Wirtschaft

Edle Gehölze liegen im Trend. (Foto: NürnbergMesse)

17.09.2014

Kühle Gärten im Trend

Die neuen Anlagen sind formal-puristisch, Natürliches ist nicht mehr gefragt

Dichte Hecken, verschiedene Rosensorten oder Gemüsebeete mit Zucchini und Tomaten sind out - wer sich heute einen Garten anlegen lässt, bevorzugt klare Formen und pflegeleichte Elemente. "Besonderen Wert legen Gartenbesitzer vor allem auf eine puristische, formale Gestaltung. Wir gehen weg vom Verspielten", sagt Verena Eilers vom Garten- und Landschaftsbaubetrieb Nordgrün in Nürnberg.Sie hat den Mustergarten entworfen, der von heute an bis Samstag auf der europäische Leitmesse für den sogenannten GaLaBau zu sehen ist.
"Die Leute wollen keine Pflege mehr machen, sie wollen nicht mehr im Pflanzbeet Unkraut jäten oder Stauden und Büsche zurückschneiden müssen", berichtet Eilers. Beliebt seien deswegen Kieswege und großformatigeBetonplatten mit wenigen Ritzen, gepflasterte Einfahrten, Schotterbeete, Mulchflächen und Rasen. "Die Leute stellen sich ein Megagehölz als Hingucker hin und sonst nichts. Das ganze Natürliche, Hecken oder Ähnliches, ist kaum noch gewünscht."
Ein Grund ist die knappe Zeit der Auftraggeber. "Viele Kunden möchten nicht zum Sklaven ihres Gartens werden", erklärt der Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, August Forster. Beliebt seien daher technische Hilfsmittel, die der eigenen Hände Arbeit ersetzen - etwa Beregnungsanlagen oder Mähroboter.  
Billig sind diese Hilfsmittel nicht, so wie auch ein formvollendeter Trend-Garten ein gut gefülltes Konto voraussetzt. Nach oben gibt es so gut wie keine Grenze, so kosten bestimmte Formgehölze wie etwa ein großer Bonsai leicht so viel wie ein Kleinwagen. "Es gibt Gärten am Starnberger See, die hören bei zwei Millionen Euro nicht auf. Da wird richtig Geld für locker gemacht", berichtet Ulrich Schäfer, Vorsitzender der Landesvereinigung Gartenbau Bayern.
Zeigten betuchte Hausbesitzer früher vor allem im Wohn- und Badezimmer ihren erlesenen Geschmack, wird nun auch der Garten zunehmend zum Statussymbol. "Früher war nur der Wohnraum innen wichtig, das hat sich komplett geändert", erläutert Schäfer.
Dies zeigt sich auch im Trend zur "Outdoor-Küche": Ein edler Grill gehört inzwischen selbst in vielen Mittelklassehaushalten zur Standardausstattung. Es geht aber noch bombastischer: So ist auf der Messe ein vier Meter langer Küchenblock aus 20 Zentimeter dickem Naturstein zu sehen, in den neben einem Holzkohle- und einem elektrischen Grill ein Abwaschbecken und eine Kräuterrinne eingelassen ist. Kostenpunkt: 50 000 Euro. Findet man dafür wirklich Käufer? Der Inhaber der Firma schmunzelt vielsagend.
Auch wer nicht ganz so viel investieren will, greift gerne zu Objekten, die seinem Garten das besondere Etwas geben sollen: Wasseranlagen, -becken oder -wände, Sichtschutzplatten aus "rostendem" Cortenstahl oder Kunstobjekte jeglicher Couleur. Auch Wellness spielt eine Rolle, Schwimmbecken etwa sind weiter gefragt. Menschen mit langen Arbeitszeiten legen besonderen Wert auf die Beleuchtung. "Wir merken das Bedürfnis der Menschen, in Gärten zu leben und sie auch zu erleben", erläutert Verbandschef Forster.
Deshalb haben viele der puristischen Gärten dann doch noch eine kleine Kräuterecke, erst recht, wenn Kinder im Haushalt leben. Und Forster betont auch, dass Gärten immer sehr individuell sind: "Sie haben eine Bewegung und eine Gegenbewegung:Der eine will einen formalen Garten, der andere Artenvielfalt." Nicht zuletzt: "Der Durchschnittsbürger hat nach wie vor seinen Rasen und seine pflegeleichten Pflanzen, baut vielleicht ein bisschen Obst und Gemüse an und kauft seine Sachen in der Baumschule", wie Bayern-Verbandschef Schäfer ergänzt. (Elke Richter, dpa)

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