Wirtschaft

Während der unter Denkmalschutz stehende, so genannte Himbeerpalast im Erlanger Zentrum bleibt, werden die anderen Siemensbereiche von der Mitte sukzessive in den Süden der Hugenottenstadt verlegt. (Foto: Schweinfurth)

20.09.2013

Eine Riesenchance für Erlangen

Siemens-Investment bietet der Hugenottenstadt enorme wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten

Der in Bayern beheimatete Weltkonzern Siemens wird in den kommenden 20 Jahren eine halbe Milliarde Euro auf seinem Südgelände in Erlangen investieren, um dort den Siemens Campus zu errichten. Davon wird nicht nur die Bauwirtschaft profitieren.

„Das ist eine Riesenchance für die Stadt“, sagt Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) der Staatszeitung. Denn durch den Umzug innerhalb der Hugenottenstadt werden wertvolle innerstädtische Flächen frei.
„Siemens wird seinen kompletten Standort Mitte in den Süden der Stadt verlagern“, erklärt der OB. Auf diese Weise könnte sich eine deutliche Entspannung am Erlanger Wohnungsmarkt ergeben. Denn Siemens habe seine Mitarbeiter am Standort Mitte teilweise in ganz normalen Wohnungen, die zu Büroräumen umfunktioniert wurden, untergebracht. Nach einer kurzen Sanierungsphase könnten diese Wohnungen sofort dem Erlanger Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Bereits nächste Woche werden sich laut Balleis Vertreter der Stadt und von Siemens, allen voran Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm, zusammensetzen, um einen Startschuss für die Planungen zu geben.
Doch nicht nur für den Wohnungsmarkt hat die Entscheidung von Siemens weitreichende Folgen. Auch die Universität Erlangen-Nürnberg, die bereits jetzt aus allen Nähten platzt, kann profitieren. Insitute können gebündelt und ebenfalls Wohnungen frei werden. Denn auch Uni-Mitarbeiter sitzen teilweise in zu Büros umgewandelten Wohnungen im Zentrum Erlangens.


Bekenntnis zu Erlangen


Balleis sieht in der Entscheidung seines früheren Arbeitgebers ein klares Bekenntnis zum Standort Erlangen: „Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass der Weltkonzern Siemens auch andernorts seine Kompetenzen hätte konzentrieren können.“ Balleis spielt damit auf die ewige Rivalität zwischen den Münchner und den Erlanger Standorten im Konzern an. Einzelne aus der Führungsriege des Konzerns, so wird kolportiert, sähen Erlangen am liebsten aus dem Rückspiegel.
Aber mit Erlangen wird man innerhalb des Konzerns nach dieser Weichenstellung des neuen Konzernchefs Joe Kaeser auch in den kommenden Jahren rechnen müssen. Denn immerhin sind die Siemens-Einheiten in Nürnberg, Fürth und Erlangen „das Herz von Siemens“, wie es Vorstand Russwurm, selbst ein Franke, einmal bei einer Siemensveranstaltung im so genannten Himbeerpalast, einem unter Denkmalschutz stehenden Verwaltungsgebäude im Zentrum Erlangens, gegenüber der Staatszeitung betonte. Denn immerhin sind an diesen Siemens-Standorten knapp 32.000 Mitarbeiter beschäftigt.


Wichtige Weichenstellung


Gerüchten zufolge hat aber dieses 500 Millionen Euro schwere Investitionsvorhaben für die Hugenottenstadt nicht der seit einigen Wochen neue Vorstandschef Kaeser entschieden, sondern sei bereits auf den Weg gebracht worden, als noch der Österreicher Peter Löscher den Konzern führte.
Wer letztlich diese positive Entscheidung zu verantworten hat, kann sich jedenfalls auf die Fahnen schreiben, eine der wichtigsten Weichenstellungen für Erlangen vorgenommen zu haben. Denn nicht nur Universität und Wohnungssuchende werden profitieren. Wenn es gut läuft, könnten auch die vielen Pendler ihren Nutzen daraus ziehen. Denn laut Balleis macht es jetzt wieder Sinn, über die umstrittene StUB, Stadt-Umland-Bahn (Staatszeitung berichtete mehrfach), nachzudenken.
Anstatt die kostenintensive Variante durch die Erlanger Innenstadt zu favorisieren, wäre jetzt eine wesentlich günstigere und auch effizientere Lösung möglich. Die Straßenbahn, aus dem Norden Nürnbergs über die Bundesstraße B 4 kommend, könnte entlang der Nordgrenze des Siemens-Südgeländes (Paul-Gossen-Straße) auf direktem Weg Richtung Herzogenaurach geführt werden. Die Erlanger City würde dann mit Elektrobussen erschlossen, so Balleis. Somit könnten sich die Kosten für die Stadt Erlangen nahezu halbieren, hofft der Rathauschef.
Bisher lehnte er die StUB immer ab, weil Bau und Betrieb dieser Bahn den Haushalt der Hugenottenstadt in exorbitanter Weise belastet hätte. Ohne Maximalförderung durch Bund und Freistaat wäre das Projekt für Erlangen nicht realisierbar gewesen. „Aber jetzt haben wir eine neue Ausgangslage“, erklärt Balleis. Er kann sich sogar im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft eine finanzielle Beteiligung von Siemens an der Realisierung der StUB vorstellen. Auf Herzogenauracher Seite könnten die dortigen Konzerne Adidas, Puma und Schaeffler ebenfalls mitfinanzieren. Schließlich könnten die Unternehmen von der StUB stark profitieren. Ihre Mitarbeiter könnten dann mit der Bahn zur Arbeit kommen und die Firmen müssten nicht mehr so viele Parkplätze vorhalten.
Insgesamt hat die Entscheidung von Siemens eine ähnliche Tragweite wie die der US-Armee, als sie im Juni 1993 bekanntgab, ihren Standort in Erlangen aufzugeben. Seither ist auf dieser rund 101 Hektar umfassenden Fläche der neue Stadtteil Röthelheimpark im Osten der Stadt entstanden. Dort befinden sich jetzt unter anderem die Franconian International School, Uni-Einrichtungen, ein Baumarkt, viele Wohnhäuser und die Zentrale der Erlanger CSU, wo man wahlweise OB Balleis oder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann antrifft. (Ralph Schweinfurth)

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