Wirtschaft

DAs Kerngeschäft bringt der Landesbank Gewinn. (Foto: LB)

13.04.2012

Konservativ und regional ausgerichtet

Die Bayerische Landesbank stellt sich neu auf

Obwohl die Bayerische Landesbank (BayernLB) „2011 ein Jahr der zwei Gesichter“ hinter sich hat, gaben sich der Vorstandsvorsitzende Gerd Häusler und Finanzvorstand Stephan Winkelmeier in der Bilanzpressekonferenz zuversichtlich, das Institut, das sich seit Jahren mit dem EU-Beihilfeverfahren herumplagen muss, wieder schlank und schlagkräftig zu machen. Wenn auch die Bank noch längst nicht über den Berg ist, verzeichnete sie doch einen Etappenerfolg mit 804 Millionen Euro Gewinn vor Steuern im Kerngeschäft, wozu zwei Milliarden Euro Zinsüberschuss und 262 Millionen Euro Provisionsüberschuss beigetragen haben.
Im Nicht-Kerngeschäft gab es 470 Millionen Euro Verlust. Insgesamt erzielte die Bank einen Gewinn vor Steuern von 334 Millionen Euro, der allerdings mit dem vorjährigen, durch Sonderfaktoren beeinflussten Ergebnis von 885 Millionen Euro nicht zu vergleichen ist. Nach Steuern stehen 328 Millionen Euro Verlust zu Buche, was für die Eigentümer (Freistaat und zu sechs Prozent die bayerischen Sparkassen) Hoffungen auf eine Ausschüttung zunichte macht.
Vermasselt haben das Ergebnis vor allem die staatlichen Eingriffe in Ungarn ins Bankengeschäft, so auch bei der Bankbeteiligung MKB und Belastungen aus der Staatsschuldenkrise, vor allem über griechische Staatsanleihen. Seit Januar hält der Konzern keine Griechen-Anleihen mehr. In Ungarn haben die Bankenabgabe und die Auswirkungen des Fremdwährungskredit-Ablösegesetz, wonach Schuldner ihre in Euro oder Schweizer Franken aufgenommenen Kredite in ungarische Forint umtauschen konnten, zu 576 Millionen Euro Abschreibungen auf die MKB geführt, die nach den HGB-Vorschriften steuerlich nicht abzugsfähig sind.
Das Ergebnis aus Finanzanlagen brachte 162 Millionen Euro (Vorjahr: 294 Millionen Euro) Miese ein, griechische Staatanleihen allein 140 Millionen Euro. Für die Beteiligung an der Restrukturierung der WestLB durch den Landesbanken-Haftungsverbund musste eine ergebniswirksame Rückstellung von 62 Millionen Euro gebildet werden. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft fiel mit 548 Millionen Euro geringer aus als im Vorjahr mit 696 Millionen Euro. Da die ungarischen Staatseingriffe sowie das schwierige Umfeld im Lande „auf Dauer die Ertragsaussichten der MKB schmälern“, würde man gern die MKB verkaufen, doch es fehlt ein Interessent.
Für die Zukunft will die Landesbank zu alten konservativen Werten zurückzukehren und künftig vom Investment-Banking die Finger zu lassen. Sie will ihre Nicht-Kernaktivitäten konsequent weiter abbauen, also kein lokales Auslandsgeschäft, keinen Eigenhandel, keine Akquisitionsfinanzierungen, keine Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen und keine Kreditersatzgeschäfte mehr betreiben und ihre Beteiligungsportfolios weiter bereinigen. Stattdessen möchte sie ein leistungsfähiger Unternehmens- und Immobilienfinanzierer sowie ein verlässlicher Partner der Sparkassen sein, sich regional aufstellen mit den Schwerpunkten Bayern und Deutschland, sich auf deutsche Kunden konzentrieren und nur selektiv Geschäfte in Europa und den USA machen.

Reduzierung
der Bilanzsumme


„Ziele sind“, so Häusler, „stabile und nachhaltige Erträge aus dem Kerngeschäft bei adäquatem Risikoprofil“, was eine weitere Reduzierung der Bilanzsumme von derzeit 309 Milliarden Euro und der Risiken zur Folge hat. Die wichtigsten Geschäftsfelder sollen der Mittelstand und die Energiewende sein.
Bei der Landesbank hofft man auf ein Ende des EU-Beihilfeverfahrens durch eine Einigung zwischen der EU, den Eigentümern und dem Bund bis zum Sommer 2012. Bei diesem Verfahren geht es um „regelwidrige Stützungsbeihilfen“ des Freistaats von 10 Milliarden Euro. Auch wenn die Bank nach den internationalen Bilanzierungsregeln IFRS heuer einen kleinen Gewinn von 65 Millionen Euro ausweist, darf sie nach den HGB-Vorschriften nichts an die Eigentümer ausschütten.
Dem Freistaat will die Bank dadurch helfen, dass sie ihm „in den nächsten fünf bis sieben Jahren“ fünf Milliarden Euro Kapital zurückzahlt. Als Quellen dafür gelten Gewinne, die Freisetzung von Eigenkapital durch den Abbau von Risiken und die Reduzierung der Bilanzsumme, der Verkauf von Vermögen, etwa der eigenen Wohnungsbaugesellschaft und der Bayerischen Landesbausparkasse (LBS). Schließlich sollen die stillen Einlagen der Sparkassen zurückgezahlt und umgehend in Eigenkapital der Landesbank umgewandelt werden. Inzwischen wird der Wert der Landesbank selbst nach einem Gutachten mit nur noch 4,8 Milliarden Euro beziffert.
Mit einer Prognose war Häusler sehr vorsichtig. Im Nicht-Kernbereich seien weitere Belastungen nicht auszuschließen, im Kern-Geschäft aber sei ein deutlich positives Ergebnis vor Steuern zu erwarten, denn die Liquiditätslage sei komfortabel, die Kernkapitalquote solide. (Hans-Gerd Heine)

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