Wirtschaft

Wasserkraftwerk Langweid: Beim Thema Wasserkraft sind die Lechwerke traditionell schon sehr gut aufgestellt. (Foto: LEW)

01.03.2013

Lechwerke gestalten die Energiewende

Versorger aus Bayerisch-Schwaben versteht sich als lösungsorientierter Dienstleister

Der Weg, den Deutschland mit der Energiewende geht, ist einzigartig in der Welt und birgt zugleich Risiko und Chance“, sagt Norbert Schürmann, Technischer Vorstand des regionalen Energieversorgers Lechwerke AG (LEW) zur Staatszeitung. „Meistern wir diese Generationenaufgabe, sichern wir uns die Vorreiterposition in einem der wichtigsten Zukunftsfelder weltweit. Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie müssen jedoch Leitplanken der weiteren Entwicklung sein.“
„Wir wollen die Energiewende in Bayern aktiv gestalten und eine Vorreiterrolle einnehmen“, beschreibt der LEW-Vorstand die Aufgabe seines Unternehmens. Die Lechwerke mit ihrem Netzgebiet in Bayerisch-Schwaben sind laut Schürmann die Nummer vier im Freistaat. Er sieht sein Unternehmen als „lösungsorientierten Dienstleister für die Energieversorgung“. Gerade weil man sich bei LEW als Dienstleister versteht, will der Energieversorger für Kunden zukünftig verstärkt neue Lösungen anbieten. Bereits heute hat die umweltfreundliche und besonders effiziente Wärmepumpentechnik einen überdurchschnittlich hohen Marktanteil im LEW-Netzgebiet, in Zukunft werden dezentrale Stromerzeugung und Batteriespeicher stark an Bedeutung gewinnen. Der Energieversorger erprobt derzeit in mehreren Testhaushalten Batteriespeicher. In Kombination mit Fotovoltaikanlagen lässt sich in den Testhaushalten der Anteil der Eigenversorgung deutlich steigern – auf bis zu 80 Prozent des Strombedarfs. Doch das ist noch lange nicht alles. Mit der von LEW-Fachleuten selbstentwickelten Ecobox Solar können unsere Kunden und Partner direkt von ihrer Solaranlage auf dem Dach den selbst produzierten Strom in ihr Elektorauto „tanken“.


LEW treibt Elektromobilität voran

Die Elektromobilität treibt LEW weiter voran. Derzeit werden 20 öffentliche Ladesäulen oder Ladestationen von LEW betrieben, u.a. in Augsburg, Buchloe, Friedberg, Günzburg, Krumbach, Memmingen und Schongau. Durch den Verleih für Praxistests von E-Autos und E-Bikes versuchen die Lechwerke sowohl Kommunen als auch Geschäfts- sowie Privatkunden für Elektromobilität zu begeistern. Schon jetzt liegen laut Schürmann 90 Anfragen von Kommunen und Unternehmen für 2013 vor.
„Verbrauch und Erzeugung vor Ort in Einklang bringen“ ist das Ziel des Smart Operator-Projekts, das LEW in einem Ortsteil von Schwabmünchen durchführt. Die 118 teilnehmenden Haushalte sind auf dem Weg „vom Consumer zum Prosumer“, wie es Schürmann nennt. Der Name Smart Operator bezeichnet dabei die intelligente Steuerungseinheit, die selbständig Erzeugung und Verbrauch im Ortsnetz regeln soll. Dafür hat LEW in dem Ort zunächst ein neues Glasfasernetz aufgebaut, an das die teilnehmenden Haushalte angeschlossen wurden – Basis für die Kommunikation der intelligenten Netzbausteine. Nun werden in den Haushalten intelligente Stromzähler installiert. Auf Grundlage der von den Zählern ermittelten Erzeugungs- und Verbrauchswerte wird dann der Smart Operator programmiert. In den Hauhalten sollen anschließend mittels intelligenter Steuerung Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Trockner, aber auch Wärmepumpen oder Warmwasserspeicher, dann laufen, wenn gerade genug regenerativer Strom zur Verfügung steht. Dabei werden die Kunden aber weiter selbst entscheiden können, wann die Waschmaschine tatsächlich laufen soll.
Mit intelligenter Steuerungstechnik könnte der teure Ausbau der Stromnetze in Deutschland effizienter gestaltet werden, ist Schürmann fest überzeugt. „Mit Intelligenz ist es möglich, Investitionen im Bereich Netz gezielter einzusetzen“, sagt er.
Insgesamt haben die Lechwerke 2012 rund 25 Millionen Euro investiert, um neue EEG-Anlagen ans Netz anzuschließen, da zusätzlich annähernd 8000 Fotovoltaikanlagen im LEW-Netzgebiet neu installiert wurden. Die jetzt rund 60.000 EEG-Anlagen im Versorgungsgebiet der Lechwerke haben eine maximale Leistung von rund 1680 Megawatt. „Das entspricht der Erzeugungskapazität von zwei mittleren Kohlekraftwerken“, verdeutlicht Schürmann. Die Ausbaukosten für das Netz seien so hoch, weil der Zubau von Fotovoltaik- und Biomasseanlagen schwierig zu koordinieren ist. So müssten in vielen Fällen Verteilerstationen oder Leitungen verstärkt werden, damit diese die zusätzlichen Strommengen aufnehmen können.

Auwälder naturnah gestalten

Aber nicht nur Fotovoltaik ist bei LEW ein großes Thema. Auch die Wasserkraft spielt für die Lechwerke traditionell eine große Rolle. „Wir betreiben 35 grundlastfähige Wasserkraftanlagen, die zusammen pro Jahr etwa eine Milliarde Kilowattstunden Strom erzeugen“, erklärt Schürmann. Das Bayerische Energiekonzept sieht vor, die vorhandene Wasserkrafterzeugung um 2 Prozent zu steigern, sodass die Wasserkraft im bayerischen Energiemix 17 statt bisher 15 Prozent der Stromerzeugung ausmacht. Für die Lechwerke bedeutet das vor allem in die Optimierung bestehender Anlagen zu investieren.
Die Zukunft der Wasserkraft sieht Schürmann im Miteinander aller beteiligten Partner. Ein Beispiel dafür ist das Naturschutzgroßprojekt „Der Schwäbische DonAUWALD“, an dem das LEW-Tochterunternehmen Bayerische Elektrizitätswerke (BEW) als Partner beteiligt ist. Im Rahmen des Projekts soll an definierten Stellen mehrmals im Jahr Wasser in den Auwald geleitet und so die natürliche Überflutungsdynamik in begrenztem Umfang wiederhergestellt werden. Die BEW bietet an ihren Stauwehren die Möglichkeit zur Ausleitung des Wassers. So würden Auen dynamisiert, Auwälder naturnah gestaltet, Kiesweiher und Weidelandschaft entwickelt, Kalkmagerrasen erhalten und die Natur erlebbar gemacht. „Regenerative Energieerzeugung geht auf diese Weise Hand in Hand mit Umweltschutz und Auenökologie“, betont der LEW-Vorstand.
Ein weiteres positives Beispiel für das Miteinander von regenerativer Stromerzeugung aus Wasserkraft und Naturschutz ist der Bau von so genannten Fischwanderhilfen. „Die Kosten einer solchen Anlage liegen in vielen Fällen im siebenstelligen Bereich“, verdeutlicht Schürmann. Doch diese Summen seien gut investiert, da die Zusammenarbeit von Umweltbehörden, Fischereiverbänden und Energieversorgern dazu führe, dass man lösungsorientiert an der Zukunft einer nachhaltigen Wasserkraft arbeiten könne.


Bürger profitieren als Investoren doppelt


Zusammenarbeit und Akzeptanz durch Beteiligung stehen auch bei einem anderen LEW-Thema im Vordergrund: So hatten Bürger beim 2012 erstmals aufgelegten Beteiligungsprogramm LEW BürgerAktiv die Möglichkeit, sich finanziell an der regenerativen Stromerzeugung zu beteiligen. „Auf diese Weise profitieren die Bürger als Investoren doppelt. Zum einen unterstützen sie die umweltschonende Stromerzeugung und zum anderen haben sie etwas von der attraktiven Verzinsung, die wir bieten“, sagt Schürmann. „Ein finanzielles Engagement war bereits ab 1000 Euro Einlage möglich“, erläutert Schürmann.
Mit dem Solarpark Haunsfeld II nahe Ingolstadt hat LEW das erste Bürgerbeteiligungsmodell umgesetzt. Weitere Projekte sollen folgen. Für Haunsfeld II wollten über 500 Bürger fast 7 Millionen Euro investieren. Die angebotene Darlehenssumme überstieg damit den Investitionsbedarf und letztlich wurden Darlehensverträge mit rund 400 Interessenten über insgesamt etwa 5 Millionen Euro abgeschlossen.
Innovativ unterwegs ist LEW auch beim Ausbau der Breitbandinfrastruktur im Südwesten Bayerns. Die Tochtergesellschaft LEW TelNet hat mittlerweile 53 kommunale Breitbandprojekte in Betrieb genommen. Über diese Infrastruktur werden rund 40 000 Haushalte und 5000 Betriebe und Gewerbetreibende mit Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s versorgt. Als nächsten Schritt plant LEW Glasfaserdirektanschlüsse für ganze Baugebiete. Laut Schürmann betreibt LEW TelNet schon heute ein Glasfasernetz mit mehr als 1600 km Länge.
Angesichts der Themenfülle ist es nicht übertrieben, die Lechwerke als aktiven Gestalter der Energiewende zu bezeichnen. „Allein 2012 wurde in unserem Netzgebiet an 80 Tagen mehr Strom produziert als in der Region verbraucht wurde“, so Schürmann. Das zeigt, vor welch großen Herausforderungen regionale Energieversorger wie LEW entlang der gesamten Wertschöpfungskette stehen. Darauf wollen die Lechwerke mit ihren zahlreichen Innovationsprojekten zukunftsweisende Antworten finden.
(Ralph Schweinfurth)

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