Wirtschaft

Die griechischen Gesamtschulden betragen nach Angaben der Mittelstandsunion mittlerweile 500 Milliarden Euro. (Foto : dpa)

17.08.2015

"Die Griechen halten doch ihr Wort nicht"

CSU-Mittelständler kämpfen gegen weitere Kredite und für einen raschen Grexit

Die christsozialen Mittelständler machen Front gegen die Euro-Rettungspolitik ihrer Parteiführung in Griechenland. Strikt wenden sie sich gegen ein weiteres Hilfspaket, fordern einen Ausstieg des Landes aus der Gemeinschaftswährung und lehnen entschieden einen Schuldenschnitt ab.

„Es gehört endlich ein Pflock eingeschlagen, dass es mit Griechenland so nicht mehr weitergehen kann“, sagt Peter Erl, Bezirksvorsitzender der Mittelstandsunion für Niederbayern und von Beruf Bauunternehmer. „Jahrelang wurden Regeln aufgestellt, Versprechungen gemacht, dass ein Euro-Land nicht die Schulden eines anderen tragen muss – und nun gilt das nichts mehr, wird alles über den Haufen geworfen. Genau solches Verhalten verursacht die Politikverdrossenheit.“ Gemeinsam mit drei anderen Bezirkschefs - Thomas Schmatz aus München, Rupert Mößmer aus Schwaben und Christian Huebner aus Oberfranken - hat er in den Presseclub am Münchner Marienplatz geladen, um die Sicht der arbeitgebernahen Organisation öffentlich kund zu tun.

Die Mittelstandsunion ist eine Tochtervereinigung der Partei genau wie Frauen- oder Junge Union. Das Statement der Bezirkschefs beruht auf einer Befragung von mehr als 1600 ihrer Mitglieder in den vergangenen Wochen. Konkret wollten die Vorsitzenden zum einen wissen, ob künftig noch weitere Hilfszahlungen an Griechenland oder andere Euro-Länder, die in Zahlungsschwierigkeiten stecken, erfolgen sollen, bevor es eine Staateninsolvenzordnung gibt. Klares Ergebnis: Mehr als 80 Prozent der befragten CSU-Mittelständler lehnen weitere Hilfskredite ab. Ihr Landesvorsitzender, der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, gehört zu den 60 Unions-Parlamentariern in Berlin, die gegen ein weiteres Hilfspaket für Griechenland gestimmt hatten.

"Dieses Land kennt keine Regeln - will aber unser Geld"

 

Während die schriftliche Kritik noch höflich formuliert ist, reden die Männer live Klartext: „Die Griechen halten doch ihr Wort nicht“, schimpft Rupert Mößmer, von Beruf Bankier und Bezirkschef in Schwaben. „Das liegt an deren Mentalität, die wollen ihr System gar nicht umkrempeln.“

Christian Huebner, Wirtschaftsberater und Bezirkschef von Oberfranken, nennt eine paar erschreckende Beispiele aus seiner beruflichen Tätigkeit in Griechenland: „Da gibt es beispielsweise eine staatliche Gewinngarantie für Apotheken, neueröffnete Hotels werden mit bis zu 90 Prozent der Investitionssumme gefördert – aus EU-Geldern –, und für neu eingestellte Arbeitnehmer muss der Chef zehn Jahre keine Lohnsteuer zahlen.“ Huebner schüttelt empört den Kopf: „Dieses Land kennt keine Regeln – will aber unser Geld.“

Thomas Schmatz, den Bezirkschef von München, ärgert darüber hinaus der Erpressungsversuch von Unions-Fraktionschef Volker Kauder gegenüber den Abweichlern in den eigenen Reihen, die aus den wichtigen Bundestagsausschüssen gedrängt werden sollen: „Das ist demokratische Diktatur.“ (APL)

 

 

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Kommentare (4)

  1. Anton am 17.08.2015
    Des Volkes Stimme bleibt ungehört! Die Feudalherrschaft entscheidet.
  2. Markus am 17.08.2015
    Den Standpunkten der CSU-Mittelständler ist (fast) nichts hinzu zu fügen. Außer: Dankeschön und warum werden am Mittwoch die CSU-Bundestagsabgeordneten dennoch mehrheitlich für das 3. Griechenland-Hilfspaket stimmen?
  3. Gerlinde am 18.08.2015
    Die derzeitige CDU / SPD Regierung ist am Ende! Aber alle andere Parteien sind noch schlechter. Die 83 Mrd. sind weg, nur will man es dem Wähler nicht sagen.
  4. Christa am 19.08.2015
    Ein reines Wunschdenken der Bundesregierung! Es folgt der Schuldenschnitt, den man uns jetzt verheimlicht. In spätestens 3 Monaten werden die Lügen wohl aufkommen.

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