Wirtschaft

Hans Eisenmann beim Pflanzen von Bäumen. (Foto: Archiv)

17.08.2012

Erfinder des Bayerischen Wegs

Am 31. August jährt sich der 25. Todestag von Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann

Der vom früheren Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann (CSU) eingeschlagene „Bayerische Weg“ in der Agrarpolitik ist laut Agrarminister Helmut Brunner (CSU) auch heute noch aktuell und bleibt ein Auftrag für die Zukunft. „Eisenmann hat vor mehr als einem Viertel Jahrhundert Agrarpolitik als Gesellschaftspolitik begründet“, sagte Brunner bei einer Konferenz zum 25. Todestag des Agrarpolitikers, der am 31. August 1987 in München verstarb.
Dieser ganzheitliche Ansatz habe entscheidend dazu beigetragen, so Brunner, die Attraktivität der Kulturlandschaften und die Wettbewerbsfähigkeit bäuerlicher Strukturen in Bayern zu erhalten. Nicht ohne Grund stehe heute jeder dritte Bauernhof Deutschlands im Freistaat. „Wir werden den Bayerischen Weg konsequent weitergehen“, sagte der Minister.
Mehr denn je komme es darauf an, Landwirtschaft und Agrarpolitik in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge zu stellen und noch besser zu erklären. Es sei heute laut Brunner unverzichtbar, grundlegende Entscheidungen frühzeitig mit gesellschaftlich relevanten Gruppen vorzubereiten und wenn möglich, Kompromisse auszuloten. Denn, so der Minister: „Nur so erreichen wir dauerhaft tragfähige Lösungen, die sich auch rasch umsetzen lassen.“
Leitbild bayerischer Agrarpolitik ist laut Brunner eine flächendeckende, multifunktionale, nachhaltige und bäuerlich geprägte Landwirtschaft. Tragende Elemente dieses Leitbilds seien das Selbstbestimmungsrecht der bäuerlichen Familien über ihr Eigentum und daraus abgeleitet der Grundsatz „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“.
Hans Eisenmann war von 1969 bis zu seinem Tod bayerischer Landwirtschaftsminister. Den „Bayerischen Weg“ hatte er als Gegenentwurf zum so genannten Mansholt-Plan entworfen, mit dem der damalige EG-Agrarkommissar die Agrarstruktur in Europa planwirtschaftlich ausrichten wollte. Die Grundsätze des Bayerischen Wegs waren 1970 gesetzlich verankert worden. Ziel war unter anderem, Strukturbrüche zu verhindern und den Strukturwandel in der Landwirtschaft sozial verträglich zu gestalten.

Abgeordneter, Landrat und Minister


Eisenmann, der während des Zweiten Weltkriegs unter anderem Fluglehrer bei der Luftwaffe war studierte von 1946 bis 1949 Agrarwissenschaften an der Technischen Hochschule (TU) München in Weihenstephan und legte 1950 das Staatsexamen für den höheren landwirtschaftlichen Staatsdienst ab. Danach arbeitete er bis 1958 am Landwirtschaftsamt in Pfaffenhofen an der Ilm, dessen Direktor er ab 1954 war. Fünf Jahre später wurde er mit der Schrift Die Marshallplanhilfe für die bayerische Landwirtschaft an der Universität München promoviert.
Parteipolitisch gehörte Eisenmann zunächst der Bayernpartei (BP) an, trat aber 1954 zur CSU über. Vier Jahre vorher war er in den Landtag gewählt worden und hatte das Mandat bis zu seinem Tod inne. Bevor er 1969 Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten wurde, stand er von 1958 bis 1969 als Landrat an der Spitze des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm.
In seine Amtszeit als Minister fiel die Eröffnung des Nationalparks Bayerischer Wald. Dessen Informationszentrum seit 1988 Hans-Eisenmann-Haus heißt. Die Technische Universität München benannte das Zentralinstitut „Hans Eisenmann-Zentrum für Agrarwissenschaften Weihenstephan“ und den gleichnamigen Neubau aus dem Jahr 2011 nach dem früheren Landwirtschaftsminister.

Standort Weihenstephan weiterentwickeln


Das Hans Eisenmann-Zentrum ist eine zentrale fakultätsübergreifende wissenschaftliche Einrichtung für Agrarwissenschaften der TU München. Die Aufgabe des Zentralinstituts ist es, den inter- und transdisziplinären sowie systemwissenschaftlichen Charakter der Agrarwissenschaft am Standort Weihenstephan weiterzuentwickeln. Das Hans Eisenmann-Zentrum vernetzt die agrarwissenschaftlichen Institutionen der Technischen Universität und ist der sichtbare Ansprechpartner der Agrarwissenschaft innerhalb und außerhalb der Hochschule. Darüber hinaus fördert das Zentralinstitut den Kontakt zur agrarwirtschaftlichen Praxis.
(Friedrich H. Hettler)

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