Wirtschaft

Alexander Fackelmann präsentiert sein Angebot für die Küchen dieser Welt. (Foto: Tjiang)

09.02.2018

Digitalisierung forcieren

Fränkischer Hersteller von Küchenhelfern sieht den klassischen Vertriebsweg bröckeln

Die Hersbrucker Fackelmann-Gruppe aus dem Landkreis Nürnberger Land steht vor einer großen Herausforderung. Der Hersteller von Küchenhelfern jeglicher Art, von der Backform über eine Ingwerreibe bis zum Avocadostampfer, sieht seinen klassischen Vertriebsweg bröckeln. Von jeher hat die europäische Nr. 1 seine Produkte in den großen Handelsketten platziert. Doch nun sieht der geschäftsführende Gesellschafter Alexander Fackelmann den stationären Handel unter Druck. Zwar kaufe noch fast jeder Zweite bundesweit ausschließlich offline ein, sie sorgen allerdings beim Handel nicht einmal für 30 Prozent des Umsatzes.

Suchmaschinen optimieren


Fackelmann treibt deshalb die Digitalisierung seines Geschäfts voran. Ein sechsköpfiges „Digital Team“ soll unter anderem dafür sorgen, dass bei den globalen Suchmaschinen via Search Engine Optimization (SEO) und Search Engine Advertising (SEA) Treffer aus den Hause Fackelmann angezeigt werden. Immerhin konnte über den Riesenmarktplatz Amazon von Januar 2017 bis Januar 2018 das junge Onlinegeschäft mit Backformen um die Hälfte, mit anderen Fackelmannprodukten sogar um 60 Prozent gesteigert werden.

Neben den wachsenden Plattformen der Warenhäuser und SB-Märkte will Marketing-Mann Fackelmann auch neue Online-Akteure gewinnen. Dazu zählt er etwa die Plattform HelloFresh oder Amazon fresh. Die Logik ist für ihn naheliegend: „Ich brauche ein Fackelmann-Produkt, um Lebensmittel genießen zu können.“ Dabei ist es für die Online-Marktplätze gar nicht nötig, Fackelmannware selbst auf Lager zu haben. Per Drop-Shipping, so der modische Begriff für das altbekannte Streckengeschäft, klicken Verbraucher auf „Kaufen“, versendet wird allerdings nicht unbedingt vom Portal, sondern aus einem Fackelmannlager. Die Schaffung der notwendigen internen Strukturen, um jeweils passend so der jeweiligen Plattform zu sein, sei allerdings „nicht ganz trivial“.

Fackelmann sieht die Zukunft allerdings nicht in einem reinen Online-Geschäft. Er setzt auf ein Omnichannel-Konzept, das sowohl den Online-Bereich vom Marketing bis zum Verkauf abdeckt als auch offline die Waren in einem Geschäft zum haptischen Anfassen präsentiert.

Schnäppchenmarkt kommt


In diesen Bereich will sich Fackelmann auch mit seinem ehemaligen Schnäppchenmarkt in Hersbruck positionieren. Die Immobilie hat er im vergangenen Jahr verkauft, nun wird an einem Omnichannel-Konzept für eine „Fackelmann-Welt“ gearbeitet. Zum einen sollen dort Produkte zum Erleben präsentiert werden und durch Events, wie etwa vegane Kochshows, die Menschen anlocken. Zugleich sollen begeisterte Besucher dann die Möglichkeit erhalten, Produkte über Partner zu bestellen. Einen eigenen Fackelmann-Onlineshop gibt es noch nicht.

Produktionsseitig hat der Familienunternehmer in dritter Generation seine Hausaufgaben gemacht. Theoretisch umfasst das Fackelmann-Sortiment rund 10.000 Produkte inklusive Farbvarianten, die unter anderem unter den Markennamen Fackelmann, Zenker, Dr. Oetker Küchenhelfer, Nirosta, Stoha und dem Badmöbel-Hersteller Lanzet produziert werden. Außerdem werden für Dritte noch Eigenmarken produziert, allein der Einrichtungsriese Ikea nimmt 70 Artikel ab. Das macht rund ein Viertel des Geschäfts aus.

Angesichts der seit Jahren steigenden Löhne in China speckt Fackelmann die Produktion dort ab und bündelt die bisher drei Fabriken an einem Standort. Jahr für Jahr holt er die Fertigung von rund 20 Produkten an den mittelfränkischen Stammsitz zurück. Dort entstehen allerdings keine neuen Arbeitsplätze, sondern werden durch vollautomatische Prozesse produziert. Ein weiterer Standort im Aufbau findet sich in Indien, wo die Lohnkosten „ein Viertel von den Chinesen“ ausmachen.

Auch wegen des schwächeren Dollars stieg im letzten Jahr der Umsatz nur leicht um ein Prozent auf 386 Millionen Euro. Den Ertrag bezeichnet der Unternehmer als „auskömmlich“. Während die Zahl der Mitarbeiter weltweit wegen der Restrukturierung in China auf 3000 sank, blieb die Zahl der in Deutschland beschäftigten bei 750 stabil. Darin enthalten sind 18 Azubis und sieben duale Studenten. In Deutschland werde in über 7000 Märkten rund jeder Dritte Euro verdient. Für das laufende Jahr wird ein Umsatzplus von vier Prozent angepeilt.
(Thomas Tjiang)

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