Wirtschaft

Ab November 2013 soll der ADAC Postbus auf Reisen gehen. (Foto: ADAC)

21.06.2013

Einstieg ins Busgeschäft

ADAC blickt auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2012 zurück

Das Geschäftsjahr 2012 war für den ADAC wieder ein sehr gutes, jedoch kein Rekordjahr in puncto Mitgliederentwicklung, erklärte Peter Meyer, Präsident des weltweit zweitgrößten Automobilclubs. Insgesamt verzeichnete der ADAC 2012 mit einem Mitglieder-Nettozuwachs von mehr als 556 000 das dritterfolgreichste Jahr in seiner nunmehr 100-jährigen Geschichte. Aktuell hat der ADAC laut Meyer 18.617.000 Mitglieder. Allein am 17. Juni 2013 habe es 8799 Anmeldungen gegeben – für heuer der bisherige Rekordtag. Zum Jahresende rechnet er mit einem Netto-Plus von 430 000 Mitgliedern, was einem Endbestand von 18,8 Millionen entsprechen würde.
Die Mitgliederbeiträge des ADAC und seiner Regionalclubs stiegen nach Abzug der Gruppenversicherungsbeiträge um 15,4 Millionen Euro auf 671,2 Millionen Euro, berichtete Karl Obermair, Vorsitzender der Geschäftsführung des ADAC. Ohne diesen Abzug habe man erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen überschritten, sagte Obermair.
Von den 671,2 Millionen Euro wurden 322,9 Millionen Euro für direkte Hilfeleistungen wie Pannenhilfe und Luftrettung eingesetzt. Ein Plus von 12,6 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, was vor allem auf der steigenden Zahl der Pannenhilfen beruht. Insgesamt wickelte der ADAC 4,17 Millionen Pannen ab, rund 105.000 mehr als im Vorjahr. 154,7 Millionen Euro wurden für den Mitgliederservice verwandt, 108,7 Millionen Euro für Information sowie 23,6 Millionen Euro für Sport.
Das Ergebnis beläuft sich auf 61,3 Millionen Euro (Vorjahr 64,9 Millionen Euro). Es wird, so Obermair, den Rücklagen, beziehungsweise dem Vereinsvermögen zugeführt.


Neuer Rekord in der Geschichte der Luftrettung

Die 18 Regionalclubs des ADAC sind selbstständige Vereine, die für sich bilanzieren. Ihre Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen können also nicht konsolidiert werden. Die Mitgliederbeiträge und sonstigen betrieblichen Erträge stiegen auf 505,8 Millionen Euro. Der summarische Überschuss sank auf 57,0 Millionen Euro, die Bilanzsumme stieg auf 1,34 Milliarden Euro.
Die Crews der ADAC-Luftrettung starteten im vergangenen Jahr zu 49.243 Einsätzen (Vorjahr 47.315). Das bedeutet einen neuen Rekord in der Geschichte der Luftrettung; er ist unter anderem auf die Veränderungen in den Notarztstrukturen in den Flächenländern zurückzuführen. Die Summe der Aufwändungen erhöhte sich von 74,2 auf 81,6 Millionen Euro.
In den nächsten Jahren kommen laut Obermair hohe Kosten auf die ADAC-Luftrettung zu. Aufgrund von EU-Vorgaben müssen alte Maschinen ausgetauscht werden; der Kaufpreis für die neuen Hubschrauber beträgt derzeit 130 Millionen Euro.
Auch die wichtigsten Tochtergesellschaften des ADAC e.V. haben ordentlich gewirtschaftet und überwiegend gute Ergebnisse erzielt, erklärte Stefan Weßling, Geschäftsführer des Bereichs Betriebswirtschaft, Luftrettung, Unternehmensentwicklung beim ADAC. die Umsatzerlöse und sonstigen betrieblichen Erträge des ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdiensts stiegen um 56 Millionen Euro auf 1,03 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss beträgt 84,9 Millionen Euro (Vorjahr 71,1 Millionen Euro). Das Anlagevermögen im Konzernabschluss stieg auf 992,7 Millionen Euro (2011: 942,8 Millionen Euro). Das Eigenkapital, so Weßling, wuchs deutlich auf 704,9 Millionen Euro (Vorjahr 630,1 Millionen Euro). Die Bilanzsumme beläuft sich auf 1,62 Milliarden Euro (2011: 1,54 Milliarden Euro).
Die ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG steigerte laut Weßling ihre Beitragseinnahmen um 5,3 Prozent auf 492,7 Millionen Euro. Ausnahmslos alle Sparten seien im abgelaufenen Jahr gewachsen. Optisch herausragend ist der ADAC Auslands-Krankenschutz: Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Verträge um rund 165 000 und überschritt damit erstmals die 5-Millionen-Grenze. Damit habe der ADAC seine Position als Marktführer weiter ausgebaut, betonte Weßling.
Sehr zufrieden zeigte sich Weßling auch mit dem Start der ADAC Privathaftpflicht-Versicherung. Die ADAC-Rechtsschutz Versicherungs-AG konnte sich in einem hart umkämpften Markt behaupten. Die Zahl der versicherten Mitglieder sank um 3,1 Prozent auf 2,47 Millionen. Damit bleibt die Gesellschaft nach Verträgen zweitgrößter Rechtsschutzversicherer Deutschlands. Die Beitragseinnahmen beliefen sich auf 143,8 Millionen Euro (+ 6,0 Prozent).
Die ADAC Autoversicherung AG verwaltete zum 31. Dezember 2012 einen Bestand von mehr als 625.250 Kfz-Policen inklusive Mopedversicherung. Das sind 10,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Prämieneinnahmen im selbst abgeschlossenen Geschäft stiegen von 178,5 auf 208,3 Millionen Euro.
Ein neues Produkt stellte Präsident Meyer vor. Der ADAC steigt zusammen mit der Deutschen Post ins Busgeschäft ein – dem ADAC Postbus. Dazu hat der Automobilclub mit der Deutschen Post eine Betreibergesellschaft gegründet, an der die beiden Partner zu 50 Prozent beteiligt sind. Ab November dieses Jahres will man auf fünf Strecken in den Markt starten. Dazu hat man sich zehn mittelständische Busunternehmen wie zum Beispiel das Münchner Busunternehmen Geldhauser ins Boot geholt. Bis zum Frühjahr 2014 plant die Gesellschaft, etwa 30 große deutsche Städte mit rund 60 Bussen zu verbinden. Über einen weiteren Netzausbau wird gemeinsam im Sommer 2014 entschieden, erklärte Meyer. Ob man auf diesem Feld Marktführer wird, ist laut Meyer noch nicht abzusehen, allerdings strebt der ADAC Postbus zumindest die Qualitätsmarktführerschaft an, denn „wir wollen die Besten sein, nicht die Billigsten“.


Klares Nein zur Pkw-Maut


Weniger erfreut werden die ADAC-Mitglieder über die von Meyer angekündigte Anhebung des Mitgliedsbeitrags zum Jahresbeginn 2014 sein. Er begründete die Erhöhung unter anderem mit den erheblichen Preissteigerungen, mit denen sich die zahlreichen Leistungen des Clubs nicht mehr mit den 2004 – letztmalige Beitragsanpassung – zugrunde gelegten Tarifen kostendeckend erbringen lassen.
2004 habe ein komplett ausgestattetes ADAC-Straßenwachtfahrzeug rund 36.000 Euro gekostet – heute sind es je nach Modell zwischen 50.000 und 54.000 Euro –, so Meyer. Vor zehn Jahren haben die knapp 1700 Fahrzeuge Kraftstoffkosten von rund 5,5 Millionen Euro verursacht. 2012 waren es 8,3 Millionen Euro oder 50 Prozent mehr. Und das bei einer gleichen Fahrleistung von rund 58,5 Millionen Kilometern pro Jahr.
Die klassische Mitgliedschaft steigt von 44,50 Euro auf 49 Euro im Jahr. Dann brachte Meyer noch einen interessanten Vergleich. Im ADAC-Gründungsjahr 1903 betrug der Jahresbeitrag sechs Reichsmark. Dafür konnte man sich damals 120 Kilogramm Kartoffeln kaufen. Heute müsste man für die selbe Menge der Knollenfrucht zwischen 200 und 300 Euro auf den Ladentisch legen. Damit wollte der Präsident deutlich machen, dass die Beitragserhöhung im Vergleich zu anderen Dienstleistungen oder Konsumgütern maßvoll ausfällt.
„Schließlich“, so Meyer, „ist der ADAC der einzige anerkannte Verbraucherschutzverband in Deutschland, der sich finanziell vollkommen unabhängig von Politik, Wirtschaft und Industrie für die Interessen der Verbraucher einsetzt. Um diese Unabhängigkeit als Verbraucherschützer auch in Zukunft zu wahren, muss eine Organisation wie der ADAC finanzstark sein.“ Parallel zur Beitragserhöhung verbessert der ADAC aber auch einige Leistungen für seine Mitglieder.
Mit Blick auf die diesjährige Bundestagswahl forderte Meyer, dass die neue Regierung ihr besonderes Augenmerk auf die Leistungsfähigkeit der Verkehrswege legen soll. Die Qualität der Bundes-, Landes- und Gemeindestraßen habe inzwischen ein Niveau erreicht, über das früher gelästert wurde, wenn man im Ausland Urlaub gemacht hat. „Diese Zeiten sind vorbei. Um unsere Straßen und Brücken beneidet uns niemand mehr. Wie lange will die Politik noch zuschauen, ohne die Mittel zur Sanierung dauerhaft und spürbar zu erhöhen?“
Der ADAC hat ausgerechnet: Wollte man bis 2025 die Straße um 20 Prozent entlasten, müsste die Schiene ihre Verkehrsleistung von heute um 150 Prozent erhöhen. Und würden zehn Prozent der Autofahrer auf die Bahn umsteigen, müsste sie ihre Kapazität um 123 Prozent erhöhen.
Die deutschen Autofahrer zahlen, so Meyer, jedes Jahr rund 53 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben an den Staat. Nur 19 Milliarden fließen in den Bau und Unterhalt des Straßennetzes. Deshalb erteilte ADAC-Präsident Meyer einer Pkw-Maut auch eine eindeutige Absage.
(Friedrich H. Hettler)

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