr genügend Menschen in diesem schönen Beruf arbeiten, wird das über kurz oder lang jeder Einzelne zu spüren bekommen“, warnt Schroeter.
Für die offenen Stellen werden vor allem Diplom-Ingenieure mit Fachhochschulabschluss (78,8 Prozent – Vorjahr 75 Prozent) gesucht. Aber auch Ingenieure mit Master-Abschluss (60,9 Prozent – Vorjahr 37,1 Prozent) und Bachelor-Abschluss (47,4 Prozent – Vorjahr 37,1 Prozent) werden im Vergleich zum Vorjahr deutlich häufiger nachgefragt. Mit 60,9 Prozent übertrifft die Nachfrage nach Master-Absolventen dabei erstmals die Nachfrage nach den Diplom-Ingenieuren mit Universitätsabschluss (53,2 Prozent – Vorjahr 49,2 Prozent).
Die Nachfrage nach freien Mitarbeitern ist mit 19,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (30,6 Prozent) deutlich gesunken. Verbessert hat sich die Geschäfts- und Auftragslage der bayerischen Planungsbüros. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Auftragsvolumen bei 38,7 Prozent der Befragten gestiegen, bei 42,5 Prozent gleich geblieben und bei 18,7 Prozent gesunken. 32,4 Prozent der Befragten erwarten zudem, dass sich die Auftragslage im nächsten halben Jahr weiter verbessern wird. 52,8 Prozent rechnen mit einem gleich bleibenden Auftragsvolumen.
Potenzial gibt es noch im Bereich der Auslandsaufträge: Mehr als 72,2 Prozent der Befragten gab an, keine Auslandsaufträge zu haben. Dies entspricht der Struktur der Ingenieurbüros in Bayern, die Großteils nur wenige oder keine Angestellten haben und nur örtlich tätig sind. Vor diesem Hintergrund ist die Tatsache, dass knapp 30 Prozent auch im Ausland tätig sind, positiv zu werten.
Die aktuelle Konjunkturumfrage der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau belegt, wie wichtig die Arbeit der Ingenieure im Bauwesen für Gesellschaft und Wirtschaft sind: Die 97 000 Ingenieurbüros in Deutschland verzeichnen über 41 Milliarden Euro Umsatz. Die 17 000 bayerischen Ingenieurbüros steuern dabei mit 8,3 Milliarden Euro rund ein Fünftel des bundesweiten Umsatzes bei.
Mit ihren rund 40 000 Arbeitsplätzen verzeichnen sie die höchste Beschäftigung in den technologieorientierten, wissensintensiven Unternehmensdienstleistungen in Bayern. Die mittelständischen Ingenieurbüros in Deutschland betreuen dabei Bauinvestitionen von rund 217 Milliarden Euro und beschäftigen mehr als 300 000 Menschen. Etwa 60 000 jungen Menschen geben sie durch Ausbildungsplätze, Praktikanten- und Diplomandenstellen eine Perspektive. (BSZ)

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