Wirtschaft

Ein so genannter Forwarder transportiert das geschlagene Holz aus dem Wald ab. (Foto: Schweinfurth)

30.04.2010

Der Rohstoff Holz ist Mangelware

Die Fachmesse Interforst 2010 wirft ihre Schatten voraus

Holz wird in den nächsten 10 Jahren zum Mangelrohstoff. Gleichzeitig gewinnt es an Bedeutung: einerseits als Baustoff, andererseits als Energielieferant. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes erwarten die Aussteller der im Juli in München stattfindenden internationalen Fachmesse Interforst 2010 gute Geschäfte.
„Die Interforst 2010 zeigt in den Hallen B5 und B6 sowie auf dem Freigelände der Messe München auf mehr als 64.000 Quadratmetern Fläche die ganze Dimension für Forst und Holz“, erklärte Reinhard Pfeiffer, Geschäftsführer der Messe München GmbH, diese Woche bei der internationalen Fachpressefahrt zur Interforst in den Nürnberger Reichswald und ins Forstliche Bildungszentrum Buchenbühl der Bayerischen Staatsforsten. Gezeigt werden vom 14. bis 18. Juli Walderneuerung, Waldpflege und Waldschutz bis hin zum Sägewerk sowie Maschinen, Geräte und technische Systeme für den Einsatz in der Holzernte, Holztransport und Rundholzlagerung. Pfeiffer ist überzeugt, dass die Interforst 2010 ein großer Erfolg wird. Denn schon jetzt sei mehr Fläche vermietet als zur letzten Interforst 2006. Zwar hätten sich noch nicht so viele Aussteller wie beim letzten Mal angemeldet, dafür haben sie aber größere Standflächen gebucht.
Mit diesem Angebot wendet sich die Interforst 2010 laut Pfeiffer an Forstunternehmer, Waldbesitzer und Forstwirte, Forstverwaltungen und Forstämter, Forstbetriebe und forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse, landwirtschaftliche Betriebe, Holztransportfirmen, Landmaschinen- und Gerätehandlungen, Waldarbeitsschulen, Hochschulen, Fachverbände und Organisationen aus der Forst-, Holz-, und Landwirtschaft sowie Stellen in öffentlichen Bereichen und Institutionen des In- und Auslands. „Aus der Besucherumfrage der letzten Interforst im Jahr 2006 wissen wir, dass fast 90 Prozent der Messebesucher Fachbesucher sind“, so Pfeiffer. Der messebegleitende Kongress „Forst- und Holzwirtschaft – heute und morgen – von lokal bis global“ wird sich u. a. forsttechnischen Perspektiven bis 2020, Wettbewerbsstrategien für Forstunternehmen und Bodenschutzmaßnahmen beim Forstmaschineneinsatz widmen.
Interforst-Beiratsvorsitzender Ralf Dreeke, gleichzeitig Geschäftsführer der Wahlers Forsttechnik GmbH aus Stemmen und Uffenheim, verdeutlichte bei der Pressefahrt mehrmals die steigende Bedeutung von Holz: „Schon jetzt fehlen in Deutschland pro Jahr 20 bis 30 Millionen Festmeter. In ganz Zentraleuropa sind es 200 Millionen Festmeter.“ Deshalb müsse auf Bundesebene eine Waldstrategie bis zum Jahr 2020 entworfen werden, die Umweltschutz und Holz als Rohstoff gleichermaßen berücksichtigt.
Auch Rudolf Freidhager, Vorstandschef der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), machte klar, dass Holz heute schon Mangelware ist. Pro Jahr bleibe der Holzeinschlag in den Wäldern der BaySF mit rund 5,3 Millionen Festmetern immer unter dem Zuwachs und der nachhaltigen Nutzungsmöglichkeit. Seit 2006 bewegen sich die Pflanzinvestitionen (über 80 Prozent Laubholz und Tanne) immer deutlich über dem vom Freistaat vorgegebenen Niveau von 2000 Hektar. Allein 2008 waren es 2994 Hektar und 2009 waren es 2623 Hektar. 2009 erwirtschafteten die BaySF 305,8 Millionen Euro Umsatz (2008: 340,8 Millionen Euro) mit einem Jahresüberschuss von 35,1 Millionen Euro (2008: 62 Millionen Euro). Allein 2009 wendeten die BaySF 17,6 Millionen Euro für den Waldwegeunterhalt auf. „Das tun wir, damit man dort wandern und Rad fahren kann, nicht damit der Harvester gut vorankommt“, so Freidhager. 2,4 Millionen Euro gaben die BaySF für konkrete Erholungsprojekte in Zusammenarbeit mit den regionalen Wander- , Erholungs- und Tourismusverbänden aus. Angesichts der hohen Holznachfrage blickt der BaySF-Chef zuversichtlich in die Zukunft: „Der Holzmarkt entwickelt sich positiv. Und für das Geschäftsjahr 2010 erwarten wir aus heutiger Sicht ein sehr gutes Ergebnis.“
Auf gute Geschäfte auf der Interforst 2010 hoffen auch die Hersteller von forstwirtschaftlichen Spezialmaschinen. Interforst-Beiratsvorsitzender Dreeke geht davon aus, dass sich der Absatz von so genannten Harvestern (Basismaschine kostet rund 380.000 Euro) und Forwardern (Basiskosten rund 215.000 Euro) in diesem Jahr gut entwickeln wird, da bei vielen Forstbetrieben Ersatzinvestitionen anstünden. 2009 brach das Geschäft mit diesen Maschinen dramatisch ein. Das Gesamtinvestitionsvolumen lag laut Ute Seeling, geschäftsführende Direktorin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. aus Groß-Umstadt, das die jährliche Forstmaschinenstatistik erstellt, nur noch bei 31 Millionen Euro nach 75 Millionen Euro in 2008 und 148 Millionen Euro in 2007. Das ist ein Rückgang um 40 Prozent von 2008 auf 2009.“ Wir hoffen jetzt auf die Ansparabschreibungen zur Geschäftsbelebung“, so Dreeke.

(Ralph Schweinfurth)

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