Wirtschaft

Winteridylle im Bayerischen Wald. (Foto: BSZ)

04.03.2011

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Bayerntourismus: Nie kamen mehr Gäste in den Freistaat als 2010

Das Jahr 2010 war ein Rekordjahr für den Tourismus im Freistaat, erklärte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) anlässlich der Jahrespressekonferenz Tourismus. Nie kamen bisher mehr Gäste als im vergangenen Jahr: Es waren 28 Millionen. Die Zahl der Übernachtungen ist mit rund 78 Millionen auf den höchsten Stand seit 2001 geklettert, freute sich Zeil.
Aber auch dieses Jahr stehen nach den Worten des Ministers die Zeichen auf Wachstum. „Der Tourismusboom hält für unsere Regionen viel Potenzial bereit. Das gilt es auszubauen.“ Dieser Erfolg ist für Zeil trotzdem kein Grund sich auszuruhen, sondern Motivation und Inspiration, um den Tourismus in Bayern weiter voranzubringen.
Unter das Motto „Inspiration – Innovation – Interaktion“ möchte der Minister 2011 die Aktivitäten der bayerischen Tourismusverantwortlichen in Bayern stellen. Sein Haus sei auch künftig ein verlässlicher Partner und Förderer des weiß-blauen Tourismus. „Unser aller Interesse ist, den Tourismus als Leitökonomie für Bayern zu stärken und Bayerns Position als eines der führenden Reiseziele in Europa und Tourismusland Nummer eins in Deutschland auszubauen.“ Mit einer Wertschöpfung von rund 25 Milliarden Euro pro Jahr sichere der Tourismus das Einkommen von mehr als 560 000 Einwohnern in Bayern.
Im vergangenen Jahr habe der Freistaat deshalb rund 48 Millionen in die touristische Infrastruktur investiert, sagte Zeil. 266 Projekte mit einem Volumen von über 200 Millionen Euro konnten bayernweit realisiert, über 3000 Arbeitsplätze im Freistaat gesichert und neu geschaffen werden. „An dieser bewährten Förderpolitik werden wir festhalten.“
2010 war nach den Worten des Ministers für die bayerische Tourismuspolitik ein Jahr der Neupositionierung. Nach 16 Jahren sei ein neues Tourismuspolitisches Konzept überfällig gewesen. Damit gebe man allen Entscheidungsträgern im Bayerntourismus einen Orientierungsrahmen und konkrete Leitlinien für ihre Arbeit.
Um im weltweiten Wettbewerb um Gäste und Urlaubsorte die Nase vorn zu haben, setzt der Freistaat auf ein einfaches Erfolgsrezept mit zwei zentralen Leitgedanken: Destinationen und Leistungsanbieter müssen kreativ, innovativ und qualitativ hochwertig sein und die Politik muss die Rahmenbedingungen für einen freien Wettbewerb gestalten.
Investitionen in Qualität und Innovation sind für den Minister Grundstein für einen erfolgreichen Tourismus der Zukunft. Unverzichtbar sei zudem Chancengleichheit für alle Konkurrenten. „Ich werde mich deshalb weiter dafür einsetzen, Wettbewerbsverzerrungen abzubauen und die Rahmenbedingungen für die überwiegend mittelständische Tourismuswirtschaft zu verbessern.“ In diesem Zusammenhang erteilte er der immer wieder mal geforderten Rücknahme der von Bayern forcierten Senkung der Mehrwertsteuer für die Hotellerie eine strikte Absage. Dieser Schritt der Bundesregierung sei vielmehr ein wichtiger Meilenstein gewesen. Die reduzierte Mehrwertsteuer ist für Zeil ein wirtschaftspolitisches Musterbeispiel, wie Initiative und Innovation in Unternehmen stimuliert werden können – sowohl in der Hotellerie direkt als auch im nachgelagerten Zulieferbereich, etwa dem Bauhandwerk. Hoteliers in ganz Deutschland würden die so gewonnenen finanziellen Spielräume für Investitionen in Infrastruktur, Personal und Qualität der Leistungen nutzen.
Bundesweit hätten bis heute fast 5000 Übernachtungsbetriebe Investitionen in Höhe von 859 Millionen Euro für Neuanschaffungen, Renovierungen und Modernisierungen getätigt. In Bayern wurden laut Umfrage des Verbandes zusätzliche Investitionen in einer Größenordnung von mehr als 106 Millionen Euro geplant. Insgesamt konnten bundesweit über 6200 Arbeitsplätze geschaffen werden. Dabei sei der Sekundäreffekt noch gar nicht berücksichtigt, denn jeder Euro Investition des Hotelgewerbes ziehe Umsatz, Gewinn und Beschäftigung bei Zulieferbetrieben nach sich. „Genau diesen Effekt haben wir beabsichtigt. Wir werden deshalb an dieser Mehrwertsteuersenkung festhalten.“
Eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für die Gastronomiebranchei wäre laut Zeil derzeit jedoch nur im Zusammenhang mit einer generellen Mehrwertsteuer-Reform umsetzbar.
Gleichzeitig sollen im Tourismuspolitischen Konzept neue Akzente gesetzt werden: So soll die Entwicklung des Gesundheitstourismus und die Vernetzung von Heilbädern und Gesundheitswirtschaft vorangetrieben werden; der ländliche Raum mit den tragenden Säulen „Urlaub auf dem Bauernhof“ sowie „Heilbäder und Kurorte“ soll gestärkt werden; ferner wird weiter auf einen nachhaltigen und umweltverträglichen Tourismus gesetzt, denn dieser lebe von einer intakten Umwelt.

Tourismusbranche muss sich dem Zeitgeist stellen


Im hart umkämpften Tourismusmarkt müsse zudem mehr denn je Qualität großgeschrieben werden; unverzichtbar für den wirtschaftlichen Erfolg sei darüber hinaus zum einen ein klares zielgruppen- und produktorientiertes Marketing. Zum anderen müssen heutzutage die neuen Medien genutzt und eingesetzt werden. Ob Online-Marketing oder App-Angebote für die Smartphones der Gäste – bei der Akquise und Betreuung von Urlaubern müsse sich die Tourismusbranche dem Zeitgeist stellen und neue Trends aufgreifen; schließlich stelle der demografische Wandel neue Anforderungen: Der Urlaub müsse auch älteren oder gehbehinderten Gästen Spaß machen. Stichwort: Barrierefreiheit.
Letzten Endes, so Zeil, liege der Schlüssel zum Erfolg bei den Destinationen und Tourismusakteuren vor Ort, vor allem den Unternehmen. Gäste, besonders glückliche Gäste, bekomme nur derjenige, der Eigeninitiative zeige, Qualität hochhalte und bereit sei für Innovationen. (Friedrich H. Hettler)

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