Wirtschaft

Wie attraktiv Nürnberg für Immobilieninvestoren ist, zeigt sich unter anderem an revitalisierten Flächen. Wo einst jahrelang der alte Milchhof als Industriebrache vor sich hindümpelte, befindet sich jetzt die neue Niederlassung des schwäbischen Autoherstellers mit dem Stern. Aber auch andere Unternehmen haben sich an diesem Standort angesiedelt. (Foto: Schweinfurth)

21.09.2012

Die Metropolregion Nürnberg: Ein A-Standort

Immobilien-Dialog der IHK präsentiert Investoren die Potenziale der Region

Wir sind ein A-Standort. Nur, weiß das schon jeder?“, fragt Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Beim Immobilien-Dialog der Metropolregion Nürnberg trommelt er angesichts der vielen potenziellen Investoren aus der Immobilienwirtschaft kräftig für den Standort. Mit 110 Milliarden Euro sei das Bruttoinlandsprodukt der Metropolregion größer als das von Ungarn und auf Augenhöhe von Singapur. Und rund 90.000 Studierende an 20 Hochschulen seien ebenfalls ein lebendiger Beweis für die Attraktivität der Region. Doch Lötzsch gefallen auch noch andere Daten: Laut Glücksatlas der Deutschen Post, der die Zufriedenheit der Bevölkerung darstellt, rangiert der nordbayerische Raum auf Platz vier knapp hinter Südbayern. Und die Prognos AG bescheinigt der Metropolregion Nürnberg mit Platz drei im bundesweiten Ranking hinter den Großräumen München und Frankfurt besondere Zukunftsfähigkeit.


Eine der angesagtesten Regionen


Trotz dieser positiven Fakten gibt es aber noch viel zu tun. Derzeit sind Lötzsch zufolge in Nürnberg 250.000 Quadratmeter Bürofläche ungenutzt. Außerdem wisse noch nicht jeder, was für ein exzellenter Kongressstandort Nürnberg ist. Weil gerade dieses Geschäftsfeld intensiver beackert werden soll, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer auch, dass die Stadt dringend noch Räume für Kongresse zwischen 500 und 1000 Teilnehmern benötigt.
Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP) unterstreicht ebenfalls, dass die Metropolregion Nürnberg ein A-Standort ist. Trotz der Arbeitslosenproblematik in Nürnberg und Fürth habe sich Mittelfranken in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. „Es ist eine der dynamischsten Regionen Europas“, betont die gebürtige Nürnbergerin. Betrug die Arbeitslosenquote im Jahr 2005 noch 9 Prozent, so habe sie sich jetzt auf 4,6 Prozent nahezu halbiert. Hessel ist sich sicher, dass auch für Nürnberg und Fürth das Ziel der bayerischen Staatsregierung bis 2015 Vollbeschäftigung in Bayern zu haben, zu erreichen ist. „Unter weltweit 200 großen Wirtschaftsregionen rangiert die Metropolregion Nürnberg auf Platz 24“, verdeutlicht die Staatssekretärin. Ihr ist es angesichts des enormen Strukturwandels (Traditionsmarken wie AEG, Grundig, Quelle und Triumph-Adler sind als Arbeitgeber aus der Region nahezu verschwunden) besonders wichtig, Mittelständler und Existenzgründer zu fördern. Hierfür stelle das Wirtschaftsministerium Gelder bereit. Insgesamt 115 Millionen Euro betrage das Strukturprogramm der Staatsregierung allein für Nürnberg und Fürth. „Auf AEG“, wie das ehemalige AEG-Gelände jetzt genannt wird, hat sich einiges entwickelt. Der Energie-Campus Nürnberg, das E-Drive-Center, Handwerker, Künstler und andere Unternehmen beleben mit ihrer Kreativität das große Areal im Westen Nürnbergs.
Für die Staatssekretärin ist klar, dass die anwesenden Investoren nur zugreifen müssten. Denn die Metropolregion Nürnberg ist ein A-Standort, an dem sich gute Geschäfte machen lassen. Allein schon die Internetwirtschaft sei dort ein besonderer Leuchtturm, der weit über Deutschland hinaus strahle.
Wie interessant Investments in Studentenwohnheime sein können, verdeutlichte Thimo von Stuckrad, der einst Strategieberater bei CHE Consult in Berlin war. Seinen Prognosen zufolge sinkt die Zahl der Studienanfänger in der Metropolregion Nürnberg aufgrund der demografischen Entwicklung nur leicht um 17 Prozent bis zum Jahr 2025. Der noch vorherrschende geringe Ausländeranteil unter den Studenten an den nordbayerischen Hochschulen sei aber ein Potenzial, das sich entwickeln könne. Insgesamt gebe es langfristig ein hohes Nachfrageniveau nach Wohnheimplätzen. Allerdings würde die Studiendauer wegen der Bachelor-Studiengänge mit durchschnittlich 3,5 Jahren kürzer, doch das Budget der Studenten für Wohnungen immer größer. Grund hierfür sei das duale Studium, das immer beliebter werde. „Die jungen Menschen verdienen also neben dem Studium bereits Geld und können sich mehr leisten“, so von Stuckrad. Allerdings sollten sich potenzielle Investoren bereits Gedanken über die Nachnutzung der Wohnheimkapazitäten machen. Denn nach 2030 würde die Auslastung garantiert sinken.
Der gebürtige Nürnberger Matthias Schultze, Geschäftsführer vom GCB German Convention Bureau e.V. in Frankfurt am Main, verdeutlicht die Potenziale Nürnbergs für Kongresse. Deutschland rangiere bei der Beliebtheit von Kongressveranstaltern weltweit auf Platz zwei – hinter den USA und vor Spanien. Allein 2011 kamen 338 Millionen Kongressteilnehmer zu 2,7 Millionen Kongressen nach Deutschland. Von diesem Kuchen könne auch Nürnberg noch stärker profitieren und in der Folge auch Investoren in Kongressfaszilitäten. Gerade mit dem Thema „Green Meetings“, also Kongresse unter dem Nachhaltigkeitsgedanken zu veranstalten, sei ein Bereich, bei dem Nürnberg punkten könne. Das beginne schon mit der U-Bahn zum Flughafen. In- und ausländische Gästen könnten vom Flieger in dieses öffentliche Verkehrsmittel umsteigen und seien in 12 Minuten in der Innenstadt. Von so einer Anbindung könne München nur träumen.


Internationale Markenidentität aufbauen


Damit die Metropolregion international bekannter wird und somit auch mehr Immobilieninvestoren auf den Standort aufmerksam werden, hat jetzt der Marketingverein der Metropolregion ein neues Konzept entwickelt. Klaus Wübbenhorst, als Vorstandsvorsitzender des Vereins und langjähriger Chef der in Nürnberg ansässigen GFK Gesellschaft für Konsumforschung und ehemaliger Präsident der IHK Nürnberg, verdeutlicht mit dem neuen Slogan „Kommen, staunen, bleiben“ die Strategie. Es soll eine internationale Markenidentität aufgebaut werden, die die Bekanntheit der Metropolregion mit ihren noch versteckten Potenzialen weltweit steigern soll. 162.000 Unternehmen, eine Exportquote von 47,3 Prozent, 3,5 Millionen Einwohner, 1,8 Millionen Erwerbstätige und Platz drei unter den deutschen Metropolregionen würden dieses Engagement rechtfertigen. Allein im Radius von 200 Kilometern seien 27 Millionen Menschen erreichbar.
Somit ist nicht nur, nach Wübbenhorsts Ansicht, die Region ein A-Standort. Alle Akteure sind sich einig, dass es jetzt nur noch in die Welt hinausposaunt werden muss.
(Ralph Schweinfurth)

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