Wirtschaft

Der Holzverarbeiter Pfleiderer hatte 1,4 Milliarden Euro Schulden. (Foto: dpa)

05.01.2015

Kerngeschäft und neue Felder sorgen bei Pfleiderer für Aufwind

Nach Insolvenz blickt das oberpfälzische Unternehmen wieder mit Zuversicht in die Zukunft

Das Holzlager, die Sägespäne und Holzschnitzel türmen sich zu einem viele Meter hohen Berg auf. Der Fuhrpark des Holzverarbeiters Pfleiderer mit mehr als 50 Lastwagen ist dauerhaft im Einsatz. Die Produktion läuft rund um die Uhr - in vier Schichten. Nichts deutet im oberpfälzischen Neumarkt mehr auf die Krise des Konzerns vor knapp drei Jahren hin. Die damaligen Manager hatten sich mit ehrgeizigen Expansionsplänen in den USA verhoben, einen Schuldenberg von rund 1,4 Milliarden Euro angehäuft und das Unternehmen fast ruiniert. Nun meldet Pfleiderer wieder Erfolge: Das Vertrauen der Kunden kommt zurück - und die Konzernleitung setzt auf neue Geschäftsfelder.
"Der Start in die Zukunft ist "Green Building" - das Bauen mit Holz", sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Pfleiderer GmbH, Michael Wolff. Zwar produziert der Konzern nach wie vor hauptsächlich für die Möbelindustrie, den Holzfachhandel und Holzverarbeiter wie etwa Schreinereien. Um sich aber neue Wachstumsfelder zu erschließen, will Wolff mit Elementen für den privaten und öffentlichen Gebäudebau mehr Aufträge gewinnen.
Holz sei als Baustoff im Vergleich zu Stahl und Beton vor allem aus energetischen und klimatechnischen Aspekten interessant, sagt der 54-Jährige. "Der aufgeklärte Bürger beschäftigt sich mit CO2-Speichern und Raumklima". Laut Vorhersagen der Bauindustrie steigt das Wachstum beim privaten Hausbau und beim öffentlichen Hochbau im kommenden Jahr bis zu 3 Prozent, 2016 gar bis zu 5 Prozent.
Wachstumschancen sieht die Branche vor allem in den Städten. Der Trend liege im Wohnen in der Stadt, sagt Peter Mackowiack vom Deutschen Holzfertigbau-Verband in Ostfildern bei Stuttgart. "Da in den Städten der Platz jedoch begrenzt ist, werden vorhandene Gebäude gerne um eine Etage aufgestockt. Und da ist das relativ leichte Material Holz klar im Vorteil." Auch setzten Kommunen immer häufiger auf Holzbauweise für Kindergärten, Schulen, Konzert- oder Sporthallen. "Holz fühlt sich wärmer an. Zudem sorgen Geruch und die Maserung für ein Wohlfühlklima."
Hinzu komme die im Vergleich zu anderen Materialien im Hausbau unschlagbare Ökobilanz. Mit Sorge betrachten sowohl Wolff als auch Mackowiack daher die zunehmende Menge an Holz, die zum Heizen verfeuert wird. "Holz als natürlicher Werkstoff und Wertstoff sollte solange genutzt werden, wie es geht und erst dann verbrannt werden", betont Wolff. Dies wäre ein wertvoller Beitrag, um die CO2-Ziele schneller zu erreichen.
Pfleiderer hat am Stammsitz in Neumarkt für 30 Millionen Euro ein neues Werk gebaut. Dort können Spanplatten bis zu einer Länge von 5,30 Metern und einer Breite von 2,20 gepresst werden. "Das Ziel der neuen Anlage ist nicht Volumensteigerung, sondern die Erhöhung der Produktqualität bei gleichzeitiger nachhaltiger Senkung von Energie-und Materialverbrauch", erläutert Geschäftsführer Wolff. Derzeit hätten alle Pfleiderer-Produktionsanlagen eine Auslastung von gut 90 Prozent.
Wirtschaftlich hat sich die Strategie für den Konzern ausgezahlt. Der Umsatz stieg in den ersten drei Quartalen 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 728 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern konnte um 110 Prozent auf 53 Millionen Euro erhöht werden und das Nettoergebnis drehte sich von minus 11 Millionen Euro auf plus 20 Millionen Euro. Der Finanzschuldenberg wurde von 1,4 Milliarden Euro vor der Insolvenz auf 380 Millionen reduziert und die Eigenkapitalquote liegt bei 29 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt rund 3300 Mitarbeiter, davon alleine in Deutschland etwa 2000.
Selbstüberschätzung und riskante Expansionspläne sollen bei Pfleiderer der Vergangenheit angehören. "Wir wollen nur noch in den Bereichen wachsen, in denen wir gesund sind und uns dabei auf den europäischen Markt konzentrieren", betont Wolff. (André Jahnke, dpa)

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