Wirtschaft

Firmenchef Thomas Schnell steht vor Produktionsanlagen in seinem Unternehmen. (Foto: Dr. Schnell Chemie)

04.12.2015

Erfolgreich am Markt in der siebten Generation

Ein Münchner Familienunternehmen produziert Reinigungsmittel für die Industrie

Wenn es um professionelle Reinigungsmittel für Kliniken, Seniorenheime, Unternehmen, Gastronomie und Hotellerie geht, dann sind die Produkte des Münchner Familienunternehmens Dr. Schnell Chemie gefragt. Die über 280 Mitarbeiter umfassende GmbH ist einer breiten Käuferschicht unter anderem mit ihrem Produkt Milizid bekannt.

Dr. Schnell, bereits in siebter Generation in München tätig, steht für Wachstum mit Augenmaß, sichere Arbeitsplätze und Nachhaltigkeit. „Als Familienunternehmen haben wir langen Atem, wir denken und handeln in Generationen“, sagt Firmenchef Thomas Schnell, ein promovierter Jurist, „unsere Kunden und unsere Mitarbeiter wissen, dass sie sich auf uns und unsere Qualität verlassen können.“

Einer der bekanntesten und renommiertesten Kunden von Dr. Schnell ist die Deutsche Bahn. Vor zwei Jahren konnten beide Unternehmen das 50-jährige Jubiläum ihrer Zusammenarbeit feiern. In Bayern arbeitet Dr. Schnell unter anderem mit dem Gebäudereinigungsunternehmen Dr. Sasse, dem Klinikum Großhadern, der Wackler Unternehmensgruppe, Motel One, den Hotels Schloss Elmau und Bayerischer Hof zusammen. Ebenfalls zum Kundenkreis gehören Catering-Unternehmen und die Großküchen diverser Studentenwerke. Das europaweit tätige Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro. 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Dr. Schnell in Deutschland, davon 20 Prozent in Bayern. Den Rest erzielt das Unternehmen primär in den Benelux-Staaten, in Österreich, Polen und der Schweiz.

Moderne Produktionsanlagen


Dr. Schnell verfügt über moderne Produktionsanlagen, Forschungs- und Entwicklungslabors. Produziert wird ausschließlich in München. Thomas Schnell: „Wir sind ein Münchner Unternehmen, stehen zu unserem Standort und zahlen hier unsere Steuern. Und das, obwohl manche Rahmenbedingungen alles andere als mittelstandsfreundlich sind.“

So hat Thomas Schnell zum Beispiel einige Kritikpunkte an der Vergabepraxis öffentlicher Stellen. Immerhin zahle Dr. Schnell in München Gewerbesteuern und sorge dafür, dass rund 40 Menschen aus dem Hasenbergl in der Produktion bei Dr. Schnell Arbeit haben. Und dennoch würden Aufträge, weil sie nur unter dem Aspekt Preis betrachtet werden, an US-Konkurrenten vergeben, die ihre Europazentralen im Ausland haben und in Deutschland keine Steuern zahlen. „Da steht zwar Nachhaltigkeit auf dem Papier“, sagt Schnell der Staatszeitung, „aber echte Wirtschaftlichkeit, zum Beispiel die dauerhafte Schonung von Armaturen, wird nicht berücksichtigt.“ Eine Vergabestelle müsse sich mit den Details eines Produkts auseinandersetzen wollen, kritisiert er. „Wir arbeiten mit Hochkonzentraten“, betont Schnell. Somit seien die Reiniger wesentlich wirtschaftlicher, weil man weniger von ihnen braucht. Schnell fordert, dass der Gesetzgeber, der immer nachhaltiges Denken und Handeln fördern will, auch selbst nachgewiesene Nachhaltigkeit als Entscheidungskriterium bei Vergaben integrieren sollte. „Wir wollen keine Subventionen, sondern echte Chancengleichheit“, unterstreicht Schnell.

Ungleichbehandlung von Großunternehmen und Mittelständlern


Ein weiterer Punkt ärgert Schnell: die Ungleichbehandlung von Großunternehmen und Mittelständlern. So könnten Konzerne in großem Stil Steuerschlupflöcher nutzen, die Familienbetrieben verwehrt sind, obwohl diese vor Ort für Beschäftigung sorgen und mit ihren Steuern das öffentliche Leben mitfinanzieren. Anhand eines Steuersatzvergleichs illustriert er, was Standorttreue bedeutet: „In Deutschland zahlt ein Unternehmen 44 Prozent Steuern, in der Schweiz sind es gerade einmal 17 Prozent.“ Dennoch denkt er nicht an eine Unternehmensverlagerung, auch nicht ins Münchner Umland.
Was den Mittelstand beeinträchtige, sei laut Schnell auch der Lobbyismus in Brüssel zugunsten der Großindustrie. Dies habe zur Folge, dass Mittelständler wie Dr. Schnell umfangreiche gesetzliche Anforderungen erfüllen müssen, um neue und bereits bewährte Produkte auf den Markt bringen beziehungsweise am Markt halten zu können. „Das kostet Zeit und Geld, was ein mittelständisches Unternehmen sehr belastet“, so Schnell. Pro Produkt können da ganz rasch einmal Zulassungskosten zwischen 750.000 und 850.000 Euro zusammenkommen. Vor allem die Biozid-Verordnung sei so ein Beispiel, die aufgrund ihrer überbordenden Bürokratie keinen Mehrwert für Verbraucher und Umwelt schaffe, aber Großkonzerne indirekt mit einem Absatzvorteil beglücke.

„Um wie viel mehr könnten wir als mittelständisches Familienunternehmen leisten, wenn diese Rahmenbedingungen gerechter gestaltet wären“, fasst Thomas Schnell es zusammen.
Eine Besonderheit hat Dr. Schnell mit seinen Schulungszentren. In München und Hamburg unterrichtet das Unternehmen Mitarbeiter von Reinigungsfirmen, aus dem Gesundheitswesen und im Bereich der Großküchen, wie sie die Reinigungsprodukte richtig anwenden. Dies geschieht im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Denn je weniger Reiniger verschwendet werden, umso weniger muss in den Kläranlagen das Wasser wieder aufbereitet werden. Doch auch Materialien und Oberflächen stehen im Fokus der Schulungen. Denn durch den falschen Einsatz eines Reinigers können Schäden entstehen. Und umgekehrt erhalten zum Beispiel Armaturen in Sanitärbereichen dauerhaft ihren Glanz, wenn man sie mit dem richtigen Reinigungsmittel säubert.
(Ralph Schweinfurth)

INFO:
Die Dr. Schnell Chemie GmbH hat ihren Ursprung in der Münchner Seifenfabrik. 1963 übernimmt Wolfgang Schnell, ein promovierter Chemiker, den Handwerksbetrieb seines Vaters und bereitet den Weg zum modernen, europaweit tätigen Unternehmen für professionelle Reinigungs-, Hygiene-, Desinfektions-, Hautschutz- und Hautpflegeprodukte. Das Unternehmen ist getrieben vom Anspruch, innovative, hochwirksame Produkte aus umwelt- und gesundheitsverträglicher Produktion zu entwickeln und zu vertreiben. Dr. Thomas Schnell tritt 2006 in die Geschäftsführung ein und verantwortet heute das operative Geschäft des mittelständischen Familienunternehmens.

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