Wirtschaft

Vorstandschef Werner Rupp ist sehr zufrieden mit der Entwicklung des Konzerns. (Foto: Nürnberger)

24.12.2010

Kunden profitieren von der Finanzstärke

Die Nürnberger Versicherung hortet erstmals in ihrer Geschichte Kapitalanlagen von mehr als 20 Milliarden Euro

Wir werden 2010 ein ausgesprochen gutes Jahr haben“, bilanziert Werner Rupp, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe, zum Jahresende im Gespräch mit der Staatszeitung. Die Finanzstärke habe sich im „Jahr zwei nach Lehman“ herausragend entwickelt. Dies sei auf die deutliche Erholung innerhalb der Kapitalanlagen zurückzuführen.
„Wir haben jetzt schon ein zweites wunderbares Börsenjahr nach dem Crash von Ende 2008 erlebt“, sagt der Vorstandschef. Die Börsen, vor allem der DAX, hätten ein Wachstum von rund 50 Prozent erreicht. Dies habe sich auch sehr positiv auf die Wert- und Reserveentwicklung der Kapitalanlagen der Nürnberger Versicherungsgruppe ausgewirkt. „Wir haben erstmals im Konzern Kapitalanlagen von mehr als 20 Milliarden Euro“, betont Rupp stolz. Daraus konnte eine Nettoverzinsung von 4,2 Prozent erzielt werden. Durch rechtzeitiges Umschichten und ohne Engagement in Griechenland habe sich die Nürnberger auch bei ihren Staatsanleihen stets in sicherem Fahrwasser bewegt. „Selbst ein scharfer Haircut könnte uns nichts anhaben“, freut sich der Vorstandsvorsitzende. Denn sämtliches Kapital, das die Nürnberger in Anleihen der gefährdeten EU-Staaten investiert hat, liege deutlich unter 100 Millionen Euro.
Positive Entwicklung wird sich 2011 fortsetzen
Die Finanzstärke der Nürnberger Versicherungsgruppe zeigt sich Rupp zufolge in den Bewertungsreserven und dem Sicherheitskapital. Beides zusammen liege bei 2,2 Milliarden Euro. Allein die Bewertungsreserven seien 2010 um 0,75 Milliarden Euro auf eine Milliarde Euro gewachsen. „Deshalb müssen wir die Überschussbeteiligung für unsere Lebensversicherungskunden nicht absenken, so wie es einige Wettbewerber für 2011 angekündigt haben“, so Rupp. Die Verzinsung mit 4,5 Prozent könne sich sehen lassen. Dies sollen keine Eintagsfliegen sein, sondern die positive Entwicklung wird sich nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden auch im kommenden Jahr weiter fortsetzen. Diese gute Entwicklung komme der Nürnberger, die laut Rupp einen Marktanteil von 3 Prozent in Deutschland hat, sehr gelegen und könnte durchaus weitere neue Kunden ansprechen.
Insgesamt wird die Nürnberger im noch laufenden Jahr 2010 ein Wachstum von mindestens 10 Prozent bei den Neubeiträgen verzeichnen können. In der Lebensversicherung werden sie sogar um über 15 Prozent steigen, berichtet der Vorstandschef. Die Beitragseinnahmen werden 2010 insgesamt um rund 3 Prozent und in der Lebensversicherung um etwa 4 Prozent wachsen. Bei der Krankenversicherung erwartet Rupp ein Plus von über 8 Prozent.
Goldrichtig ist es nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden gewesen, dass die Nürnberger vor ein paar Jahren zwischen 7 und 8 Millionen Euro investiert hat, um ins Geschäft mit der staatlich geförderten Altersvorsorge (Riester- und Rüruprente) einzusteigen. „Allein die Zulagen aus dem Riestergeschäft haben uns in diesem Jahr 60 Millionen Euro beschert“, freut sich Rupp. Da die Kunden inzwischen so genannte Dauerzulagenanträge stellen können, könne sich die Versicherungsgruppe in der Verwaltung schlank aufstellen. Denn nicht jedes Jahr müsste sie den Kunden aufs Neue helfen, die Anträge auszufüllen.
„Gute Fortschritte machen wir auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Da sind wir Nummer eins in Deutschland beim Neugeschäft und Nummer zwei bei den Beitragseinnahmen“, freut sich der Vorstandschef. Gut aufgestellt sei die Nürnberger auch im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge. Seien vor ein paar Jahren fondsgebundene Lebensversicherungen der Renner gewesen, so boomten derzeit „Produkte mit Netz“. Diese hätten ein Wertsicherungskonzept eingebaut. So würde einmal im Monat die Börsenentwicklung berücksichtigt. Wenn der Börsenwert ganz oben ist, wird dieser für den Kunden gesichert. Kommt es danach an den Börsen zum Crash, trifft dieser den Kunden nicht, da der Wert aus dem Vormonat gesichert bleibt. „Das können wir uns dank geschicktem Kapitalanlagenmanagement leisten“, erklärt Rupp. Diese Produkte erlebten eine so starke Nachfrage, „da die Menschen in diesem Jahrzehnt zweimal die Erfahrung (2003 platzte die so genannte Dotcom-Blase und 2008 crashten die Börsen infolge der Lehman-Pleite, Anmerk. d. Red.) gemacht haben, was es bedeutet, wenn die Börsen runtergehen“.
8 bis 9 Prozent Beitragswachstum erwartet Rupp auch in den kommenden Jahren in der Krankenversicherung. Denn zum einen sei die dreijährige Wartefrist, um von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln zu können, wieder auf ein Jahr verkürzt worden. Und zum anderen könnten die Beiträge zur privaten Krankenversicherung steuermindernd geltend gemacht werden, wie das Bundesverfassungsgericht entschieden hat. „Sorge bereitet mir aber der Parteitagsbeschluss der Grünen, die private Krankenversicherung abschaffen zu wollen“, sagt Rupp. Gleiches habe auch der DGB vor. Dies sei äußerst kurzsichtig, denn an der privaten Krankenversicherung hängt eine ganze Branche mit Tausenden von Arbeitsplätzen, die durch solch einen Schritt vernichtet würden.
Die nächste politische Baustelle, die sich je nach Ausgestaltung positiv oder negativ für die deutschen Versicherungsgesellschaften auswirken kann, ist laut Rupp die Pflegeversicherung. Eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung als Zusatzbaustein zu staatlichen Leistungen sei prinzipiell zu begrüßen. Aber das Wie und Wann sei noch völlig offen. „Aus unserer Sicht sollte so eine Art Pflege-Riester kommen“, meint der Vorstandschef der Nürnberger.
Weniger erfreulich läuft es laut Rupp in der Autoversicherung. Wegen des seit Jahren anhaltenden Preiskampfes könne die Nürnberger im Bereich der so genannten Kompositversicherungen, also Schaden- und Unfallversicherungen, nicht so gute Ergebnisse erzielen, wie sie das gerne würde. „In der Autoversicherung haben wir in diesem Jahr einen Rückgang der Beiträge zwischen 9 und 10 Prozent zu verkraften“, so der Vorstandsvorsitzende. Dies könne zwar durch die positive Entwicklung bei den anderen Schadenversicherungen teilweise kompensiert werden, so dass unterm Strich „nur“ ein Minus von 2 bis 3 Prozent herauskomme. Doch erfreulich sei das nicht. „Unsere Linie ist es, die Prämie in der Autoversicherung nicht zu senken, sondern die Kunden über eine Menge an Serviceleistungen hier an uns zu binden“, so Rupp. Außerdem müsse das so genannte Cross-Selling verbessert werden. Der Vertrieb der Nürnberger würde aktiv auf rund 150 000 Autoversicherungskunden, die nur diesen Vertrag bei der Nürnberger haben, zugehen, um sie vom Abschluss weiterer Versicherungen zu überzeugen.
Insgesamt wird Rupp zufolge die Holding, die Nürnberger Beteiligungs-AG, gegenüber dem Vorjahr 60 Prozent mehr Gewinn machen können: „Mit Sicherheit werden wir eine Dividende auf Vorjahresniveau erreichen.“ Und bis 2012 soll die Dividendenrendite auf 5 Prozent steigen. Dieser Wert würde eventuell schon im nächsten Jahr erreicht. „Dies wäre ein Spitzenwert im DAX“, so Rupp.
Auch die Fuggerbank entwickelt sich gut
Auch die Mitarbeiter profitieren von der guten Kursentwicklung, so der Vorstandschef. Gut ein Prozent der Aktien der Nürnberger seien in Mitarbeiterhand. Durch Vergünstigungen beim Erwerb dieser Aktien kämen die Mitarbeiter auf eine Verzinsung von 6 Prozent.
Abgerundet wird die Erfolgsstory der Nürnberger durch die ebenfalls gute Entwicklung bei der Fürst Fugger Privatbank mit Sitz in Augsburg, die zum Konzern gehört. Weil der deutsche Gesetzgeber verlangt, dass Anlageberater sich entweder eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) holen oder sich unter ein so genanntes Haftungsdach begeben, konnte die Fuggerbank laut Rupp in den vergangenen zwei Jahren 450 Anlageberater gewinnen. Sie gehen unter das Haftungsdach der Fuggerbank. Ihre Anzahl werde in den nächsten drei Jahren wohl auf über 800 anwachsen. Das damit verbundene Anlagevolumen, das die 450 Berater mitgebracht haben, liegt laut Rupp bei etwa 300 Millionen Euro.
Da die Fuggerbank keine eigenen Finanzprodukte vermarkten muss, sei sie für Anlageberater ein attraktives Haftungsdach. Denn diese können Rupp zufolge den Kunden ein großes Sortiment an Anlageprodukten zur Verfügung stellen. Für diese „große Freiheit“ müssten die Anlageberater aber einiges tun. Ein strenges qualitatives Auswahlverfahren und laufende Weiterqualifizierung gehören zum Programm.
Insgesamt sei es ein kluger Schachzug gewesen, die Fuggerbank vor einigen Jahren in den Konzern der Nürnberger Versicherungsgruppe zu integrieren. Denn somit könne man den Kunden, deren Lebensversicherung ausläuft, eine attraktive Wiederanlagemöglichkeit bieten und gleichzeitig reinen Anlagekunden Versicherungsprodukte der Nürnberger anbieten. „In drei Jahren wird die Fuggerbank zwischen 5 und 6 Milliarden Euro Assets under Management haben“, so Rupp. Dies sei eine ordentliche Größe unter Ertragsgesichtspunkten.
(Ralph Schweinfurth)

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