Wirtschaft

Siegfried Schneider möchte, dass in Bayern qualitativ und pädagogisch hochwertige Lern-, Strategie- und Adventurespiele entwickelt werden. (Foto: Schweinfurth)

17.09.2010

„Ein erster Schritt zur Vernetzung“

Staatskanzleichef Siegfried Schneider will in Bayern eine Computer-Spiel-Industrie aufbauen

Bislang gibt es im Freistaat keine Computer-Spiel-
Industrie. Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) brach deshalb vor Kurzem in Bayerns kanadische Partnerprovinz Québec auf, um dort mögliche Kooperationen auszuloten. Dort nämlich bommt diese Branche seit Jahren. Wir sprachen mit Schneider über die Ergebnisse seiner Reise.

BSZ Herr Schneider, warum kümmert sich der bayerische Staatskanzleichef höchstpersönlich um Bum-bum-Baller-Spiele für Computer und Handys?
SCHNEIDER (lacht) Wir kümmern uns um die Computer-Spiel-Industrie, weil darin ein enormes Arbeitsplatzpotenzial steckt und weil wir wollen, dass hochwertige Spiele, die unserem Wertekonsens entsprechen, in Bayern entwickelt und hergestellt werden. Bisher ist der Freistaat vor allem als Absatzmarkt interessant für Unternehmen wie zum Beispiel Koch Media, Sega oder Sony, die derartige Spiele vertreiben. Produzenten haben wir noch viel zu wenige.

BSZ Und da soll jetzt Québec helfen?
SCHNEIDER Québec ist zum Mekka der Gaming-Industrie geworden. Denn dort ist man etwa sechs bis sieben Jahre voraus, was die Entwicklung dieses Sektors angeht. In Montréal profitieren die Firmen von europäischer Kreativität und dem US-amerikanischen Markt als Abnehmer.

BSZ Davon könnte auch Bayern im Rahmen einer Kooperation mit Québec profitieren?
SCHNEIDER Sicher. Aber erst einmal müssen wir den jungen Unternehmen der Gaming-Industrie, die sich gerade in Bayern formieren, eine Chance geben und sie in ihrer Entwicklung fördern. Hierzu hat der Freistaat bereits vor einem Jahr ein Förderprogramm aufgelegt und bislang fast eine halbe Million Euro an zehn Unternehmen ausgereicht.

BSZ Sie sehen die Gaming-Szene also als Zukunftsbranche an?
SCHNEIDER Absolut. Denn man darf nicht den Fehler machen und die dort versammelte Medienkompetenz nur der Unterhaltung zurechnen. Aus diesem Bereich kommen viele Anwendungen, die zum Beispiel bei der Konstruktion von Anlagen, Fahrzeugen und Maschinen, bei bildgebenden Verfahren in der Medizintechnik oder im Automobilsektor bzw. beim Konfigurieren des Wunschneuwagens via Internet gebraucht werden. Außerdem kommt die Kompetenz, mit großen Rechnerleistungen umzugehen, mit aus der Gaming-Industrie.

BSZ Das wissen aber die wenigsten. SCHNEIDER Darum müssen wir jetzt erst einmal ein Bewusstsein schaffen für diese wichtigen technologischen Fähigkeiten. Uns geht es vor allem darum, die Qualifikationen, die man hierfür braucht, in der Ausbildung zu vermitteln. Deshalb wollen wir vor allem auch Kooperationen zwischen kanadischen und bayerischen Hochschulen anstoßen. Mit dem Premierminister von Québec Jean Charest und seinem Wirtschaftsminister habe ich vereinbart, ein Kooperationskonzept zu erarbeiten.

BSZ Wie groß ist denn der Sektor der Gaming-Industrie in Québec und welche Wachstumsraten sind dort zu erwarten?
SCHNEIDER Rund 90 Prozent der Gamesbranche Québecs sind in Montréal angesiedelt. Über 80 Unternehmen in den Bereichen Entwicklung Software, Outsourcing und Publishing stellen über 7000 Jobs. Die Wachstumsrate lag in den vergangenen sieben Jahren bei 600 Prozent. Mehr als 5000 Studenten schließen pro Jahr das Studium ab.

BSZ Gibt es für Bayern ähnliche Entwicklungsperspektiven?
SCHNEIDER Wir haben durchaus gute Perspektiven. Aber erst einmal müssen wir die Kontakte intensivieren und unsere bayerischen Akteure zusammenbringen. Hierfür war die Reise sehr gut, wie mir auch von den Teilnehmern bestätigt wurde. Denn diese kannten sich zum Großteil untereinander gar nicht, geschweige denn hatten sie Kontakte zu den Akteuren in Québec. Insofern war der Trip ein erster wichtiger Schritt in Richtung Vernetzung.

BSZ Welche Spiele sollen bayerische Firmen künftig einmal entwickeln? SCHNEIDER Fördern wollen wir vor allem qualitativ und pädagogisch hochwertige Lern-, Strategie- und Adventurespiele wie zum Beispiel 2weistein II – Neue Abenteuer in Trillion (ein hochwertiges Adventure learning game). Mir ist es offengestanden zu wenig, dass wir hierzulande vor allem asiatische und US-amerikanische Spiele verkaufen.

BSZ Wie wollen Sie das steuern?
SCHNEIDER Indem wir das alles in unserer schon sehr gut vernetzten Arbeit in Bayern thematisieren und weiter ausbauen. Und indem wir mit dem eingangs erwähnten Förderprogramm weitere Akzente setzen.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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