Wirtschaft

Heinrich Traublinger setzt auf staatliche Förderung, weil die bisherige Erfahrung zeigte, dass jeder geförderte Euro Investitionen in Höhe von acht Euro auslöst. (Foto: dapd)

23.09.2011

„Es gibt große Probleme“

Handwerkspräsident Heinrich Traublinger über Vor- und Nachteile der energetischen Gebäudesanierung

Am heutigen Freitag entscheidet sich, ob im Rahmen der Energiewende in Deutschland auch die energetische Gebäudesanierung steuerlich gefördert wird oder nicht. Bayerns Handwerkspräsident Heinrich Traublinger warnt schon mal vor den Folgen für Unternehmer.

BSZ: Herr Traublinger, wie sieht es denn derzeit in Sachen Fördermittel vom Bund für die energetische Gebäudesanierung aus?
Traublinger: Hier gibt es große Probleme. Der Bundestag hat das Thema positiv beschlossen, der Bundesrat dem Gesetzesentwurf aber nicht zugestimmt. Jetzt müsste der Vermittlungsausschuss angerufen werden.

BSZ: Und wo ist das Problem?
Traublinger: Es gibt derzeit kein Signal aus Berlin, dass irgendeine Partei diesen Ausschuss anrufen will.

BSZ: Was passiert dann?
Traublinger: Dann gibt es keine Fördermittel. Zwar könnte man das Ganze durch KfW-Darlehen auffangen. Das wäre aus Sicht des Handwerks jedoch nur die zweitbeste Lösung.

BSZ: Warum sind Fördergelder besser?
Traublinger: Weil wir aus der Erfahrung wissen, dass jeder geförderte Euro Investitionen in Höhe von ungefähr acht Euro auslöst.

BSZ: Das könnte doch auch ein KfW-Programm leisten.
Traublinger: Wichtig ist vor allem, die Förderung über Jahre hinweg zu verstetigen. Wir fordern seitens des Handwerks pro Jahr rund 2 Milliarden Euro für den Bereich der energetischen Gebäudesanierung in Deutschland, weil rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und ein Drittel des CO2-Ausstoßes in Deutschland auf das Konto der Gebäude gehen. Und so ein Programm muss auch flexibel sein, damit die privaten Hausbesitzer in Teilschritten vorgehen können.

BSZ: Wie ist das zu verstehen?
Traublinger: Viele Hausbesitzer schrecken vor einer Sanierung zurück, wenn sie nicht sicher sein können, dass diese auch im nächsten oder übernächsten Jahr noch gefördert wird. Der Eigentümer muss zum Beispiel mit den Fenstern und der Dachisolierung anfangen können. Später nimmt er sich die Dämmung der Gebäudehülle vor und zum Schluss ersetzt er den alten Heizkessel durch eine moderne Heizanlage. Ich fordere daher eine Art Baukastensystem, in dem jedes Segment für sich förderfähig ist.

BSZ: Insgesamt ist doch die Energiewende ein erstklassiges Konjunkturprogramm fürs Handwerk.
Traublinger: Das ist richtig. Trotzdem bringt sie auch Probleme für die Betriebe mit sich.

BSZ: Welche?
Traublinger: Die Handwerksbetriebe brauchen preiswerte Energie, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Schon jetzt reklamiert die Industrie für sich, dass sie international nur mithalten kann, wenn sie von weiter steigenden EEG-Umlagen ausgenommen wird. Das kann es nicht sein! Private Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen können nicht die gesamte Zeche für die Energiewende zahlen. Damit gefährden wir die gute konjunkturelle Entwicklung in Deutschland.

BSZ: Wie meinen Sie das?
Traublinger: Wenn jetzt schon alle Anzeichen der Wirtschaftsforschungsinstitute darauf hindeuten, dass der deutsche Export sich deutlich abschwächen wird, muss die Binnennachfrage gestärkt werden. Seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 sind die Deutschen zunehmend bereit, in Sachwerte zu investieren. Das heißt, sie stecken Geld in den Kauf bzw. die Sanierung von Immobilien. Wenn aber die Handwerksbetriebe die Preise für ihre Dienstleistungen wegen der EEG-Thematik anheben müssen, sinkt die Nachfrage, die Binnenkonjunktur leidet. Hier ist die Bundespolitik gefragt, gegenzusteuern. Denn investiert wird nur, wenn der Gesetzgeber die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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