Wirtschaft

22.06.2012

Enorme Geschäftsmöglichkeiten für bayerische Unternehmen

Bayerns kanadische Partnerprovinz Québec will in den kommenden 25 Jahren für 60 Milliarden Euro ihren nördlichen Landesteil erschließen

Enorme Geschäftsmöglichkeiten in einem Land mit Rechtssicherheit und hoher Zahlungsmoral bieten sich bayerischen Unternehmen der Umwelt- und Energietechnik, des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der IT- und Telekommunikation. Denn die kanadische Provinz Québec will in den kommenden 25 Jahren nördlich des 49. Breitengrads ihr bisher größtenteils aus Wildnis bestehendes Territorium erschließen.
„Plan Nord“ heißt das Entwicklungsvorhaben von Bayerns Partnerprovinz Québec. In ihm sind nachhaltige Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet mehr als 60 Milliarden Euro enthalten. Bereits in diesem Frühjahr haben Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Québecs Premierminister Jean Charest eine enge Kooperation im Rahmen des Infrastrukturprogramms „Plan Nord“ vereinbart.
Doch jetzt haben rund 150 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bei einem Kongress in München, den die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., die Regierung von Québec und die bayerische Staatsregierung ausrichteten, konkrete Ansatzpunkte für künftige Kooperationen ausgelotet.
Für vbw-Hauptgeschäftsführer Betram Brossardt steht fest: „Mit ihrem Expertenwissen, ihren innovativen Technologien und ihrer starken Kundenorientierung haben bayerische Firmen in den nächsten Jahren nördlich des 49. Breitengrads gute Chancen, Aufträge zu erhalten.“ Darüber hinaus sei das Mega-Projekt für die bayerische Wirtschaft aber auch wegen der Erschließung großer Vorkommen wichtiger Rohstoffe wie beispielsweise seltener Erden äußerst interessant. Forschungspartnerschaften könnten beiden Seiten ebenfalls wichtige Impulse für künftige Geschäftsmöglichkeiten geben.
„Bayern und Québec verbindet eine langjährige Partnerschaft auf breitem Fundament, die jetzt mit der Zusammenarbeit beim Plan Nord eine neue Qualitätsstufe erreicht“, sagte Bayerns Europaministerin Emilia Müller (CSU) anlässlich des Kongresses. Der Freistaat sei stolz, privilegierter Partner Québecs beim „Plan Nord“ zu sein.
Der Generaldelegierte von Québec in München, Charles Villiers, betonte, dass Deutschland zweitwichtigster Handelspartner Québecs ist, nach Großbritannien und noch vor Frankreich. Auch er unterstrich die seit 23 Jahren bestehende einzigartige Partnerschaft zwischen Bayern und der kanadischen Provinz. Québecs Verkehrsminister Pierre Moreau verdeutlichte den Anlass für den „Plan Nord“. Durch den Klimawandel seien die nördlichen Landesteile der Provinz Québec und die dort lagernden Bodenschätze besser erreichbar. Diese könnten nun unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abgebaut werden, was bisher wegen der hohen Kosten nicht sinnvoll erschien.
Mit dem Projekt „Plan Nord“, das sowohl soziale als auch wirtschaftliche Belange sowie die Interessen der indigenen Bevölkerung berücksichtigt, werden laut Québecs Premierminister Charest pro Jahr durchschnittlich 20 000 Arbeitsplätze geschaffen. Und die Québecer Gesellschaft generiert dadurch jährlich Einnahmen in Höhe von 14 Milliarden kanadischer Dollar. Das Erschließungsgebiet des „Plan Nord“ nimmt 72 Prozent des Québecer Territoriums ein und ist mit einer Fläche von fast 1,2 Millionen Quadratkilometern mehr als dreimal so groß wie Deutschland und 14 Mal so groß wie Bayern. Mit seinen rund 500 000 Seen und Tausenden von Flüssen verfügt das Gebiet über eines der größten Süßwasservorkommen der Welt. Aus der Region kommen über 75 Prozent der in Québec installierten Stromerzeugungsleistung aus Wasserkraft. Das bisher noch nicht genutzte Potenzial an Wind- und Wasserkraft sowie Photovoltaik ist ebenfalls beträchtlich, betont Robert Sauvé, Québecs Vizeminister für Bodenschätze und Wildnis.
Das riesige Gebiet des „Plan Nord“ verfügt über mehr als 200 000 Quadratkilometer forstwirtschaftlich genutzte Waldfläche und damit über gut 53 Prozent der nutzbaren Wälder Québecs. Im Norden der Provinz gibt es außerdem umfangreiche Erzvorräte. Dort lagern Lithium, Vanadium und seltene Erden, die aufgrund ihrer Verwendung in den Bereichen Energie und Transport sowie in der Hochtechnologie international zunehmend nachgefragt werden.
Doch der „Plan Nord“ ist kein gnadenloser Erschließungsplan zur Ausbeutung der Natur. Vielmehr sollen langfristig 50 Prozent dieses Gebiets nicht-industriellen Zwecken, dem Umweltschutz und dem Erhalt der biologischen Vielfalt dienen. Der Bestand der geschützten Gebiete soll erweitert werden, damit diese bis zum Jahr 2015 mindestens 12 Prozent der Fläche des „Plan Nord“-Gebiets einnehmen.
(Ralph Schweinfurth)

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