Wirtschaft

Putzig ist der kleine Marder, wenn er mit der Flasche gepäppelt wird. Doch ist er erst einmal ausgewachsen, schmecken ihm auch die Kabel zur Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. (Foto: dapd)

04.11.2011

Marder lieben Milch und Solarstromkabel

Schäden an Solarthermie- und Hausisolierungen sind eher selten

Springt das Auto eines Morgens nicht mehr an, und findet man im Motorraum Isolierteile verstreut, ist klar: Ein Marder oder ein ähnliches Nagetier hat in der Nacht sein Unwesen getrieben. Das erleben viele Leute: Die Prüforganisation Dekra spricht von etwa 160.000 Schäden jährlich.
„Marder mögen Kabel auch auf dem Dach: Ein Beschädigung am Temperaturfühler der Solarthermie-Anlage durch Marder kann zum Beispiel einen Kurzschluss verursachen“, weiß Bernhard Malkmus, Geschäftsführer der gleichnamigen Frankfurter Finanzberatungs KG und Herausgeber des Informationsportals geldratgeber.de.
Malkmus empfiehlt deshalb „eine separate Eindeckung des Risikos über eine Spezialpolice. Denn eine normale Gebäudeversicherung deckt nur die drei Grundrisiken Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel ab. Nicht versichert sind dagegen Schäden, die durch Versagen von Mess-, Regel- und Sicherheitseinrichtungen, durch Kurzschluss, Überspannung sowie Diebstahl, Vandalismus, Sabotage und Marderbissschäden entstehen.“
Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat ein sehr differenziertes Bild von Marderschäden. GDV-Sprecher Christian Lübke: „Ja, es gibt größere Schwierigkeiten bei Photovoltaik-Leitungen, vor allem in ländlichen, landwirtschaftlich strukturierten Regionen. Wir empfehlen: mit Geflechten versehene Leitungen verwenden.“ Das bestätigen auch PV-Fachleute: Kabel mit Stahl-Armierungen schützen, wenn die Gefahr durch Marder, Nager oder auch Termiten besteht. Keinesfalls dürften gewöhnliche PVC- oder gummiisolierte Kabel benutzt werden. Doch gute, armierte PV-Kabel böten alle bekannten Hersteller.
Wesentlich geringer dagegen sei die Gefahr, dass Nager sich über Kollektor- oder Gebäude-Isolierungen hermachen, schwächt der GDV das bei Versicherungsvermittlern erkennbare Drängen auf neue Policen deutlich ab. Nochmals Christian Lübke: „Ja, es sind Einzelschäden bekannt. Doch das spielt sich im marginalen Bereich ab. Von einem Problem können wir hier nicht sprechen. Höchstens bei unsauberer Verarbeitung kann es zu Schäden kommen. Deshalb: Entweder die Kanäle offen lassen, damit die Tiere wieder rauskommen, oder alles komplett dichtmachen. Bei Dämmung sind Schimmelschäden und Feuchtigkeitsschäden die Klassiker“, so der GDV-Mann. „Bei Nahwärmeleitungen kommen die Marder eh nicht ran: Die Rohre sind im Erdreich verbuddelt“, heißt es vom Rohrproduzenten Enerpipe aus Hilpoltstein. Auch andere Hersteller kennen kaum Probleme.
Der Schweizer Zimmerermeister Kai Kelting hat ebenfalls „noch keine Marderschäden in Isolierungen gesehen. Nur Marder in alten, oft 50 Jahre alten, nicht isolierten Dächern“, lauten seine Erfahrungen. Auch Heinz Werner, Geschäftsführer von Wernerwasser und in der Schweiz mit solarer Schwimmbaderwärmung befasst, hat „noch nie etwas von Marderschäden gehört.“
Dennoch: In Internetforen wird fleißig diskutiert. Bei de.answers.yahoo.com rät ein Nutzer: „Ich hoffe, Du kennst jemand mit einem Hund. Haare in einen Beutel geben und dort deponieren, wo Du ihn brauchst.“
Ein anderer User schlägt vor: „SK-Blei, also Selbstklebendes Blei. Dieses kannst du um die Isolierung deiner Solaranlage kleben. Da geht der Mader nicht mehr dran.“ Was ein Heizungsbauer bestätigt: „Ich empfehle Dir, Blei, vom Dachdecker zu haben, um die Isolierung zu wickeln.“ Doch der Fachmann hat noch einen zweiten Rat: „Eine extra Isolierung verwenden, welche Bitterstoffe enthält.“


Abschreckung auf den ersten Biss

Bitterstoffe könnten auch direkt in die Isolierung „eingebaut“ werden, erklärt Jörn Wiedemann von der Symrise AG aus Holzminden. Das Unternehmen ist als Geruchsdesigner für verschiedenste Industrien tätig. Doch weil sich Gerüche rasch verflüchtigen, welche Marder abschrecken würden, empfiehlt er etwas, was die Nager beim ersten Biss erschaudern lässt. Was das genau ist, müsste durch genehmigte Tierversuche herausgefunden werden. „Doch die Untersuchung müsste irgendwer bezahlen“, gibt Wiedemann zu. Und bisher habe aus der Solar- oder Kunststoffindustrie noch niemand bei ihm nachgefragt, ergänzt er.
Im Internet werden „Sicherungssysteme nach dem Weidezaunprinzip“ angeboten, Anti-Marder-Sprays, Lebendfallen, mit „Aldi-Salami“ gefüllt. Doch wirklich helfe nur „ein Schutz, der die Tiere wirklich aussperrt. Bei hinterlüfteten Dächern sind das stärkere Bleche, mit kleinen Lüftungsschlitzen versehen. Wichtig ist: nicht rostend! Dagegen fressen Marder oder Siebenschläfer sich durch Maschendraht und Hasendraht durch“, weiß Johannes Schmidt vom Institut für Baubiologie Neubeuern. Doch nicht nur für ihn ist das Marderproblem eher ein Geräusch- als ein wirkliches Isolationsschadensthema: Wenn die Tiere früh um vier Uhr am Dachboden rumliefen, sei das sehr nervig. Nur an einem Punkt seien Solarthermieanlagen wirklich gefährdet: An der Stelle, an der die Leitungen aufs Dach hinausführen.
Hier haben Kollektorhersteller reagiert. „Bei den Fühlerleitungen verwenden wir Siliconkabel. Aber ob das eine Verbesserung gebracht hat, weiß ich nicht“, gibt ein Geschäftsführer zu, denn „von Schäden habe ich noch nichts gehört.“
Dagegen ist auf haustechnikdialog.de zu lesen: „Schon mal Wanderratten im Keller gehabt? Ich kann dir sagen, ich hab für zig Euros Rohrisolierung verschreddert und sonstiges Lagergut entsorgen können! Geholfen hat nix richtig! Alles, was helfen würde, ist nicht erlaubt!“ (Heinz Wraneschitz)

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