Wirtschaft

Ministerpräsident Horst Seehofer (Mitte) und Bayerns Europaministerin Emilia Müller (l.) lassen sich von Werksleiter Reinhold Gietl (r.) erklären, was in der so genannten Schmelzwanne passiert. In ihr wird Flachglas hergestellt, das am Ende in handliche Scheiben geschnitten wird. (Foto: Schweinfurth)

18.11.2011

„Die Oberpfalz ist Zukunft“

Ministerpräsident Seehofer informiert sich bei Pilkington in Weiherhammer über die hohe Innovationskraft der bayerischen Glasindustrie

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich in der Oberpfalz davon überzeugt, wie innovativ bayerische Unternehmen der Glasindustrie unterwegs sind. Bei seinem Besuch des Werks Weiherhammer (Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab) der Pilkington Holding GmbH erfuhr er, dass hier bereits wesentliche Komponenten für so genannte Parbolrinnen-Solarkraftwerke gefertigt wurden, als noch niemand von Energiewende sprach. Schon für das in den 1980er Jahren in der Mojave-Wüste entstandene Parabolrinnenkraftwerk kam das dafür nötige Flachglas aus Weiherhammer.
Heute produziert das Werk in der Oberpfalz 1600 Tonnen Flachglas, das per Lkw abtransportiert wird. Viel davon geht zur Firma Schott in Mitterteich und zur Firma Flabeg in Furth im Wald. Bei Schott werden die so genannten Absorberrohre für die Parabolrinnenkraftwerke hergestellt und bei Flabeg die gewölbten Spiegel, die das Sonnenlicht auffangen. In den Absorberrohren zirkuliert eine Flüssigkeit, die, erhitzt durch die Sonne, zu Dampf wird und dieser Dampf treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt.

Schmelzwanne wird runderneuert

Anlass des Besuchs des Ministerpräsidenten bei Pilkington ist die Rundumerneuerung einer der beiden Flachglas-Produktionslinien. Für mehr als 30 Millionen Euro wird derzeit die Schmelz-wanne renoviert. Aus ihr kommt im so genannten Floatverfahren das 1600° Celsius heiße Flachglas. Im über 500 Meter langen Floatkanal wird es schrittweise abgekühlt, bis es in transportfähige Stücke zerschnitten wird.
Damit das Floatglaswerk immer läuft und der Schmelzvorgang nie zum Stopp kommt, gibt es laut Werksleiter Reinhold Gietl eine dreifach redundante Stromversorgung. Im Zuge der derzeitigen Erneuerung der einen Produktionslinie wird auch ein zusätzlicher Abhitzekessel eingebaut. Dieser ermöglicht die nahezu vollständige Nutzung der Energie aus der Schmelzwanne. Auf diese Weise können die Umwelt geschont und die Kosten optimiert werden.

Das Werk Weiherhammer gehört inzwischen zu einem der weltweit führenden Glashersteller, der japanischen NSG Group. Diese betreibt 47 Glaswerke in 29 Ländern und beschäftigt rund 29.300 Mitarbeiter. NSG erwirtschaftet einen Umsatz von zirka 5 Milliarden Euo pro Jahr. Der Vertrieb läuft in über 130 Ländern der Erde. Das Glas wird für die Bereiche Automobilherstellung, Bau und Solar gefertigt.
Aus dem Werk in Weiherhammer, in dem 560 Mitarbeiter beschäftigt sind, kommt aber nicht nur Glas für die Solarindustrie. Die Verglasung des Flughafens in Hongkong stammt ebenso aus der Oberpfalz wie die Glaskuppel über dem Plenarsaal des Deutschen Bundestags im Reichstagsgebäude in Berlin.
Welchen Stellenwert das Oberpfälzer Floatglaswerk in Weiherhammer hat, lässt sich am besten an den Aussagen von Werksleiter Gietl messen: „Während der Wirtschaftskrise 2008/2009 hat NSG weltweit 3000 Mitarbeiter abgebaut. Nur bei uns im Werk Weiherhammer wurden 200 zusätzliche Stellen geschaffen.“ Dies liegt daran, dass hier immer Innovationen wie beispielsweise selbstreinigendes Glas entstehen, die dem Werk Weiherhammer zwei bis drei Jahre Wettbewerbsvorsprung verschaffen. „Danach haben es die anderen abgekupfert und wir müssen wider etwas Neues erfinden“, sagt Gietl zur Staatszeitung.
„Geht nicht, gibt’s nicht“, ist laut Gietl der Leitgedanke im Werk Weiherhammer. Diese Mentalität sichere dem Standort seine hohe Innovationskraft. „Dies geht nur, wenn die entsprechende Wertschätzung für die Mitarbeiter vorhanden ist, die wiederum für Motivation sorgt“, meint Ministerpräsident Seehofer, der aus dem Staunen über das geballte Innovationsknowhow in Weiherhammer nicht mehr herauskommt. „Wenn man raus ins Land fährt und sich die Dinge vor Ort anschaut, lernt man viel mehr, als beim Aktenstudium in der Staatskanzlei“, sagt er. Ein Schelm, wer da nicht sofort an seinen Vorvorgänger Edmund Stoiber denkt, der geradezu als „Aktenfresser“ galt.
Doch Innovation ist nicht der einzige Erfolgsfaktor für das Floatglaswerk in Weiherhammer. Qualität und Lieferzuverlässigkeit sind laut Werksleiter Gietl mindestens genauso wichtig. „Und dass wir Dinge beherrschen, die andere nicht können oder wollen“, erklärt er. Darum gibt es auch Mitarbeiter, die schon seit über 32 Jahren im Werk arbeiten, das selbst eine 70-jährige Geschichte aufzuweisen hat.
Für Ministerpräsident Seehofer steht jedenfalls angesichts so viel „Can do“-Mentalität fest, dass „die Oberpfalz Zukunft ist“.
(Ralph Schweinfurth)

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