Wirtschaft

Die bayerischen Bezirke sorgen unter anderem in der Bauwirtschaft für Aufträge. Derzeit wird für den Bezirk Oberbayern die Klinik in Haar bei München erweitert. Bezirketagspräsident Josef Mederer erläutert die wirtschaftliche Bedeutung der bayerischen Bezirke. Fotos Bezirk Oberbayern, schweinfurth

17.07.2015

Eine kaum bekannte Wirtschaftsgröße

Die bayerischen Bezirke beschäftigen rund 75.000 Menschen

Die bayerischen Bezirke sind bekannt für ihre psychiatrischen Einrichtungen, ihre Hilfe zur Pflege und ihre Kulturarbeit. Dass hinter diesem Engagement auch eine gewaltige Wirtschaftskraft steckt, ist bisher kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

„Wir haben bei den bayerischen Bezirken rund mehr als 25.000 Beschäftigte“, sagt Josef Mederer (CSU), Präsident des Bayerischen Bezirketags und Präsident des Bezirks Oberbayern, der Staatszeitung. Rechnet man die von den Bezirken über Entgelte und Vereinbarungen finanzierten Bereiche im Sozialwesen hinzu, sind es mittelbar rund 50.000 weitere Beschäftigte, die von den Bezirke bezahlt werden, insgesamt also 75.000 Personen. Das sind, den Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung zufolge, sogar fast so viele wie die über 76.000 Beschäftigten der bayerischen Gummi- und Kunststoffbranche.

Bezirke sorgen für Social Return on Investment

Dieses Personalvolumen schlägt sich auch im Verwaltungshaushalt der bayerischen Bezirke nieder. In diesem Jahr beläuft er sich nach aktuellen Zahlen auf knapp 4,4 Milliarden Euro. „Aber 80 Prozent davon umfassen Personalkosten direkt bei uns oder bei von uns finanzierten Einrichtungen und Angeboten“, erläutert Mederer. Angesichts dieser Zahlen spricht er vom „SRoI – Social Return on Investment“, also den Sozialleistungen, die der Gesellschaft zugute kommen. Denn aus den Personalkosten entstehen Einkommensteuer- und Sozialversicherungsbeiträge, wird Nachfrage erzeugt. „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass jeder im Sozialbereich eingesetzte Euro mehr als zurückkommt und sich damit nicht nur menschlich auszahlt, sondern sogar finanziell rechnet“, unterstreicht Mederer. Bei einer exemplarischen Untersuchung für eine vom Bezirk Oberbayern finanzierte Münchner Einrichtung der Wohnungslosenhilfe floss beispielsweise jeder investierte Euro innerhalb eines Jahres mit einem Wert von 1,11 Euro an die öffentliche Hand zurück.

Die bayerischen Bezirke verfügen über rund 15 Prozent aller Krankenhausbetten im Freistaat

Außerdem betreiben die bayerischen Bezirke in über 40 Fachkrankenhäusern, Fachabteilungen und Tageskliniken rund 12.000 Betten und tagesklinische Plätze. „Diese finden sich in der Psychiatrie und Psychotherapie, der Psychosomatik, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Forensischen Psychiatrie, der Neurologie, der Orthopädie sowie in der Lungen- und Bronchialheilkunde“, erklärt der Bezirketagspräsident. Somit verfügen die bayerischen Bezirke über rund 15 Prozent aller Krankenhausbetten in Bayern. „Diese Gesundheitseinrichtungen der Bezirke sind sozialer und verlässlicher Arbeitgeber für zirka 22.000 Beschäftigte in Bayern“, rechnet Mederer vor. Das entspreche etwa 13 Prozent aller im Freistaat in Krankenhäusern beschäftigten Menschen. „In einigen Regionen sind die Bezirkseinrichtungen sogar der größte Arbeitgeber vor Ort“, betont der Bezirketagspräsident.
Doch die Bezirke sind nicht nur unter Beschäftigungsgesichtspunkten interessant. Auch ihr Nachfrageverhalten nach Waren und Dienstleistungen stellt einen großen Wert dar. So hat zum Beispiel allein der Bezirk Schwaben im Jahr 2013 für den Unterhalt von Grundstücken, Gebäuden und sonstigen unbeweglichen Vermögen etwas über 5,7 Millionen Euro ausgegeben. In dieser Summe sind aber nicht die Aufwendungen für die Bezirkskrankenhäuser in Schwaben und auch nicht das Kloster Irsee enthalten. Für Baumaßnahmen und betriebstechnische Anlagen wurden 2013 vom Bezirk Schwaben gut 900.000 Euro investiert.

Bezirk Oberbayern gab 52,4 Millionen Euro für Baumaßnahmen aus

Blickt man auf den größten aller bayerischen Bezirke, den Bezirk Oberbayern, sind die Zahlen noch höher. Hier wurden für Baumaßnahmen 52,4 Millionen Euro ausgegeben. Dieses Volumen ist so viel größer als in Schwaben, weil in dieser Summe auch die Ausgaben für Baumaßnahmen in den Kliniken des Bezirks Oberbayern enthalten sind.
Betrachtet man den Kulturbereich der bayerischen Bezirke, stößt man auf einen riesigen ideelen und damit nicht monetär quantifizierbaren Wert, um nicht zu sagen Kulturschatz: die Freilichtmuseen. Sei es Glentleiten in Oberbayern, Fladungen in Unterfranken oder Bad Windsheim in Mittelfranken, all diese Museen haben nicht nur einen immensen pädagogischen Wert, sondern der Erhalt der historischen Gebäude ist ebenfalls ein Pfund für sich.
Doch nicht nur die Freilichtmuseen der Bezirke sorgen für Ausgaben in Betrieb und Unterhalt. Auch Zuschüsse an Künstler, Künstlerverbände und Theater gehen auf die Rechnung der Bezirke. So hat beispielsweise der Bezirk Schwaben 2013 hierfür etwa 440.000 Euro ausgegeben. Im Bezirk Oberbayern waren es 1,3 Millionen Euro.
(Ralph Schweinfurth)

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