Wirtschaft

Bayerns Energie- und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Bambergs Landrat Johann Kalb beim Start des kommunalen Energiecoachings für Oberfranken. (Foto: Schweinfurth)

23.01.2015

Gemeinden brauchen fachliche Unterstützung

Kommunales Energiecoaching für Oberfranken gestartet

Klimaschutz und Energiewende sind wichtige Weichenstellungen, die Bayern, der Bund und Europa unterstützen. Doch bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort hapert es vielerorts. Vor allem kleine Gemeinden haben weder das Know-how noch die personellen Ressourcen, diese Aufgaben zu stemmen. Darum hat der Regierungsbezirk Oberfranken vor Kurzem das kommunale Energiecoaching gemeinsam mit Bayerns Energie- und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gestartet.
„Unkomplizierte und kostenlose Beratung – denn wir sind ja alle pleite – sind wichtig, um die Energiewende auf regionaler Ebene umzusetzen“, meinte Bambergs Landrat Johann Kalb (CSU) bei der Auftaktveranstaltung zum kommunalen Energiecoaching in der Domstadt. Er betonte, dass sein Landkreis und die Stadt Bamberg schon seit 2008 am Ziel, bis 2035 energieautark zu sein, arbeiten. Bis 2020 wollte man 30 Prozent CO2 einsparen. „Schon jetzt haben wir weit mehr geschafft und 63 Prozent erreicht“, so Kalb. Das sei vor allem der Klima- und Energieagentur Bamberg, in der Stadt und Landkreis zusammenarbeiten, zu verdanken.
Weil diese Agentur so erfolgreich ist, sorgt sie laut Kalb auch international für Aufsehen. So habe man eine Delegation aus Osttimor empfangen und in Südkoreas Hauptstadt Seoul das Bamberger Konzept vorgestellt. Auch bei den „Eco-Regions“ der EU in Brüssel habe man das Bamberger Modell präsentieren können.
Während Energieministerin Aigner bekannte Fakten zur Energiewende präsentierte, unterstrich Eckersdorfs (Landkreis Bayreuth) Bürgermeisterin Sybille Pichl (Freie Wähler), wie wichtig das kommunale Energiecoaching ist. Denn die Regierung von Oberfranken habe in einer Pilotphase bereits 32 Gemeinden beraten. „Wir haben jemanden gebraucht, der uns anstupst. Denn allein mit unserem Personal schaffen wir das nicht“, sagte Pichl. Der Aufwand sei nicht machbar. Allein ein nachhaltiges Energiekonzept für das historische Rathaus zu erstellen, sei eine Herausforderung gewesen.
Ins gleiche Horn stieß Wolfgang Böhm, Geschäftsführer der Energieagentur Nordbayern: „Die Gemeinden brauchen fachliche Unterstützung. Energie ist sie eine Blackbox.“ Wie segensreich das Energiecoaching wirken kann, illustrierte er anhand einer großen Halle in einer Gemeinde: „Wir konnten 70 Prozent Energieeinsparung erreichen, weil wir statt der bisherigen Lüftungsanlage, über die die Halle beheizt wurde, auf Wandheizkörper umgestellt haben.“
Aber auch am Geld kann die Energieoptimierung scheitern. „Bei 3500 Einwohnern und einer Pro-Kopf-Verschuldung von 3500 Euro können wir uns das nicht leisten“, so Ludwigsstadts (Landkreis Kronach) Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD). Die 12 000 Euro für einen Energieberater, der 15 Tage die Gemeinde unterstützt hat, konnten 85 Prozent der Kosten aus einem Bundesprogramm gedeckt werden. Somit ist zumindest eine Analyse der Energiesituation erstellt worden. Doch für die Umsetzung bräuchte man wieder Geld. „Es müsste vom Freistaat analog dem Stadtumbau-Programm ein Energieumbau-Programm geben“, regte Ehrhardt an.
Auch Egon Herrmann (SPD), Bezirksvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags und Bürgermeister von Weißenbrunn (Landkreis Kronach), betonte, dass die Gemeinden Hilfe bei der Umsetzung benötigen. „Wir müssen die Daten nicht dreimal erheben, sondern brauchen Geld, um Energiesparmaßnahmen starten zu können.“ Bei überschuldeten Gemeinden mit nicht genehmigungsfähigen Haushalten sei vor allem die Rechtsaufsicht ein Problem, die entsprechende Projekte nicht genehmige, obwohl sie dazu beitragen, langfristig Energie und damit Geld zu sparen.
Aber Herrmann kritisierte auch die 10H-Regelung: „Von 17 Windrädern wurden immerhin 13 genehmigt, aber jetzt bremst uns die neue Gesetzgebung aus.“ Lokale Wertschöpfung werde somit zunichte gemacht.
Weiterer Kritikpunkt an der Staatsregierung ist laut Herrmann der Förderdschungel: „Es fehlt ein Ansprechpartner, der den Gemeinden aufzeigt, wie sie Projekte zur Energieeinsparung, zum Klimaschutz und zur Energiewende mithilfe von Fördergeldern umsetzen können.“
Energieministerin Aigner versprach zumindest, die Kritik mitzunehmen und zu versuchen, für Abhilfe zu sorgen. Ob sie damit reüssieren wird, bleibt abzuwarten. Denn Energiewende ist in Bayern ja bekanntlich Chefsache. (Ralph Schweinfurth)

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