Wirtschaft

19.02.2010

Im Ausland gutes Geld verdienen

Etwa 5 bis 8 Prozent der bayerischen Handwerksbetriebe sind derzeit in anderen Staaten aktiv

Bau, Ausbau, Metallbau, Holz, Energie und das Sonderthema Musikinstrumentenbau eignen sich besonders für den Export. Das zeigt die inzwischen 20-jährige Erfahrung von Bayern Handwerk International (BHI) mit Sitz in Nürnberg. Die Exportfördergesellschaft aller bayerischen Handwerkskammern kümmert sich um Geschäftskontakte ins Ausland, Messeteilnahmen im Ausland und um Kooperationen.
„Unsere bayerischen Aussteller waren sehr zufrieden mit ihrer Teilnahme an der diesjährigen Swissbau in Basel und der Klimahouse in Bozen“, erklärt BHI-Geschäftsführer Andreas Gfall. Jenseits der „Geiz ist geil“-Mentalität im heimischen Markt gebe es im benachbarten Ausland durchaus Märkte, in denen man für gute Leistung auch gutes Geld verdienen könne. Um in diesen Märkten von der dort vorhandenen Kaufkraft profitieren zu können, müsse der jeweilige Handwerksmeister mit seiner Persönlichkeit als Unternehmer und mit der Qualität seiner Produkte und Dienstleistungen überzeugen. Am leichtesten geht das laut Gfall, wenn bayerische Betriebe dorthin gehen, wo die deutsche Industrie schon ist. Dann kenne man beim Industrieunternehmen den Handwerker bereits, und er wird auch über das Heimatland bezahlt. „Ein bayerischer Betrieb hat zum Beispiel die Inneneinrichtung eines Vorstandsbüros von Audi in Ingolstadt gemacht. Weil seine Qualität so gut war, kam der Folgeauftrag, und er hat die Büros von Audi in Spanien ausgestattet“, so Gfall.
Aber auch die Annahme von Aufträgen ausländischer Geschäftspartner sei kein Problem. Denn BHI helfe bei allen Formalitäten, um im Ausland tätig sein zu dürfen. „Denn trotz Dienstleistungsfreiheit in Europa braucht man ja immer noch einige Genehmigungen“, so der BHI-Geschäftsführer. Etwa 5 bis 8 Prozent der bayerischen Handwerksbetriebe erledigen derzeit Aufträge im Ausland. 90 Prozent davon in der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen. Umsatzzahlen gibt es laut Gfall leider nicht, da die Auslandsumsätze der Handwerksbetriebe nirgendwo statistisch erfasst werden.
Doch fürs Ausland eignet sich auch nicht jeder Handwerksbetrieb. Diese müssen Gfall zufolge gesund sein: „Wenn einer meint, durch Auslandsaktivität rette ich meinen Betrieb zuhause, hat er schon verloren.“ Denn der Aufbau des Auslandsgeschäfts sei wie eine zweite Existenzgründung, die viel Zeit, Personal und Geld kostet. Der Meister werde immer vor Ort sein müssen, denn seine Expertise und seine Speziallösungen seien gefragt. Standardleistungen würden im Ausland kaum nachgefragt, denn die könnten die heimischen Betriebe dort in der gleichen Qualität zu günstigeren Preisen anbieten, so Gfall. Deshalb könne das bayerische Handwerk derzeit gerade im Bereich der Megathemen Energieeffizienz und regenerative Energieerzeugung gute Geschäfte machen. Denn in diesen Bereichen hätten gerade die südeuropäischen Länder Italien und Spanien noch Nachholbedarf, weil dort erst vor Kurzem die gesetzlichen Voraussetzungen für diese Megathemen geschaffen wurden.
„Auch neue Technolgien im Holzbau werden in Südeuropa zum Beispiel nachgefragt“, erklärt Gfall. Denn erst jetzt seien Holzbauten als Immobilien anerkannt worden, was sie vorher aus Brandschutzgründen nicht waren. Damit es zu Geschäftsverbindungen ins Ausland kommt, bahnt BHI regelmäßig Kontakte an. So zum Beispiel ganz aktuell für die Energiesparmesse in Wels in Oberösterreich. 28 bayerische Handwerksbetriebe kommen mit zu dieser Messe und jeder von ihnen wird zwischen fünf und zehn ernsthafte Kontakte bekommen. Was er dann daraus macht, bleibt jedoch seinem Verhandlungsgeschick überlassen. BHI steht aber immer beratend zur Seite. Die Kosten liegen pro Betrieb bei rund 3000 Euro, wovon allerdings 1000 Euro der Freistaat Bayern als Förderung übernimmt. „Man bekommt eben nicht jeden Tag die Gelegenheit, mit den Chefeinkäufern von großen österreichischen Unternehmen wie Magna, Österreichische Bundesbahn oder Siemens Österreich zu sprechen“, betont Gfall und unterstreicht den Wert dieser Kontakte. Ein anderes Beispiel illustriert, dass die Teilnahme von 170 Betrieben an BHI-Veranstaltungen in Aschaffenburg, Augsburg und Ingolstadt in konkrete Kooperationsbörsen mündeten.

(Ralph Schweinfurth)

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