Wirtschaft

CSU-Mann Josef Göppel plädiert für Windkraft im Binnenland, kombiniert mit Solarstrom. (Foto: Wraneschitz)

21.12.2012

Energiekonzerne wollen Marktanteile zurück

CSU-Querdenker Josef Göppel kritisiert die Windparks in Nord- und Ostsee

Josef Göppel, Herriedener Förster aus Leidenschaft und Ansbacher CSU-Bundestagsabgeordneter aus Überzeugung, war diese Woche erstmals als Gast im Nürnberger Presseclub. Auch hier geizte der Umweltpolitiker nicht mit Kritik, vor allem am eigenen Lager.
„Wir Förster sind so erzogen, dass wir viel schauen und betrachten. Ein Förster sieht nie den erntereifen Baum, den er selbst gesetzt hat.“ In diesen zwei knappen Sätzen steckt, was Josef Göppel lebt, der mit 20 Jahren „gleichzeitig in die CSU und den Bund Naturschutz eingetreten“ ist: Nachhaltigkeit.

Bei nassforschen Jungpolitikern anecken

Damit eckt er gerade bei oft nassforschen Jungpolitikern an: „Der Konflikt auch mit Rösler (FDP-Bundeswirtschaftsminister, Anmerk. d. Red.) und seinen Leuten kommt von den Betrachtungszeiträumen. Die denken in Quartalsabschlüssen.“ Und wollten das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) möglichst abschaffen. Das wiederum ist für den streitbaren CSU-Mann das Zentrum der Energiewende. Die hat für ihn schon lange vor dem Atomgau von Fukushima angefangen.

Rösler ist auf dem falschen Weg

Göppel gibt zu: „Die Energiewende kommt nicht durch mich. Aber seit diesem Zeitpunkt sind die alle schon immer dafür gewesen.“ Weshalb er sicher ist: Der Weg in eine dezentrale, erneuerbare Energiewirtschaft „ist unumkehrbar, Rösler ist auf dem falschen Weg“.
Deshalb hat sich Göppel zuletzt sogar mit der Kanzlerin angelegt. In einer Bundestagsrede forderte er, Angela Merkel müsse die Richtlinien der Politik durchsetzen, gerade bei der Energiewende. „Ich wurde danach nicht gerüffelt. Das nimmt man einfach hin“, klingt Göppel doch etwas resigniert.
Denn er weiß auch: „Es gibt eine Kampagne. Was sich hier abspielt an Polemik um dezentrale Stromversorgung ist nichts anderes als der Kampf um Marktanteile. Die großen Vier (die Deutschland bestimmenden Energiekonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, Anmerk. d. Red.) haben 25 Prozent verloren und wollen das nun zurückholen. Deshalb setzen die jetzt auf Windstrom aus der Nordsee.“ Für den die Verbraucher zahlen sollen, sollte der mangels Leitungen gar nicht zum Festland kommen.
Als Alternative schlägt Göppel regionale Energiepartnerschaften überall in der Republik vor. Mittelfranken beispielsweise sei mit dem Regionalversorger N-ERGIE AG dafür prädestiniert.
Eine Studie des Deutschen Wetterdienstes gibt ihm offensichtlich Recht: „Nordsee-Wind ist von der Stetigkeit her auf Platz 28 von 28 Messstationen, die zweithöchste Windstärke hat dagegen der Schwarzwald.“ Göppel plädiert für Windkraft im Binnenland, kombiniert mit Solarstrom. „In der Nacht geht mehr Wind als am Tag, im Winter mehr als im Sommer. Das passt gut zu Photovoltaik. Was Praktiker immer sagen, ist durch das Wetterdienstgutachten nun endlich belegt.“
Doch die wirkliche Energiewende, von der „die kleinen Leute und nicht die großen Vier profitieren“, brauche eine radikale Wende auch in der Gesetzgebung. Ein Beispiel: „Im deutschen Strommarkt bekommt jede eingespeiste Kilowattstunde die gesamten Netzkosten draufgeschlagen. Das ist, als wenn ein Lkw von Buchenbühl nach Erlenstegen (Strecke zwischen zwei Nürnberger Stadtteilen, Anmerk. d. Red.) die ganze deutsche Autobahngebühr bezahlen müsste. Wir müssen dieses Kupferplattenprinzip ändern, sonst ändert sich regional nichts. Dann erst wird es auch für die Gemeinden interessanter, ihre Stromnetze zurückzukaufen.“
Zurzeit laufe ein Volksbegehren in Berlin: Eine Energiegenossenschaft will das gesamte Berliner Stromnetz erwerben. „Ich finde die Geschichte faszinierend“, gibt Göppel mit fast schon kommunistischem Denken zu. Dennoch bekennt er sich zur CSU als seiner politischen Heimat: „Ich kenne die Anderen“, im Berliner Bundestag sei der Austausch sehr intensiv und offen, „anders als im Münchner Landtag.“

Menschenwürdiger Umgang zwischen Politikern

Deshalb fordert Göppel auch einen menschenwürdigen Umgang zwischen Politikern. Angesprochen auf die herabwürdigenden Äußerungen seines Parteichefs Horst Seehofer zu Bayerns Finanzminister Markus Söder und anderen CSU-Granden, merkte der Göppel an: „Politische Mandatsträger müssten sich mindestens so verhalten, wie Kinder im Kindergarten miteinander umgehen. Hätte er so etwas über mich gesagt, ich wäre in den Wald gegangen und hätte geschwiegen. Ich hätte mich geschämt für den, der diese Worte gesagt hat.“ (Heinz Wraneschitz)

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