Wirtschaft

N-ERGIE-Chef Josef Hasler will, dass die Genehmigungsverfahren deutlich schneller werden. (Foto: N-ERGIE)

16.12.2011

Klare Investitionssignale sind gefragt

Chef des fränkischen Regionalversorgers N-ERGIE fordert politische Rahmenbedingungen für die Energiewende

Die Energiewende dominiert auch die strategischen Entscheidungen des fränkischen Regionalversorgers N-ERGIE Aktiengesellschaft aus Nürnberg. Die politischen Rahmenbedingungen lassen zwar derzeit noch auf sich warten, aber das Unternehmen investiert dennoch kräftig in eigene Stromerzeugungskapazitäten auf Basis erneuerbarer Energien. „Wir sind gerade dabei, in unserem Versorgungsgebiet unter anderem auch Windkraftanlagen zu projektieren“; sagt Vorstandschef Josef Hasler zur Staatszeitung. Gemeinsam mit Bürgermeistern identifiziert die N-ERGIE mögliche Standorte. Damit die von der bayerischen Staatsregierung geforderten 1500 Windkraftanlagen in Bayern aber realisiert werden können, fordert Hasler: „Die Genehmigungsverfahren müssen deutlich schneller werden.“
Doch mit erneuerbarer Energie allein wird man die Versorgungssicherheit nach dem Abschalten der Atommeiler in Deutschland nicht sicherstellen können. Insofern brauchen die Energieversorger jetzt klare Signale von der Politik, um in Gaskraftwerke investieren zu können. Diese rechnen sich wirtschaftlich aber nur, wenn sie vom Staat subventioniert werden. Denn sie würden nur maximal bis 1500 Stunden im Jahr laufen. Sie müssen ja die Versorgungslücke überbrücken, wenn nicht genügend Strom aus Biomasse, Wind oder Photovoltaik vorhanden ist.
„Ich würde eine Lösung über den Markt bevorzugen“, sagt Hasler. Zwar sei auch ein staatlich subventionierter Kapazitätenmarkt eine Möglichkeit, Gaskraftwerke aus Sicht von Energieversorgungsunternehmen wirtschaftlich zu betreiben, doch sollte man sich jetzt nicht die Chance verbauen, den Markt entscheiden zu lassen, wo und ob sich solche Kraftwerke rechnen. „Man braucht eben einen anderen Spread zwischen Strom- und Gaspreis“, betont der N-ERGIE-Chef.
Doch die Politik muss sich laut Hasler bei ihrer Rahmensetzung beeilen. Denn die Hersteller von Gasturbinen haben volle Auftragsbücher. Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren seien die Regel. „Und das alles könnte den Zeitplan beim Atomausstieg verzögern“, sagt Hasler.
Der Vorstandsvorsitzende erinnert die Politik auch an die nötige Ehrlichkeit bei der Energiewende: „Es wird dezentral, sichtbar und teuer. Das muss uns klar sein.“ Deshalb müsse bei den Bürgern Akzeptanz für den neuen energiepolitischen Kurs hierzulande geschaffen werden, zum Beispiel indem sie die Möglichkeit erhalten, sich an der Entwicklung zu beteiligen. „Wir tun das durch einen Ökosparbrief, den wir zusammen mit der Sparkasse Nürnberg entwickelt haben“, erklärt Hasler. Mit Einlagen ab 500 Euro kann jeder Stromkunde der N-ERGIE sein privates Geld in die Erzeugung erneuerbarer Energien investieren. „Die Laufzeit des Sparbriefs variiert zwischen fünf und sieben Jahren bei einer Rendite von 2,79 Prozent pro Jahr“, so Hasler. Man könne den Sparbrief in den Filialen der Sparkasse Nürnberg erhalten, doch auch Sparer aus anderen Regionen könnten ihn online zeichnen. „Wir sind auch offen für andere Kreditinstitute, um solche Sparbriefe zu entwickeln“, sagt der Vorstandschef.


An Windparks beteiligen

Das so zusammengetragene Geld wird in neue Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung investiert. Allein in diesem Jahr hat die N-ERGIE 100 Millionen Euro für diesen Bereich ausgegeben. „In den nächsten zehn Jahren wollen wir weitere 500 Millionen Euro in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie investieren“, sagt Hasler. Auf diese Weise sollen dann 250 Megawatt Stromerzeugungskapazität aus regenerativen Quellen zusammenkommen.
Im Gegensatz zu den Stadtwerken München will man bei der N-ERGIE keinen eigenen Offshore-Windpark bauen. „Aber wir überlegen derzeit, uns an so einem Projekt zu beteiligen“, erklärt Hasler. Denn immerhin habe man in diesem Jahr zwei Windparks an Land gekauft.
Ein weiteres Feld, das Hasler der Politik ins Gebetbuch schreibt, ist die Gebäudedämmung. Er erinnert daran, dass in der Regel ein Euro staatliche Förderung 8 Euro Investitionen auslösen. Und die energetische Sanierung ist wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Denn ohne die Energieeinsparungseffekte aus der Sanierung reiche die Menge an regenerativ erzeugter Energie hierzulande nicht aus. Darum müsse es unbedingt gelingen, dass Bund und Länder einen Fördermechanismus auf den Weg bringen.
Um die Kosten für Endverbraucher in einem vernünftigen Rahmen zu halten, fordert Hasler die Politik auf, die Steuer- und Abgabenlast, die auf dem Strompreis liegt, zu überdenken. Denn es sei klar, dass die Endverbraucher den Löwenanteil der Energiewende bestreiten müssten, damit die energieintensive Industrie hierzulande auf dem Weltmarkt keine Wettbewerbsnachteile erleidet und in der Konsequenz keine Arbeitsplätze abbauen müsste. „Beim Strompreis für Privathaushalte machen Steuern und Abgaben etwa 48 Prozent aus, beim Gaspreis sind es rund 40 Prozent“, so Hasler.
Das von vielen jetzt propagierte Thema Smart-Home oder Smart-Metering würde zwar beim Sparen helfen, da zum Beispiel die Waschmaschine zu einem Zeitpunkt läuft, wenn es billigen Strom gibt. Aber der große Hebel zur Stromkostensenkung in Privathaushalten liegt Hasler zufolge in diesem Thema nicht. „Außerdem muss man am Anfang sehr viel an teurer Steuerungstechnologie installieren, damit das smarte Home auch funktioniert.“
Somit bleibt die Politik gefragt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die bei der Energiewende niemanden hierzulande überfordern.
(Ralph Schweinfurth)

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