Wirtschaft

Auch in Las Vegas ein unvergesslicher Anblick. (Foto: PHH)

01.03.2013

Fast wie auf Schienen

Achsen eines Memminger Unternehmens fahren Riesen-Lok über den Las Vegas Boulevard

Was einen mitternachts auf dem legendären Las Vegas Boulevard erwartet, dürfte klar sein: Große weiße Limousinen, dunkel verglaste SUVs und Polizeiwagen, die in der Stadt der Sünde mit Blaulicht von einem Einsatzort zum nächsten rasen. Umso mehr dürfte das Jet Set in Nevada jetzt gestaunt haben, als sich auf einmal eine riesige gelbe Lokomotive in der Dunkelheit ausmachen ließ, die sich – fernab aller Schienen – auf der Kultstraße langsam Richtung Norden fortbewegte. Möglich gemacht hat dies einmal mehr High-End-Transportequipment aus Bayern: Als Schienenersatz dienten 14 Achslinien des Schwerlastmodulsystems THP/SL der Goldhofer AG aus Memmingen.
Beim ungewöhnlichen Verkehrsobjekt handelte es sich um eine 190 Tonnen schwere Elektro-Diesel-Lok des amerikanischen Lokomotivherstellers EMD, der seit 2010 zu Caterpillar gehört. Mit 30 Metern Länge, einer Höhe von fünf Metern und einer Breite von drei Metern war die EMD-Lok nicht nur der Star auf dem Las Vegas Boulevard, sondern auch Ausstellungs-Highlight am Caterpillar-Stand auf der MINExpo 2012, der bedeutendsten Bergbau-Fachmesse weltweit, die erneut im Las Vegas Convention Centre stattfand.
Der Transport des Schienenmonstrums vom Rangierbahnhof bis zum Ausstellungsgelände war eine Riesenherausforderung für den nordamerikanischen Goldhofer-Kunden, den Schwertransportspezialisten Precision Heavy Haul (PHH) mit Sitz in Phoenix, Arizona. Für das PHH-Team galt es, eine Lösung zu finden, wie die Lok sicher auf den THP-Modulen verankert werden konnte, ohne dabei das Transportgewicht stark zu höhen. Gleichzeitig musste die Konstruktion aber so stabil sein, dass die Spurräder der Lok während des Transports nicht beschädigt werden. „Beides ist uns durch ein ausgeklügeltes System gelungen. Und mit den THP/SL-Linien von Goldhofer hatten wir die goldrichtigen Achslinien für dieses Projekt. Denn mit ihrem hohen Biegemoment und dem niedrigen Eigengewicht waren die THP/SL-Achsen der perfekte Untersatz für den Lokomotiv-Transport. Auf unser Goldhofer-Equipment können wir uns zu jeder Zeit voll und ganz verlassen“, sagt Mike Poppe, der Gründer und Inhaber von PHH.
Mit einer Achslast von bis zu 45 Tonnen, einem Achsausgleich von bis zu ± 300 mm und dem extrem hohen Biegemoment bei gleichzeitig niedrigem Eigengewicht sind die zwillingsbereiften THP/SL-Modulsysteme von Goldhofer die weltweit meist eingesetzten Schwerlastachsen überhaupt und immer dann gefragt, wenn schwerste Ladungen umgesetzt werden müssen.
„Solche außergewöhnlichen Projekte wie jetzt in Las Vegas stärken unseren Ruf als Weltmarktführer für High-End-Transportequipment. Die Spezialisten der Branche wissen, dass sie bei kniffligen Aufträgen keine Kompromisse eingehen dürfen. Sie vertrauen daher von Anfang an auf unsere Systeme, die nicht nur für Qualität stehen, sondern gleichzeitig auch für viele tausend erfolgreich realisierte Schwertransportprojekte. Bei Goldhofer weiß man eben, dass es funktioniert“, sagt Stefan Fuchs, der Vorstandsvorsitzende der Goldhofer AG.
Für PHH war beim spektakulären Lok-Transport nicht nur das richtige Goldhofer-Equipment, sondern ein perfektes Projektmanagement Garant für den Erfolg. Die Transportstrecke wurde beispielsweise so gewählt, dass keine Brücken befahren und möglichst wenige Kreuzungen mit Ampelanlagen überquert werden mussten. Um nicht mit Strom- und anderen Leitungen zu kollidieren, war eine ganze Reihe an Spezialdienstleister in das Projekt involviert. Diese mussten im Falle des Falles mit eigenen Hubkonstruktionen Leitungen anheben oder auch mal Ampelanlagen demontieren. Um die Strecke zwischen Gleis und Convention Center möglichst schnell zu bewältigen, wichen die Transportspezialisten von PHH ab und an auch auf Gegenfahrbahnen aus. Der Transportkonvoi war auf alle Eventualitäten vorbereitet und bestand nicht nur aus zwei Lkw und den Goldhofer-Achslinien, sondern auch aus fünf Fahrzeugen mit Hebebühnen und sechs Teleskopladern, ausgestattet mit Kränen und Arbeitsbühnen, sowie zwei zivilen Begleitfahrzeugen. Zusätzlich unterstützt wurde das PHH-Team von elf Highway-Patrol-Polizisten, die für die Sicherheit des Transports und der anderen Verkehrsteilnehmer sorgten. PHH selbst war mit insgesamt 40 Mann im Einsatz.
Etwas Bauchschmerzen hatten die Behörden in Las Vegas im Vorfeld des Projekts, weil ausgerechnet am Tag des Transportes auch US-Präsident Barack Obama in der Stadt war und man nun eine Behinderung des Präsidenten-Konvois durch den Goldhofer-PHH-Transport befürchtete. „Da gab’s aber zum Glück keine Probleme. Wir haben unseren Transport absolut planmäßig über die Bühne gebracht und soweit ich weiß, ist auch die Stippvisite des Präsidenten ohne besonderes Vorkommnis verlaufen“, schmunzelt Poppe.
Die 4300 PS-starke Lokomotive war zunächst innerhalb eines engen Zeitfensters von fünf Stunden über eine spezielle Hebevorrichtung aus den Schienen auf den THP/SL von Goldhofer gehievt worden. Nach dem Ladevorgang ging es mit Schrittgeschwindigkeit um 11 Uhr nachts auf die berühmteste Straße Las Vegas, vorbei an ruhmreichen Hotels wie dem Four Seasons oder dem Mandala Bay, in Richtung Convention Center. Dort angekommen, wurde die Lokomotive direkt an ihrem Ausstellungsort in der Messehalle abgeladen. Die reine Transportzeit dauerte mehr als sechs Stunden. (Ingo Jensen)

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