Wirtschaft

Beim so genannten Nano-Trench-Verfahren wird eine ein Zentimeter breite und acht Zentimeter tiefe Fuge in den Straßenbelag gefräst. Das Glasfaserkabel wird dort hinein hitzebeständig verlegt und zu sehen ist nur ein schwarzer Streifen. (Visualisierung: Flowmotion Visual Media)

23.09.2011

Innovativ Glasfaserkabel verlegen

Neue Methode aus Österreich bringt knapp 34 Prozent Kostenersparnis

Datenautobahnen sind die Infrastruktur, die die Wirtschaft braucht. Doch noch klaffen in Bayern große Versorgungslücken. Damit künftig der Breitbandausbau im Freistaat schneller vorangeht, soll jetzt im Landkreis Cham ein Pilotprojekt umgesetzt werden. Durch das aus Österreich stammende so genannte Nanocut-Verfahren können Zeit und Kosten gespart werden. Laut Alois Pichler, dem Erfinder dieser Methode, funktioniert die Verlegung bis zu 20 Mal schneller als bei der konventionellen Methode, sprich dem Aufgraben. Selbst Straßenabsperrungen seien nicht nötig.
In Kooperation mit der Telekom Austria hat die Pichler Bohrtechnik GmbH aus Niederösterreich bereits das kleine Siegenfeld im Wienerwald versorgt. Das 200-Seelen-Dorf ohne Schule und Supermarkt hat jetzt mit 30 Megabit pro Sekunde die schnellste Glasfaserverbindung Österreichs.
Regensburgs Landrat Herbert Mirbeth (CSU) wollte das Pilotprojekt eigentlich in Kallmünz realisieren. „Doch dort hat man zwischenzeitlich eine bessere Lösung gefunden und ist sich mit der Deutschen Telekom einig geworden“, so der Pressesprecher des Landkreises zur Staatszeitung. Er betont aber, dass sich Mirbeth beim bayerischen Innenministerium sehr engagiert hat, damit es überhaupt zu so einem Pilotprojekt kommt. Denn bisher habe die Staatsstraßenverwaltung das Nanocut-Verfahren immer abgelehnt.
Jetzt wird die neue Methode im kommenden Frühjahr in der Gemeinde Wald (Landkreis Cham) zum Einsatz kommen. Laut Bürgermeister Hugo Bauer (CSU), der auch stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands Oberpfalz des Bayerischen Gemeindetags ist, sinken die Baukosten durch diese Methode von 631.000 Euro auf 418.000 Euro für das in der Gemeinde Wald zu bearbeitende Gebiet. Eine Ersparnis von knapp 34 Prozent.
Laut Innenministerium wird das Projekt wissenschaftlich von der TU München begleitet. „Denn das neue Verfahren hat zwei Nachteile: Was passiert bei Frostaufbrüchen und wie geht man mit Querungen um? Aber mit Querungen muss man auch beim konventionellen Erdverbau klarkommen“, erläutert Bürgermeister Bauer.
„Die ,Bandbreitenschere’ zwischen Ballungsräumen und dem Land darf nicht immer noch weiter auseinander klaffen. Für mich ist es deshalb ein wichtiges Ziel, zusammen mit den Kommunen ein leistungsfähiges Breitbandnetz zu schaffen“, erklärt Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler (CSU). Im Landkreis Cham sei es mit erheblichen Anstrengungen der Kommunen und dem Einsatz innovativer Technologien – wie der Aufrüstung von 22 digitalen Vermittlungsstellen durch das private Unternehmen amplus AG – gelungen, wenigstens eine flächendeckende Grundversorgung mit 1 MBit/s aufzubauen. „In Teilbereichen ist sogar eine Bandbreite von 50 bis 100 MBit möglich. Die Förderung aus dem Breitbandförderprogramm war dabei sehr hilfreich“, sagt der Landrat.
Jetzt geht es laut Löffler darum, den erhöhten Bedarf mit leistungsfähigen Netzen sicherzustellen. Gemeinsam mit 25 Kommunen plant der Landkreis Cham den Ausbau der „zweiten Generation“ in Glasfasertechnologie. „Gemeinden, die bereits zur Herstellung der Grundversorgung gefördert wurden, können nur mehr in Ausnahmefällen eine Förderung erhalten“, so Löffler. Aber gerade in dieser „zweiten Stufe“ würden hohe Kosten entstehen, die die Kommunen alleine nicht schultern können. Die weitere Unterstützung des Staates sei deshalb gefordert. „In diesem Zusammenhang begrüße ich auch neue technische Verfahren, die eine wirtschaftlich günstige und schnelle Verlegung von Glasfaserkabeln ermöglichen, wie das Nanocut-Verfahren“, sagt Löffler.
(Ralph Schweinfurth)

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