Wirtschaft

Kunststoffrohre, durch die Strom-Erdkabel gezogen werden, sind auf der Amprion Baustelle in Raesfeld in Nordrhein-Westfalen verlegt worden. Das Höchstspannungskabel wird auf 3,4 Kilometern Länge die oberirdischen etwa 70 Meter hohen Strommasten ersetzen und rund 3,5 Gigawatt Windstrom von der Nordsee transportieren. (Foto: dpa)

02.10.2014

Erdkabel statt Stromtrassen

Was viele Bürgerinitiativen fordern, sieht der Netzbetreiber Amprion skeptisch

Die unterirdische Verlegung von Hochspannungsleitungen ist nach Einschätzung des Netzbetreibers Amprion keine sinnvolle Lösung für den Bau neuer Stromtrassen. Amprion beruft sich auf Erfahrungen bei der ersten Höchstspannungs-Erdkabel-Baustelle des Unternehmens in Raesfeld am Niederrhein. „Das Kabel löst nicht alle Probleme“, so der technische Geschäftsführer Klaus Kleinekorte. „Für lokale Planungskonflikte ist das Kabel eine Antwort, aber gewiss nicht der Königsweg für den Netzausbau“, ergänzte der Leiter für Bau und Betrieb, Ludger Meier.
Der Dortmunder Netzbetreiber plant unter anderem eine 450 Kilometer lange Gleichstromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Augsburg. Damit soll nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Gundremmingen der Süden Bayerns mit Strom aus dem Norden versorgt werden. Aus Angst vor einer Verschandelung der Landschaft, Gesundheitsgefahren und Wertverlust von Immobilien haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen gebildet, die den Bau verhindern wollen oder als Alternative Erdkabel fordern.
Der Netzbetreiber rechnet damit, dass sich nur rund ein Zehntel der geplanten neuen Stromleitungen in Deutschland für Erdkabel eignen. Wenn die Öffentlichkeit deutlich mehr Erdkabel verlange, müsse auch klar sein, dass es dann schwierig werde, die Stabilität des Netzes zu garantieren. „Wir wissen heute noch nicht, ob und wie sehr wir die Zuverlässigkeit des Übertragungsnetzes damit schwächen“, sagte Kleinekorte.
Laut Amprion ist die Wartung unterirdisch verlegter Kabel schwierig: Die Reparatur dauere wesentlich länger als bei Überlandleitungen, die oft schon nach wenigen Stunden wieder zugeschaltet werden könnten.
Ein technisches Problem stelle die Wärmeentwicklung von Erdkabeln dar: Am Kabel selbst seien es 35 Grad. Wenn Einzelstränge abgeschaltet werden müssten, könne die Temperatur auf bis zu 50 Grad steigen. Zur Wärmeabfuhr würden die Kabel in Flüssigerde mit Erdaushub und Zementanteil eingebettet. Mit einem wissenschaftlichen Begleitprojekt und zahllosen Temperaturfühlern im Boden lässt der Netzbetreiber überprüfen, ob durch die Wärme die Ernte der Bauern leiden könnte, wenn über den Kabelrohren wieder Getreide wächst.
Bei der Baustelle in Raesfeld rechnet Amprion mit Kosten von rund 30 Millionen Euro für die 3,4 Kilometer lange Erdverkabelung – sieben bis acht Mal so viel wie für eine vergleichbare Überlandleitung. (R. Schraa, R. Beck, dpa)

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