Wirtschaft

24.01.2014

Hausverwalter drängt es in die SPD

Ein Kommentar von Karl Jörg Wohlhüter

Kaum hat die Berliner Ministerialbürokratie den ersten Schweiß bei der Ausarbeitung des Gesetzes über den Mindestlohn vergossen, da gedeihen schon die Schleich- und Auswege. Da sind dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt. Man könnte es ja so machen, wie bei den Staatstheatern, wo teilweise keine Stundenlöhne bezahlt werden, sondern Honorare für begrenzte Leistungen. Das hätte sogar einen Sinn, einer arbeitet schneller, der andere trödelt beim Verteilen von Zeitungen.
Eine staatsbürgerlich besonders interessante Möglichkeit ergäbe sich, wenn die Arbeitgeber in den Gremien der Nürnberger Arbeitsagentur endlich den schwer unterbezahlten Putzfrauen helfen würden. Eine nachhaltige, beinharte Kontrolle der Arbeitgeber dieser Putzfrauen wäre durchaus möglich, man darf auch auf die Unterstützung aufmerksamer Nachbarn hoffen. Eine anonyme Hotline könnte diese Überwachung schwer erleichtern.
Nun sage man nicht, es fehle an Personal. Vor geraumer Zeit hat man in Hessen einem bekannten Moderator von Börsennachrichten eine kriegsmäßig ausgerüstete Kompanie einer Sondereinheit SEK mit der halben Frankfurter Staatsanwaltschaft ins Haus geschickt, weil er für seinen todkranken Vater eine polnische Pflegerin beschäftigte – unangemeldet. Jedenfalls: Dann wäre Schluss mit der Schufterei für 3 Euro die Stunde, wie sie amtlich nach soliden Erkenntnissen der Behörden, durchschnittlich in München bezahlt werden.
Außerdem gäbe es schöne Steuern und Sozialabgaben. Die Ausrede vieler Hausfrauen, es handle sich ja nur um einen Freundschaftsdienst, dürfte vor den unterbeschäftigten Sozialgerichten schnell zusammenfallen. Denn wegen einiger Euro riskiert niemand eine Falschaussage, die man in diesem Fall zwingend mit Haft ohne Bewährung belegen könnte.
Es gibt aber noch eine ganz solide Lösung, die gerade dem Reinigungspersonal vor Freude die Tränen in die Augen treiben müsste. Die aus dem Boden schießenden Hausmeisterdienste, die bei der Aufdeckung der schäbigen Minivergütungen von 3 Euro sicher behilflich sein werden, stellen sie doch eine Schmutzkonkurrenz dar, bieten den Hilfskräften solide, korrekt versicherte Arbeitsplätze an. Nach strenger Kalkulation erhalten die Teilzeitbeschäftigten, die erfahrungsgemäß dann häufiger zu nachtschlafender Zeit in Büros eingesetzt werden, den sagenhaften Stundenlohn von – man halte den Atem an – 9 Euro. Vielleicht werden davon sogar noch Lohnsteuern abgezogen. Der Arbeitgeber hat leider enorme Kosten, er macht das Ganze ja fast nur aus Gefälligkeit. Deshalb kann er dem Auftraggeber der Putzfrauen eine Hungerrechnung von nur 22 Euro für die Stunde stellen. Ein Beispiel aus der realen Wirklichkeit.
Hat sich die SPD schlau, schlau hier nicht um Mindestlöhne sondern, mit Blick auf den Mittelstand, um Maximalprofite eingesetzt? Hoffentlich rechnen die Münchner Putzfrauen die Sache nicht nach. Im Zweifel müsste man halt eine homoerotische Beziehung zur Auftraggeberin angeben, dann wagt sich keine Arbeitsagentur, keine Polizei und kein Staatsanwalt mehr heran. Die Medien gieren nur darauf: Erste Putzfrau bekennt sich, jetzt wäre eine Massenoffenbarung überfällig. Die Betroffenen in den Ballungszentren werden diesen massiven Einsatz der SPD auf Knien danken.

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