Wirtschaft

Deutsche und französische Milchbauern protestieren am Wochenende gemeinsam mit einer Treckersternfahrt durch Freiburg gegen die fallenden Milchpreise und das Überangebot von Milch auf dem Markt. (Foto: dpa)

31.08.2015

Landwirte demonstrieren vor der Staatskanzlei

Nach zahlreichen Protesten treffen sich Milchbauern aus ganz Deutschland diesen Dienstag zu einer Abschlusskundgebung in München

Nach Protesten in zahlreichen deutschen Städten treffen sich Milchbauern aus ganz Deutschland diesen Dienstag zu einer Abschlusskundgebung in München. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter erwartet mehr als 2000 Bäuerinnen und Bauern auf Hunderten Traktoren auf dem Münchner Odeonsplatz. Von dort wollen die Landwirte zur Bayerischen Staatskanzlei fahren, um mehr Unterstützung gegen den Verfall der Milchpreise zu fordern. «Die Bauern sind schon heiß auf die Aktion», sagte Verbandspräsident Romuald Schaber am Montag der Deutschen Presse-Agentur in München.

Seit Anfang vergangener Woche haben Landwirte bei Staffelfahrten in mehreren Regionen Deutschlands auf ihre Probleme aufmerksam gemacht. Die Resonanz auf die Aktionen sei sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Bauern sehr gut gewesen, sagte Schaber. München haben die Milchbauern als Zielort ihrer Protestzüge gewählt, um den Druck auf die CSU zu erhöhen. Nach Ansicht des Verbandes tut Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zu wenig für die Milchbauern. Der CSU-Politiker müsse seinen Parteifreund, Bundesagrarminister Christian Schmidt, in die Pflicht nehmen.

Seehofer soll Bundesagrarminister Christian Schmidt in die Pflicht nehmen

Seit Ende 2013 ist der Auszahlungspreis, den die Milchbauern von den Molkereien erhalten, nach Verbandsangaben im Schnitt von 41 auf 28 Cent pro Kilo Rohmilch gefallen. Viele der bundesweit rund 80 000 Milchbauern bangen wegen der stark gesunkenen Einnahmen um ihre Existenz. Der Milchviehhalter-Verband macht für den Preisverfall das derzeitige Überangebot an Milch verantwortlich und fordert ein vorübergehendes Verbot der Überproduktion durch die Europäische Union. Wer weniger Milch herstelle, sollte aus Sicht von Schaber dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten.

Seit dem Wegfall der Milchquote ist die Milchmenge den Betrieben selbst überlassen: Seit April schreibt die EU ihnen nicht mehr vor, wie viel sie produzieren dürfen. Einer Wiedereinführung der Milchquote hat die EU-Kommission aber bereits eine Absage erteilt.

Aktuell sind sich Deutschland, Frankreich und Polen uneinig, wie sie den derzeitigen Milchpreisverfall bewältigen sollen. Nach einem Treffen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit seinen französischen und polnischen Amtskollegen, Stéphane Le Foll und Marek Sawicki, am Montag in Berlin wurde deutlich, dass Frankreich eine Intervention am Markt anstrebt. Schmidt lehnt dies ab. Ein solcher kurzfristiger Eingriff in den Markt könnte zulasten der deutschen Milchbauern gehen, so die Befürchtung.

Das Treffen im Weimarer-Dreieck-Format in Berlin diente der Vorbereitung des EU-Agrarministertreffens am kommenden Montag (7. September) in Brüssel. Bis dahin streben die drei Länder eine einheitliche Position an. Beobachter gehen davon aus, dass nach dem Auslaufen der Milchquote im Frühjahr jetzt eine Marktbereinigung stattfindet. Die Milchkrise 2008/2009 sei mit Quote größer gewesen als heute. (dpa)

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