Wirtschaft

Dank Anleihen kann die Golden Gate AG aus Seeshaupt (Landkreis Weilheim-Schongau) Ende dieses Jahres in Leipzig eine Klinik (Foto) als Zentrum für spezialisierte septische Chirurgie eröffnen. (Foto: Golden Gate)

27.01.2012

„Ein weiteres Finanzierungsinstrument“

Die Veranstalter des Infotags „Mittelstandsanleihen für Unternehmer“ erklären, welche Vorteile Anleger und Firmeneigner von diesen Papieren haben

Die Börse München hat ihr Marktsegment m:access für den Handel mit Unternehmensanleihen aus dem Mittelstand geöffnet. Deshalb wird es am 16. Februar einen Infotag „Mittelstandsanleihen für Unternehmer“ geben, an dem die Staatszeitung Medienpartner ist. Wir sprachen mit den Veranstaltern Marc Feiler, Leiter der Wertpapierzulassung der Börse
München, und Peter Hasler, Vorstand des Münchner Unternehmensberaters Blättchen & Partner.

BSZ: Herr Feiler, warum sollte ein Mittelständler Unternehmensanleihen begeben?
Feiler: Weil er damit ein zusätzliches Finanzierungsinstrument hat. Neben dem klassischen Bankkredit und dem Eigenkapital verschafft er sich somit ein weiteres Standbein. Auch wenn es derzeit wohl noch keine allgemein spürbare Kreditklemme im Mittelstand gibt, so könnte sich das im Zuge der Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen nach Basel III sehr bald ändern. Und in manchen Branchen sind die Banken mit der Kreditvergabe bereits sehr zurückhaltend.

BSZ: Welche Branchen sind das und wird Basel III zu einer Kreditklemme führen?
Hasler: Zum Beispiel in der Solarbranche. Hier gibt es wegen der zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Modulanbieter immer größere Finanzierungsprobleme mit Firmenkrediten. Aber bei Basel III wird nicht über Nacht zu einer Kreditklemme führen. Das ist ein langwieriger Prozess.

BSZ: Wie ist das zu verstehen?
Feiler: Derzeit herrscht eine trügerische Sicherheit bei den Unternehmen, weil viele Banken momentan noch umfassend Kredite ausreichen. Denn alle Kredite, die noch vor Inkrafttreten von Basel III vergeben werden, fallen unter Bestandsschutz, sprich, werden nicht den strengeren Eigenkapitalregeln unterworfen sein. Wer danach einen Kredit für sein Unternehmen braucht, wird jedoch die Auswirkungen dieser neuen Anforderungen an die Banken immer deutlicher spüren.. Insofern ist ein Zeitpunkt nicht genau festzumachen, was aber nichts daran ändert, dass es zu einer Kreditverknappung kommen wird.

BSZ: Um aber Unternehmensanleihen platzieren zu können, müssen Firmen doch ihre Geschäftszahlen offenlegen. Das wollen doch Mittelständler gar nicht.
Hasler: Wir stellen fest, dass es immer weniger Vorbehalte gegenüber dieser Transparenz gibt. Allerdings gibt es nach wie vor sehr gut verdienende Mittelständler, die nicht mit entsprechenden Statussymbolen auffallen, und weiterhin bescheiden in ihrem teils ländlichen Umfeld leben wollen. Sie wollen nach wie vor zum Stammtisch gehen können, ohne wegen ihres Wohlstandes kritisch beäugt zu werden. Das sind aber die wenigsten.
Feiler: Die meisten Mittelständler haben eher Probleme, ihre Finanzabteilung so aufzustocken, dass sie den Anforderungen des Kapitalmarktes gerecht werden. Denn Jahresabschlüsse und Halbjahresberichte zeitnah und kapitalmarktgerecht zu erstellen, ist für viele Firmen eine Herausforderung.
Hasler: Ja, es kostet schon Geld, um die Finanzabteilung so aufzustellen, damit die Terminvorgaben der Börsen eingehalten werden. Ist ein Mittelständler noch mit Tochtergesellschaften im Ausland vertreten, müssen auch die dortigen Abschlüsse rechtzeitig erstellt werden. Das kann dann schon dazu führen, dass man den lokalen Wirtschaftsprüfer vor Ort gegen eine international tätige Wirtschaftsprüfungskanzlei auswechseln muss. Doch das kostet eben Geld. Zur Unterstützung wechseln viele Ex-Investmentbanker in die Finanzabteilungen von Mittelständlern.

BSZ: Damit es mit den Mittelstandsanleihen klappt, braucht man aber auch Käufer solcher Finanzprodukte. Wie sieht es denn da mit der Sicherheit des Investments für die Anleger aus?
Feiler: Hier sorgen wir für hohe Qualitätsstandards. So muss es für eine Notierung in m:access bonds, unserem Qualitätssegment für Mittelstandsanleihen, neben einem von der BaFin gebilligten Wertpapierprospekt auch ein Rating des betreffenden Unternehmens durch eine unabhängige Agentur von mindestens BB+ geben. Zusätzlich sollen ein Credit-Research vorgelegt und jährliche Folgeratings erstellt werden. Außerdem müssen die Anleihebedingungen selbst entsprechend transparent dargestellt werden. Für die Einhaltung dieser Qualitätsstandards sorgt ein Emissionsexperte, der als ausgewiesener Kapitalmarktexperte den die Anleihe über die gesamte Laufzeit begleitet. Zur Unterstützung der Platzierung stellt die Börse München seit neuestem ein spezielles Zeichnungstool zur Verfügung, das es dem Anleger erlaubt, über seine Hausbank einen Zeichnungsauftrag abzugeben und die Anleihe zum Nominalwert, d.h. ohne Ausgabeaufschlag, zu zeichnen. Somit kann der Privatanleger die börsliche Infrastruktur nutzen. In Sachen Sicherheit für den Anleger können wir als Börse nur dafür sorgen, dass der Anleger möglichst viele und valide Informationen zum Unternehmen erhält, die Entscheidung liegt am Ende beim Anleger und der Erfolg hängt vom Unternehmen ab.

BSZ: Und wie erfährt der Privatanleger von diesen neuen Möglichkeiten?
Hasler: Durch unsere Tätigkeit als Berater, die auch eine umfassende Kommunikationsstrategie beinhaltet. Wir sind im ständigen Kontakt mit entsprechenden Vermögensverwaltern und streuen über neutrale redaktionelle Beiträge in überregionalen und regionalen Zeitungen Berichte über die betreffenden Unternehmen und die Anlagemöglichkeiten. Die Vermögensverwalter ihrerseits informieren dann ihre Kunden. Gerade hier im Großraum München gibt es sehr viele große Privatvermögen, die nach einer sinnvollen und sicheren Anlagemöglichkeit suchen.

BSZ: Wie sieht denn der Markt für Privatanleger im Mittelstand derzeit aus?
Feiler: Diese Möglichkeit gibt es ja erst seit März 2010. Bis jetzt haben bundesweit 41 Unternehmen rund 1,7 Milliarden Euro platziert. Doch wir gehen von steigenden Zahlen aus, wenn diese Anlageform erst noch bekannter wird und der DAX sich weiterhin so entwickelt wie bisher, sprich vorteilhaft für unser Geschäft ist.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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