Wirtschaft

Die Helikopter der ADAC-Luftrettung starteten 2011 zu rund 47 300 Einsätzen. (Foto: ADAC)

22.06.2012

"Die Scheichs sitzen in Berlin"

Der ADAC hat im Geschäftsjahr 2011 seine Erwartungen übertroffen

Für den ADAC ist das Geschäftsjahr 2011 erfolgreicher verlaufen als erwartet. Das teilte Club-Präsident Peter Meyer bei der Bilanzpressekonferenz in München mit. Grund dafür war die anhaltend positive Entwicklung des Mitgliederbestands auf 17,86 Millionen Auto- und Motorradfahrer – ein Plus gegenüber 2010 von 3,4 Prozent oder rund 581.000. „Damit“, so Meyer, „lagen wir nicht nur deutlich über unserem Plan; 2011 registrierten wir das größte Wachstum unserer Geschichte, ausgenommen sind natürlich die Jahre nach der Wende, als sich für uns schlagartig ein neues Potenzial von mehreren Millionen Menschen auftat.“
Im März diesen Jahres trat das 18-millionste Mitglied dem ADAC bei. Zum Stichtag 19. Juni 2012 hatte der Automobilclub 18.115.712 Mitglieder. Nicht nur deswegen erwartet Meyer auch für 2012 mit einem ordentlichen Wachstum. Hatte der ADAC zunächst mit einem Nettozuwachs von 431.000 Mitgliedern für dieses Jahr gerechnet, wurde die Prognose mittlerweile auf 500.000 Neu-Mitglieder zum Jahresende nach oben korrigiert. Keine andere Organisation habe auch nur annähernd so viele Mitglieder wie der ADAC, betonte Meyer. „Von daher müssen wir unser Geschäft schon gut machen.“
Unverändert positiv an der Entwicklung sei auch die Nachfrage nach ADAC Plus-Mitgliedschaften gewesen. Ihr Anteil am Gesamtbestand erhöhte sich von 9,2 auf 9,5 Millionen und liegt damit bei 53 Prozent.
Bedingt durch das über Plan liegende Wachstum stiegen – nach Abzug der Gruppenversicherungsprämie für die Plus-Mitgliedschaft – die Mitgliederbeiträge des ADAC e.V. und seiner Regionalclubs auf 655,8 Millionen Euro (+ 12,0 Millionen Euro), erklärte Stefan Weßling, Geschäftsführer Unternehmensdienste, Betriebswirtschaft, Luftrettung/Flugdienste. Davon wurde mit 310,3 Millionen Euro fast die Hälfte für direkte Hilfeleistungen wie Pannenhilfe, Luftrettung und Notrufzentralen aufgewendet – 17,1 Millionen Euro weniger als 2010, was maßgeblich an einem Rückgang der Pannenhilfen um 180.000 auf 4,1 Millionen liegt. Zweitgrößter Posten war der Mitgliederservice mit 145,7 Millionen Euro (- 2,7 Millionen Euro). Für den Bereich Information fielen 113,1 Millionen Euro (+ 1,9 Millionen Euro) an, für Sport 21,8 Millionen Euro (+ 0,8 Millionen Euro). Gestiegene Mitgliederbeiträge und gesunkene Aufwendungen führten laut Weßling zu einem Ergebnis von 64,9 Millionen Euro (2010: 35,8 Millionen Euro).
Die Erträge des ADAC e.V. erhöhten sich 2011 auf 877,7 Millionen Euro (+ 29,7 Millionen Euro), berichtete Weßling. Der Jahresüberschuss lag bei 23,4 Millionen Euro (2010: 28,3 Millionen Euro). Die in der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH zusammengefassten Tochtergesellschaften erzielten laut Stefan Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung, Erträge von 977,2 Millionen Euro (+ 48,7 Millionen Euro). Der Gewinn lag bei 71,1 Millionen Euro (+ 5,0 Millionen Euro). Die 18 Regionalclubs, allesamt regionale Vereine mit eigener Rechtspersönlichkeit, erzielten Erträge von 500,6 Millionen Euro (2010: 485,6 Millionen Euro). Das Jahresergebnis summierte sich dort laut Müller auf 57,9 Millionen Euro (+ 11,0 Millionen Euro).
Zum Jahresende 2011 beschäftigte der ADAC bundesweit knapp 8500 Mitarbeiter, darunter über 1600 Straßenwachtfahrer. Der Club betreibt 179 Geschäftsstellen, 15 Telefon-Service-Zentralen und 174 Vertretungen. Im Ausland kümmern sich 15 Notrufstationen in Europa und den USA um alle Mitglieder, die in Not geraten sind. Die Helikopter der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung GmbH starteten im vergangenen Jahr zu rund 47 300 Einsätzen, ein Plus von 3200 Einsätzen. Dabei versorgten die Hubschrauberbesatzungen der ADAC Tochtergesellschaft rund 43.300 Patienten (+ 3000).

2014 gibt es neue Mitgliedschaftsmodelle


2014 sollen laut Meyer neue Mitgliedschaftsmodelle eingeführt werden. Die Unterteilung in klassische Mitgliedschaft und Plus-Mitgliedschaft bleibe unverändert, wobei für beide Angebotsformen jedoch erhebliche Leistungsverbesserungen vorgesehen sind. Das Mitglied müsse nur entscheiden, ob es ausschließlich im Inland unterwegs ist oder auch im Ausland den Schutz und die Hilfe des Clubs benötigt. Daraus leiten sich dann drei zeitgemäße Angebote ab, nämlich für Singles, Paare und Familien. Ob die neuen Angebote einhergehen mit einer Beitragserhöhung (Beitragsstabilität seit 2004) sei im Club noch nicht ausdiskutiert, erklärte der ADAC-Präsident, obwohl die Preissteigerungen zum Beispiel für die Pannenfahrzeuge oder die Kraftstoffkosten erheblich zu Buche schlagen würden.
Scharf kritisierte Meyer die hohen Steuern auf die Kraftstoffe. Obwohl im Bewusstsein vieler Autofahrer die Mineralölgesellschaften schuld an der Preisentwicklung von Benzin und Diesel sind, sitzen für den ADAC-Präsidenten „die wahren Scheichs in Berlin“. Was Meyer überdies ärgert: „Der Staat verdient an steigenden Kraftstoffpreisen über die Mehrwertsteuer kräftig mit. Die Politik brüstet sich mit der außerordentlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands. Und viele Millionen Menschen, die sie erbringen, lässt sie ungerührt im Regen stehen.“
Nichts abgewinnen kann Meyer auch einer Pkw-Maut in Deutschland. Deren Einnahmen sollen angeblich ausschließlich dem Straßenverkehr zur Verfügung stehen. Fakt ist nach den Worten des ADAC-Präsidenten jedoch: „Das Geld für den Unterhalt und den Ausbau von Straßen ist da, der politische Wille nicht. Laut aktuellem Subventionsbericht der Bundesregierung stehen für das Jahr 2012 allein 16,8 Milliarden Euro für Steuervergünstigungen zur Verfügung. Die zusätzlich benötigten Mittel für die Bundesfernstraßen belaufen sich auf gerade mal zwei Milliarden Euro.“
Für Meyer entbehrt das Gejammer über fehlende Gelder also jeder Grundlage. Tatsache sei auch: Eine Pkw-Maut oder -Vignette auf deutschen Autobahnen würde ausschließlich die deutschen Autofahrer zusätzlich finanziell belasten. „Außerdem wäre eine solche Maßnahme ungerecht, unsozial und ökologisch kontraproduktiv.“ (Friedrich H. Hettler)
 

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