Wirtschaft

US-Generalkonsul Bill Moeller liebt Bayern. (Foto: Schweinfurth)

11.07.2014

„Ihr habt nichts zu befürchten“

Der für Bayern zuständige US-Generalkonsul betont die Vorteile des geplanten Freihandelsabkommens

Bayern ist ein starkes Exportland. Aktuell rangieren die USA auf Platz eins der Zielländer. Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 18 Milliarden Euro haben die Unternehmen im Freistaat im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten exportiert. „Leider kaufen die Bayern aber nicht so viel von uns“, sagt US-Generalkonsul Bill Moeller, der in München stationiert ist, zur Staatszeitung. Darum konnte sein Heimatland 2013 nur Waren und Dienstleistungen im Wert von etwa 10 Milliarden Euro nach Bayern exportieren.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen beruhigt Moeller die Bayern: „Ihr habt vom geplanten Freihandelsabkommen nichts zu befürchten.“ Denn die Bayern seien „sehr wettbewerbsorientiert“. Ganz im Gegenteil, betont Moeller, die Menschen im Freistaat könnten von dem Abkommen nur profitieren. „Denn wir Armerikaner sind die besten Konsumenten der Welt. Wir schätzen die Qualität aus Bayern. Sie ist die beste auf der Welt.“
Auch touristisch könne Bayern von den USA nur profitieren. Laut Moeller ist der Freistaat Ziel Nummer eins für US-Touristen, die nach Deutschland kommen. Allein das Münchner Oktoberfest besuchen 150.000 der jährlich 700.000 amerikanischen Gäste in Bayern.
Derzeit leben rund 100.000 US-Amerikaner in Bayern. „Inklusive Militär“, betont Moeller. Rechnet man die Militärangehörigen heraus, sind es immer noch 50.000 Amerikaner. Für sie ist das Münchner Generalkonsulat eine wichtige Dienstleistungseinrichtung, so Moeller. „Unsere Bürger, die hier unter weiß-blauem Himmel leben, wollen ihre Pässe verlängert haben. Oder sie bekommen Kinder und brauchen eine Geburtsurkunde“, erläutert der Generalkonsul. Aber auch für Touristen ist das Generalkonsulat eine wichtige Anlaufstelle. „Gerade beim Oktoberfest kommt es ab und zu zu Problemen. Da haben unsere Leute dann schon mal vergesssen, wo ihr Hotel ist, oder sie haben ihren Pass bzw. ihre Freundin verloren“, verrät Moeller.
Aber das Generalkonsulat hat auch die Aufgabe der Wirtschaftsförderung. So gehört es zum täglichen Geschäft von Moeller und seinem Team, bayerische Firmen zur Investition in den USA zu animieren und Menschen aus dem Freistaat für einen Urlaub in den Staaten zu begeistern. „Denn jeder ausländische Tourist, der zu uns in die USA kommt, wird als gelungene Wirtschaftsförderung im Sinne einer Ausfuhr von Dienstleistungen gezählt“, so Moeller. Darum ist zum Beispiel die jährlich stattfindende Messe „Americana“ in Augsburg sehr wichtig. Dort werde gezielt für die USA geworben.
Doch der touristische Aspekt ist eher zweitrangig. „Wir heißen Investitionen von bayerischen Unternehmen in den USA willkommen“, betont Moeller. So werde es sehr geschätzt, dass zum Beispiel Wacker Chemie in Tennesee ein Werk eröffnet hat und dass Airbus eine neue Fabrik in Alabama bauen wird. Und die US-Amerikaner sind sich ihrer Standortvorteile durchaus bewusst: „Wir haben viel Energie und die Kosten dafür betragen im Vergleich zu Deutschland nur ein Viertel.“
Auch die bayerische Automobilindustrie profitiert laut Moeller vom US-amerikanischen Markt. Dort seien Audis und BMWs sehr populär. Aber nicht nur die Fahrzeuge selbst würden geschätzt. Auch die damit verbundenen Beschäftigungseffekte erkennen die US-Amerikaner laut Moeller sehr an. Allein BMW sorgt mit seinem Werk in Spartanburg für 8000 Arbeitsplätze. Und weitere 800 kommen hinzu, wenn BMW demnächst seine Produktion in den USA ausweitet.
Umgekehrt ist Bayern für US-amerikanische Unternehmen ein beliebter Standort für ihre Deutschland- beziehungsweise Europazentralen. Stellvertretend nennt Moeller nur McDonalds und Microsoft in München.
Insgesamt könnten Bayern und US-Amerikaner nur voneinander profitieren, betont der Generalkonsul. Denn beide Bevölkerungsgruppen seien nicht nur stark im Konsum, sondern auch erfindungsreich und fleißig. „Wobei die amerikanischen Konsumenten schwer zu schlagen sind. Sie kaufen einfach immer“, meint Moeller launig.
Zu den Befürchtungen der Deutschen, dass über das Freihandelsabkommen Gentechnik in ihre Nahrung kommt, sagt Moeller nur: „Man kann über alles reden.“ Es sagt nicht ohne Ironie, dass pro Jahr 1,5 Millionen Deutsche in die USA reisten, unsere Lebensmittel konsumierten und diese Erfahrung „überlebten“. Er betont: „Auch wir haben kein Interesse an schlechtem Essen.“ Die Standards für Lebensmittel in den USA seien genauso hoch wie in Deutschland. Nur gebe es unterschiedliche Verfahren, Nahrungsmittel zu desinfizieren. So gebe es Moeller zufolge keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass es ungesund sei, Lebensmittel mit Chlor zu desinfizieren, wie das in den USA geschehe: „Wir sollten also keine Verbote aussprechen, es sei denn, dass sie auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhen. Andererseits könnte man für eine erweiterte Kennzeichnung argumentieren, damit Verbraucher genau wissen, was sie kaufen und essen.
Andersherum hätten die USA teilweise höhere Ökostandards für ihre Bio-Lebensmittel. Zum Beispiel dürften in den USA Bio-Weine im Gegensatz zu Europa kein Sodiumnitrit enthalten. Deshalb sei Wein die große Ausnahme bei der zwischen der EU und den USA unterzeichneten Erklärung, nach der ab dem 1. Juni 2012 in beiden Gebieten zertifizierte ökologische Produkte als solche verkauft werden können. Die Vereinigten Staaten seien mit einem Umsatzvolumen von 31,5 Milliarden US-Dollar der weltgrößte Binnenmarkt für ökologische Produkte. Dies biete riesiges Handelspotential für Regionen wie Bayern, die ausgezeichnete landwirtschaftliche Produkte liefern können.
(Ralph Schweinfurth)

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Kommentare (1)

  1. gauer am 15.07.2014
    Das ist pure Ablenkung von eigentlich wichtigen Paragraphen. Im TTIP werden die Parlamente und Gerichte total entmachtet denn alle Meinungsverschiedenheiten sollen nicht vor ordentlichen Gerichten, sondern in teils geheimen Schiedsgerichten ausgehandelt werden. Das wichtigste ist aber, daß auch ausländische Firmen den Staat nach Gesetzesänderungen auf Schadensersatz vor diesen verklagen können. Also Abschaffung der Demokratie per Vertrag. Also in diesem Fall Wachs in die Ohren so wie Odysseus, auch wenn denn der Sirenengesang noch so verlockend klingt.

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