Wirtschaft

Im Freistaat wurden an Weihnachten Geschenke im Wert von durchschnittlich 480 Euro eingekauft - fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. (Foto: dpa)

16.01.2015

Es geht voran

Der Konsumklimaindex steigt: Seit Monaten ist der deutsche Wirtschaftsaufschwung mit besonderen Akzenten in Bayern unübersehbar

Die Talsohle des Konjunkturrückgangs scheint nach dem Debakel in der Finanzwelt und verunsichernden Stabilitätsdebatten um den Euro offenbar durchschritten. Seit Monaten ist der deutsche Wirtschaftsaufschwung mit besonderen Akzenten in Bayern unübersehbar - vor allem während des letzten Weihnachtsgeschäfts. Einen überzeugenden Hinweis darauf liefert auch der steigende Konsumklimaindex.

Nach einigen Jahren mit bescheidenen Wachstumswerten und einem zurückhaltenden Konsumverhalten bei der Binnennachfrage als Folge der Finanzkrise in Deutschland schaut die Wirtschaft wieder optimistischer in die Zukunft. Dazu tragen der Sanierungs- und Umstrukturierungsprozess bei den Finanzinstituten, die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und auch das wiedergewonnene Vertrauen in die Stabilität des Euro bei. Eine niedrige Inflationsrate in Verbindung mit einem Rekordtief beim Zinsniveau wirken sich ebenfalls auf die wiedergewonnene Wirtschaftsstabilität aus. Es wird in der Wirtschaft wieder mehr investiert. Bedeutsam sind außerdem der Rückgang der Arbeitslosigkeit sowie eine verstärkte Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.

Unter globalen wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird die derzeitige Entwicklung in Deutschland zusätzlich durch die konjunkturelle Erholung in den USA, den nachhaltig reduzierten Ölpreis und die Signale zur Sanierung des Bundeshaushaltes positiv begleitet. Demgegenüber wirkt sich die Entwicklung bezogen auf den Konflikt in der Ukraine negativ aus. Zum einen geht es dabei um Auftragsdefizite im Verhältnis zum russischen Absatzmarkt. Zum anderen könnte auch die Energieversorgung mit Gas durch den russischen Wirtschaftspartner betroffen sein. Zudem ist die Finanzierung der Energiewende noch nicht abschließend geklärt. Eine konstante Entwicklung ist vor dem Hintergrund der globalen und nationalen Wirtschafts- und Finanzentwicklung beim deutschen Konsumklimaindex in letzter Zeit eindeutig erkennbar: Ein positiver Trend bestimmt hier trotz Schwankungen klar die Richtung.

Die Bedeutung des Konsumklimaindex

Bei der Feststellung des Konsumklimaindex wird das Konsumverhalten der privaten Haushalte bewertet. Dabei wird innerhalb eines Jahres im Rahmen der Befragung einer repräsentativen Auswahl von Konsumenten deren Verhalten und Einschätzung zum Kauf von Konsumgütern erfragt. Zusätzlich spielen bei dieser Erhebung auch die Einkommenssituation, die Sparneigung sowie die Konsumerwartungen eine Rolle. Der Konsumklimaindex stellt eine wertvolle Orientierungshilfe zur Feststellung und Bewertung des Verbraucherverhaltens im Konsumbereich dar. Als wichtiger Eckpfeiler im gesamtwirtschaftlichen Prozess bildet er eine aussagekräftige Komponente für die Prognose des zukünftigen Konjunkturverlaufes. Dies ist auch von Bedeutung bei einer Betrachtung auf europäischer Ebene. Die Ermittlung des Konsumklimaindex erfolgt zum Ende eines jeden Monats mit Auswirkungen für den Folgemonat. Die kontinuierliche Bewältigung dieser Aufgabe wird durch die Gesellschaft für Konsumforschung gewährleistet.

Die Berechnung des Konsumklimaindex soll Grundlagen für eine Aussage zur aktuellen Wirtschafts- und Haushaltssituation schaffen. Dazu fällt der Fokus im Rahmen der Befragungsmaßnahmen auf fünf wesentliche Parameter: Konjunkturelle Erwartung, Einstellung zum Sparen, Einkommenserwartung, Anschaffungsbereitschaft und die Erwartung zur Entwicklung der Verbraucherpreise. Bei der Auswertung der Antworten zur Ermittlung einer möglichst validen Aussage bezogen auf Richtung um Umfang einer hinterfragten Entwicklung wird eine Gesamtbilanzierung errechnet. Dies geschieht dadurch, dass gewichtete Antworten wie „wird viel besser werden“ oder „wahrscheinlich ja“ mit Antworten wie „wird schlechter werden“ oder „auf keinen Fall“ verrechnet werden. Die festgestellten Prozentwerte werden zur Verbesserung des Standards einem Angleichungsprozess im Zusammenhang mit bewährten statistischen Verfahren unterzogen. Die analytische Bewertung der Veränderungsgrößen mit Blick auf die Einzelindikatoren führt zum Gesamtbild des Konsumklima-Indikators. Daraus werden prognostische Einschätzungen abgeleitet.

Konsumverhalten in Bayern ist "überdurchschnittlich"

Für durchschnittlich 480 Euro wurden kürzlich in Bayern Weihnachtsgeschenke eingekauft. Dabei handelte es sich vor allem um Gutscheine, Bücher, Kosmetik, Uhren, Schmuck, Mode und elektronische Geräte. Der Bundesdurchschnitt von 273 Euro wurde dadurch deutlich übertroffen. Hinzu kommt, dass sich in Bayern 2014 eine hoffnungsvolle Steigerung des weihnachtlichen Einkaufsverhaltens im Verhältnis zum Vorjahr feststellen ließ. Ungefähr zwanzig Prozent des gesamten Jahresumsatzes im Einzelhandel erfolgt in Bayern durch das Weihnachtsgeschäft. Bereiche mit Zuwachsraten beim bundesweiten Konsumverhalten sind unter anderem Maßnahmen auf dem Wohnungsbausektor, Urlaubsreisen sowie Lebensmittel und Drogerieprodukte.

Eine besonders starke Steigerung ist beim Lebensmittelkonsum erkennbar. Dabei ist die Neigung zum Genuss in Bayern nicht nur beim Bierkonsum offenbar ausgeprägter als in den anderen Bundesländern. Computer, Musik- und Haushaltsgeräte sind ebenfalls verstärkt vom Verbraucher gewünscht. Außerdem sind modische Kleidung, Schuhe und Accessoires nach wie vor gefragt. Hierbei ist natürlich der Konsumtrend deutlich ersichtlich, da nicht nur traditionelle Kleidungsstücke wie zum Beispiel die Jeanshose steigenden Absatz verzeichnen, sondern die heutige Vielfalt an Trends dieses Marktsegment mit vielen neuen Brands und Styles boomen lässt. An elektronischen Geräten stehen besonders Smartphones wie das neue iPhone 6 und Tablets auf der Wunschliste der Verbraucher. Eine Steigerung der Nachfrage ist auch für Produkte der Körperpflege und der Haushaltsreinigung zu verzeichnen.

Milchprodukte, Obst, Salat und Gemüse haben sich verbilligt und sorgen für Konsumentenfreude. Vor allem Salat, Tomaten, Gurken und Paprika können extrem günstig erworben werden. Ebenfalls zur Freude der Konsumenten sind preiswert Weintrauben, Zitrusfrüchte und Beeren sowie Steinobst und Kartoffeln erhältlich. Es ist noch nicht lange her und die Auswirkungen sind auch noch nicht verschwunden. Ereignisse und prozesshafte Entwicklungen wie der Anschlag auf das World Trade Center, die weltweite Finanzkrise sowie die Euro-Krise aufgrund der Bankrotterklärungen staatlicher Haushalte und privater Banken ließen frostige Zeiten für die Konjunktur und düstere Prognosen aufziehen. In einigen europäischen Ländern verursachen derzeit die von der jeweiligen Regierung verordneten Sparmaßnahmen Nachfragedefizite und soziale Spannungen. Vor allem in Deutschland zeichnet sich allerdings sowohl für den staatlichen Haushalt als auch für die Kaufnachfrage der Verbraucher ein positiver Trend ab.

Die Stimmung der Verbraucher bestätigte auch im Dezember 2014 die Fortsetzung des Aufwärtstrends. Lediglich bei der Einkommenserwartung war eine Zurückhaltung feststellbar. Es verbreitet sich zunehmend die Verbrauchereinschätzung, dass die wirtschaftliche Schwächung vorübergeht und sich wieder ein kontinuierliches und ausreichendes Wachstum einstellt. Das Sparverlangen ist angesichts des historischen Tiefstandes beim Zinsniveau deutlich zurückhaltend. Dafür erfolgen aber mehr kreditfinanzierte Investitionen und insgesamt die beschriebene Reaktion beim Konsum. Ein Schwachpunkt bei dieser Prognose bleibt im globalisierten Wirtschaftsgefüge die international instabile Lage. Dabei spielt in Deutschland vor allem die starke Exportausrichtung eine Rolle. (BSZ)

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