Wirtschaft

Immer mehr Anlagen, die regenerativen Strom erzeugen, müssen im LEW-Netzgebiet angeschlossen werden. 2014 waren es rund 3000. (Foto: LEW)

13.03.2015

Mega-Investitionen ins Ökosegment

Lechwerke müssen wegen steigender Zahl von regenerativen Stromerzeugungsanlagen die Netzinfrastruktur in Bayerisch-Schwaben ausbauen

Mit den höchsten Investitionen der Unternehmens-
geschichte hat die Lechwerke AG das Geschäftsjahr 2014 abgeschlossen. Insgesamt hat die LEW-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr 94 Millionen Euro investiert – 14 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der Großteil der Investitionen entfiel auf Ausbau und Erneuerung der Netzinfrastruktur in der Region Bayerisch-Schwaben.

„Unser Auftrag ist die Gestaltung der Energiezukunft in Bayerisch-Schwaben“, sagte LEW-Vorstandsmitglied Markus Litpher bei der Bilanzpressekonferenz in Augsburg. „Wir treiben den Umbau des Energiesystems in der Region mit Hochdruck voran. Mit unserer soliden wirtschaftlichen Basis verfügen wir über die dafür notwendigen Voraussetzungen.“ Das betriebliche Ergebnis der LEW-Gruppe lag mit 178 Millionen Euro rund 15 Prozent über dem Vorjahr. Wesentlicher Grund für den Anstieg ist ein hoher Einmalertrag aus der regulatorisch notwendigen Veräußerung des Höchstspannungsnetzes an Amprion. Dieses war bisher an den Übertragungsnetzbetreiber verpachtet. Der Umsatz der LEW-Gruppe lag mit 2,2 Milliarden Euro geringfügig unter dem des Vorjahres.
Die Zahl der privaten Stromkunden konnte LEW im Geschäftsjahr 2014 in Summe steigern. Der gesamte Stromabsatz der LEW-Gruppe belief sich auf rund 13 Milliarden Kilowattstunden. Damit war im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Unter anderem machen sich der intensive Wettbewerb, Maßnahmen zur Energieeffizienz sowie der Trend zum Eigenverbrauch selbst erzeugten Stroms bemerkbar. Der Gasabsatz der LEW-Gruppe lag mit 788 Millionen Kilowattstunden unter dem Vorjahreswert: Während bei Geschäftskunden und Energieversorgungsunternehmen eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen war, stiegen im Gasvertrieb Kundenzahl und Absatz bei Privatkunden.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die LEW-Gruppe mit einem leichten Anstieg des Umsatzes. Das betriebliche Ergebnis wird laut Prognose unter dem durch Sondereffekte geprägten betrieblichen Ergebnis des Jahres 2014 liegen. Angesichts einer konstanten Geschäftsentwicklung geht die Lechwerke AG von einer gleichbleibenden Dividende aus. Das Investitionsniveau der LEW-Gruppe soll auf weiterhin hohem Niveau bleiben.
Die Investitionen in die Infrastruktur umfassen auch den weiteren Ausbau des eigenen Glasfasernetzes. In rund 50 Projekten erschließt das Tochterunternehmen LEW TelNet derzeit mit eigenen Mitteln Neubau- und Gewerbegebiete mit Glasfaserdirektanschlüssen bis in die Gebäude. Über das Glasfasernetz von LEW TelNet werden damit insgesamt rund 50 000 Privathaushalte, Gewerbetreibende und Unternehmen erreicht. Auch im Rahmen des laufenden Förderprogramms des Freistaats Bayern treibt das Unternehmen den Breitbandausbau in der Region weiter voran und setzt weitere Breitbandprojekte in Kommunen um.

Neue Online-Plattform

„Unsere Kunden wollen von den Chancen der Energiewende profitieren. Wir haben dafür die richtigen Lösungen – sowohl für Privatkunden als auch für kleine Betriebe und große Industrieunternehmen“, sagte LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann. So hat LEW das Angebot für Privatkunden im vergangenen Jahr um Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher erweitert. Beide Produkte können über eigene Online-Plattformen auf den individuellen Bedarf hin geplant und bestellt werden. LEW arbeitet dabei mit regionalen Handwerksbetrieben zusammen. „Sowohl unsere Online-Services als auch unsere Präsenz vor Ort bauen wir, abgestimmt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden, weiter aus“, sagte Schürmann.
2014 wurden laut Vorstandsmitglied Litpher rund 3000 neue Anlagen, die regenerativen Strom erzeugen, an das Stromnetz der Lechwerke angeschlossen. Dabei handele es sich vor allem um Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von unter zehn Kilowatt. Die Anlagen würden überwiegend für einen möglichst hohen Eigenverbrauch ausgelegt. Dieser Trend zeige sich auch in der Anzahl der Batteriespeichersysteme. „Insgesamt sind etwa 300 Batteriespeicher an unser Stromnetz angeschlossen“, so Litpher. Der Zubau habe sich von 2013 auf 2014 nahezu verdoppelt. „Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Batteriespeicher in unserem Netz auch in Zukunft weiter steigt“, sagte der LEW-Vorstand. Insgesamt waren zum Jahresende 2014 rund 68 500 EEG-Anlagen mit einer Leistung von rund 1900 Megawatt an das LEW-Netz angeschlossen. „Die EEG-Anlagen speisten im vergangenen Jahr rund 2,9 Milliarden Kilowattstunden Strom ein. Zum Vergleich: Die beiden Blöcke des Kernkraftwerks Gundremmingen speisen bei einer Leistung von jeweils 1344 Megawatt rund 21 Milliarden Kilowattstunden Strom jährlich ein“, verdeutlichte Litpher.
Ein wichtiger Baustein eines dezentral organisierten Energiesystems ist Regelenergie: Sie dient dem Ausgleich schwankender Erzeugung aus erneuerbaren Energien. Die LEW-Gruppe ist seit 2007 in diesem Geschäftsfeld aktiv und vermarktet Regelenergie über einen Pool, an dem sich auch Betreiber kleinerer Anlagen beteiligen können. Mittlerweile kann der Pool bereits Anlagen mit einer Leistung ab 300 Kilowatt vermarkten und umfasst eine Kapazität von 600 Megawatt.
In einer Reihe von Innovationsprojekten untersucht LEW in der Praxis, wie neue Technologien den Umbau des Energiesystems in der Region unterstützen. Eine Schlüsselposition nimmt dabei das Projekt „Smart Operator – das intelligente Stromnetz“ ein. Das Vorzeigeprojekt verbindet verschiedene intelligente Bausteine zum Stromnetz der Zukunft und ist im Juli 2014 in Betrieb gegangen. Die Praxisphase läuft bis Ende dieses Jahres. Ein anderes Projekt, mit dem Energiezukunft erlebbar wird, ist das „Visioneum Energie+“ – ein gemeinsames Vorhaben von LEW mit der Stadt Königsbrunn und der Hochschule Augsburg. Das öffentlich zugängliche Haus wird zukunftsweisende Gebäudetechnik und Lösungen für energieeffizientes Wohnen miteinander verknüpfen. Im Februar dieses Jahres wurden die Verträge zur Umsetzung des auf 15 Jahre angesetzten Leuchtturmprojekts unterzeichnet. Im Geschäftsjahr 2014 gestartet ist das E-Mobility-Forschungsprojekt „ePlanB“ zu klimafreundlichem Pendlerverkehr und intelligentem Lademanagement in Buchloe. Die Projektziele: effizientere Nutzung vorhandener Netzstrukturen und optimale Ausschöpfung des Potenzials erneuerbarer Energien.
Die Stromerzeugung in den eigenen und vertraglich gebundenen Wasserkraftwerken der LEW-Gruppe war 2014 durch eine insgesamt geringere Wasserführung geprägt: Sie lag bei rund 88 Prozent des langjährigen Mittels. Gesunkene Preise an den Großhandelsmärkten wirkten sich auf die Erlöse der Vermarktung des erzeugten Stroms aus. Mit der gemeinsam mit dem Bayerischen Umweltministerium verabschiedeten Iller-Strategie und der Inbetriebnahme mehrerer Fischwanderhilfen an der Wertach hat LEW die Strategie einer nachhaltigen Nutzung der Wasserkraft weiter vorangetrieben.
Das hohe Investitionsbudget der LEW-Gruppe setzt positive Impulse für die heimische Wirtschaft: 2014 erreichten die Aufträge der LEW-Gruppe an Betriebe aus der Region ein Volumen von 64 Millionen Euro. Rund 137 Millionen Euro hat LEW 2014 als Löhne, Gehälter und Renten gezahlt, die laut Litpher ebenfalls Kaufkraft in der Region entfalten. (Ralph Schweinfurth)

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