Wirtschaft

Ein Metrans-Zug bringt Container nach Bayern. (Foto: Metrans)

18.01.2013

Die Hamburg-Nürnberg-Connection

Projekt „Hafen Hamburg 62 +“ verlagert Container von der Straße auf die Schiene

Nürnberg ist der zentrale Punkt in Bayern, wenn es um den Güterverkehr geht. „Allein 60 bis 70 Containerzüge fahren pro Woche zwischen der Frankenmetropole und den deutschen Überseehäfen Bremerhaven und Hamburg“, sagt Alexander Ochs, Intermodal-Experte und Prokurist der bayernhafen Gruppe, der Staatszeitung. Drei Züge rollen nach Rotterdam. Somit spielt Nürnberg für Bayerns Exportwirtschaft die zentrale Rolle. 95 Prozent der bayerischen Güter für Übersee gehen also via Bremerhaven und Hamburg an ihre Zielorte, 5 Prozent über Rotterdam.
Eine Güterverkehrsanbindung Bayerns an Mittelmeerhäfen gibt es laut Ochs derzeit nicht. Doch den alten Plan von Bayerns Ex-Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, der einmal den italienischen Hafen Triest an den Freistaat anbinden wollte, ist nicht vom Tisch. Sobald entsprechend Nachfrage vorhanden sei, werde man darauf reagieren.


„Slow steaming“ sorgt für geringe Transportkosten


„Doch derzeit profitieren die bayerischen Firmen vom so genannten slow steaming“, erklärt Ochs. Weil derzeit sehr große Containerschiffe viel Fracht aufnehmen können und mit relativ geringer Geschwindigkeit, was geringen Treibstoffverbrauch und damit niedrige Transportkosten bedeutet, über die Weltmeere schippern, hat Ochs zufolge keine so richtig Interesse an einer kürzeren Verbindung nach Asien. Dies wäre ja über einen Adriahafen realisierbar.
Wenn Unternehmen ihre Güter schneller an ferne Ziele transportieren müssen, nutzen sie Ochs zufolge entweder die Bahn oder das Flugzeug: „BMW zum Beispiel transportiert regelmäßig Teile zwischen China nach Leipzig.“ Die unterschiedlichen Spurweiten zwischen Europa und Russland (der Zug nutzt die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn) seien hierbei kein Problem.
Ganz aktuell haben die HHLA-Tochter Metrans und die bayernhafen Gruppe wieder ein Stück Containerverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern können. Seit 14. Januar 2013 fährt ein Metrans-Zug zweimal wöchentlich (Montag und Mittwoch) Container vom Seehafen Hamburg zum Containerterminal im bayernhafen Nürnberg. Dort kommt der Zug Dienstag und Donnerstag früh an, fährt dann am Mittag weiter nach München und von dort wieder zurück nach Hamburg. Ab 4. Februar 2013 verkehrt der Zug fünfmal wöchentlich. Die neue Küste-Bayern-Verbindung ist ein konkreter Baustein im Rahmen des Projekts „Hafen Hamburg 62 +“.
Dieses Projekt hatten das Hafen Hamburg Marketing, die LKZ Prien GmbH und die bayernhafen Gruppe 2012 initiiert, um noch mehr Containertransporte zwischen Hamburg und Bayern von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Von den jährlich rund 690 000 TEU (TEU ist die Abkürzung für: Twenty-foot Equivalent Unit, ein Maß für Kapazitäten von Containerschiffen und Hafenumschlagsmengen) zwischen Hamburg und Bayern sind heute rund 62 Prozent auf der Schiene unterwegs. Ziel ist, diesen Bahnanteil weiter zu steigern – so könnten durch ein Plus von 5 Prozent Schienentransport rund 23 000 LKW-Fahrten und 15 000 Tonnen CO2 eingespart werden.
„Was ökologisch sinnvoll ist, muss ökonomisch machbar sein“, sagt Jirí Samek, CEO der Metrans a.s., einer Tochter der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), „unser Ziel ist es, ein starkes Netzwerk zwischen Überseehafen und europäischem Hinterland zu knüpfen.“ So entstünden logistische Ketten, die das Klima schonten und Voraussetzung für die Entwicklung der Weltwirtschaft seien.
„Direkte Wege sind ein Wettbewerbsvorteil für bayerische Unternehmen“, sagt Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der bayernhafen Gruppe. Die neue Container-Zugverbindung Hamburg-Bayern stärke den „ohnehin bereits guten Draht“ zwischen dem größten deutschen Seehafen und der bayerischen Wirtschaft. „Wir freuen uns, dass wir kaum drei Monate nach unserem Besuch bei Metrans in Prag gemeinsam diese neue Verbindung geschaffen haben. So erfüllen wir effizient die Anforderungen der verladenden und transportierenden Wirtschaft nach mehr Transparenz, Flexibilität und einer besseren Vernetzung im Schienentransport.“
(Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (1)

  1. Kay am 22.01.2013
    Hallo,

    schön das es wirklich noch Firmen gibt, die Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. Noch schöner wäre es, wenn ein zum Beitrag passendes Bild zu sehen wäre. Meiner Meinung nach schmückt man sich hier nämlich mit fremden Federn, denn eine solche Metranslok gibt es gar nicht! Das Bild zeigt einen Zug bei Rathen in der sächsischen Schweiz und zwar von DB Schenker Rail Deutschland (der DBAG also) Dieser Zug hat niemals Bayern als Ziel, sondern verkehrt zwischen Prag und Hamburg und hat mit Metrans gar nichts zu tun.
    Mit freundlichen Grüßen
    Kay

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