Wirtschaft

Der neue Tiefbrunnen wird mit rund 10 Kubikmeter Glaskugeln befüllt. (Foto: Schweinfurth)

04.04.2014

Glaskugeln statt Kieselsteine

Wie man beim Brunnenbau kosten spart

Wirtschaftlichkeit ist das oberste Gebot bei allen öffentlichen Bauvorhaben. So auch beim Neubau eines Tiefbrunnens für die Wasserversorgung von Hersbruck (Landkreis Nürnberger Land). Hier kommt die neue Technologie der Glaskugeln zum Einsatz. Anstatt den Brunnen mit Kies zu befüllen, wie man das klassischerweise vornimmt, wurde der neue Tiefbrunnen in Hersbruck mit Glaskugeln befüllt.
„Das bringt ganz klare Kostenvorteile bei der Wartung des Brunnens“, erklärt Harald Kiesl, Geschäftsführer der Hersbrucker Energie- und Wasserversorgungs GmbH (Hewa), der Staatszeitung. Bereits nach zweimaligem Regenerieren des Brunnens habe man die Mehrkosten für die Glaskugeln wieder „eingespielt“. Möglich macht das die glatte Oberfläche der Glaskugeln. Dort haften sich Verunreinigungen weniger stark an als zum Beispiel an Quarzkies, dem üblichen Füllmaterial von Brunnen.
Seit 2007 gibt es die Technologie der Glaskugelbrunnen, betont Diplomingenieur Frank Herrmann, Geschäftsführer des Nürnberger Spezialunternehmens Ochs Bohrgesellschaft mbH, die den neuen Brunnen für die Hewa erstellt. Durch einen Zufall habe er den Hersteller Sigmund Lindner GmbH (SiLi) aus dem oberfränkischen Warmensteinach (Landkreis Bayreuth) gefunden, der ihm die Glaskugeln liefert. „Diese sind sogar zertifiziert keimfrei, was für den Brunnenbau entscheidend ist“, so Herrmann. Denn der klassische Quarzkies, der sonst beim Brunnenbau zum Einsatz kommt, müsste aufwändig kurz vor dem Befüllen des Brunnens mit Wasserstoffperoxid gewaschen werden. Wenn dabei etwas daneben geht, ist der Boden gleich kontaminiert. „Das ist eine rechte chemische Panscherei auf der Baustelle“, sagt Herrmann.
Weil der Glaskugelbrunnen so viele Vorteile hat, hat ihm 2013 das Bundeswirtschaftsministerium sogar einen Innovationspreis verliehen. Doch schon 2010 konnte die Ochs Bohrgesellschaft für diese Technologie den „Bauma-Preis“ (Auszeichnung im Rahmen der internationalen Baumaschinenmesse) in München abräumen. Auch andere Kommunen und private Auftraggeber haben Herrmann zufolge die Vorzüge des Glaskugelbrunnens bereits erkannt. So gibt es zum Beispiel in Magdeburg und in Mannheim derartige Brunnen sowie bei Audi in Ingolstadt. Sogar in den USA gibt es sechs dieser Brunnen und im italienischen San Benedetto beim gleichnamigen Mineralwasserhersteller.
In Hersbruck wird der neue, 60 Meter tiefe Brunnen zur Optimierung der langfristigen Wasserversorgung der mittelfränkischen Stadt beitragen. Er ist in direkter Nachbarschaft zu einem bestehenden 160 Meter tiefen Brunnen gebohrt worden. „Somit können wir zwei Ebenen zur Trinkwassergewinnung nutzen“, erklärt Hewa-Chef Kiesl. Der neue Brunnen wird elektrotechnisch an das Wasserwerk angeschlossen. Den Abschluss der Bauarbeiten wird dieses Jahr das Brunnenhaus mit Satteldach bilden. Insgesamt schlägt die gesamte Maßnahme mit knapp einer halben Million Euro zu Buche.
(Ralph Schweinfurth)

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