Wirtschaft

Das klassische Fahrzeug-Prüfgeschäft, die Hauptuntersuchung, ist auf dem deutschen Markt stabil. (Foto: Tüv Süd)

15.05.2015

Mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz

TÜV SÜD schloss das Geschäftsjahr 2014 mit neuen Bestmarken ab

Der TÜV SÜD ist 2014 kräftig gewachsen und hat neue Bestmarken bei Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahl er- reicht. Der internationale Dienstleistungskonzern hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um mehr als sechs Prozent von 1,934 auf 2,061 Milliarden Euro gesteigert; das Ergebnis vor Zinsen und Ertragsteuern stieg im Vorjahres- vergleich um neun Prozent von 171 auf 187 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich dabei im vergangenen Jahr weltweit auf über 22.000 Beschäftigte.

Längst ist Deutschlands größtes TÜV-Unternehmen über die nationalen Grenzen hinausgewachsen. „Wir sind heute ein Global Player. Unsere Dienstleistungen werden rund um den Globus immer stärker nachgefragt und genau deshalb beschäftigen wir aktuell bereits mehr Mitarbeiter im Ausland als in Deutschland“, betonte Axel Stepken, Vorstandsvorsitzender der TÜV SÜD AG.
Der positive Trend wird sich laut Stepken weiter fortsetzen: Der Dienstleister werde in diesem Jahr in ähnlichem Tempo wie 2014 wachsen, dabei sein internationales Geschäft erneut ausbauen und weltweit neue Mitarbeiter engagieren, so der TÜV SÜD-Chef. Der internationale Expansionskurs zeige sich zudem in der Akquisitionsstrategie des Unternehmens: 2014 habe TÜV SÜD sechs Unternehmen übernommen – zum Beispiel Firmen in Singapur, der Türkei und den USA. Zusammen mit diesen Zukäufen investierte das Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt rund 100 Millionen Euro in den Ausbau seines Geschäfts.
Finanzvorstand Matthias J. Rapp hob bei der Vorstellung der Bilanz deshalb hervor: „TÜV SÜD ist grundsolide finanziert und für die Zukunft gut gerüstet: Wir verfügen über ausreichende Finanzmittel, um auch in Zukunft neue, attraktive Geschäftsfelder zu besetzen und signifikant in neue Technologien zu investieren.“
Zum Gelingen des abgelaufenen Geschäftsjahrs haben laut Rapp alle Bereiche und Regionen des Unternehmens beigetragen: Das Segment Industry steigerte den Umsatz um mehr als zehn Prozent auf 880 Millionen Euro, im Segment Mobility stiegen die Erlöse um rund fünf Prozent auf 609 Millionen Euro und das Segment Certification verzeichnete ein Umsatzplus von fast sechs Prozent auf nunmehr 488 Millionen Euro. Pluspunkt des Unternehmens bezeichnete Rapp die in jeder Hinsicht breite Aufstellung: „Die Stärke von TÜV SÜD zeigt sich sowohl im Inland als auch im Ausland: Selbst in unserem hart umkämpften deutschen Heimatmarkt konnten wir 2014 den Umsatz um mehr als vier Prozent steigern – und starke Wachstumsimpulse erhielt unser Geschäft erneut aus Asien mit einem Umsatzplus von elf Prozent sowie aus Nord- und Südamerika mit einem Zuwachs von fast 16 Prozent.“

Zukunftsfelder besetzt


Der TÜV SÜD ist, so die Kernaussagen von Rapp, wachstumsstark und effizient, für die Zukunft gut gerüstet sowie in der Lage, auch künftig neue, attraktive Geschäftsfelder zu besetzen und signifikant in neue Technologien zu investieren.
Ein wesentlicher Bestandteil des Wachstums ist die Besetzung von wichtigen Zukunftsfeldern. In den vergangenen Jahren hat TÜV SÜD seine Leistungen im Bereich der Erneuerbaren Energien und vor allem im Bereich der Windenergie kontinuierlich ausgebaut. „Der Markt für Windenergie wird immer reifer und immer internationaler“, erklärte Stepken. „So haben wir vor kurzem die Typenprüfung für eine neue Windenergieanlage des chinesischen Herstellers Dongfang Electric abgeschlossen, die unter anderem im Windpark Blaiken in Schweden zum Einsatz kommt.“
Mit dem Wachstum der Windenergie steige auch die Nachfrage nach Prüfungen. Allein in Deutschland gibt es knapp 25.000 Windenergieanlagen an Land, die im Abstand von zwei Jahren geprüft werden müssen. In einem Pilotprojekt habe der TÜV SÜD den Einsatz von kamerabestückten Flugdrohnen bei der Prüfung von Windenergieanlagen getestet, wodurch sich der Zeitaufwand im Vergleich zur bisherigen Prüfung durch Industriekletterer auf ein Viertel reduzieren lässt, erklärte Stepken.
Auch im Bereich der Offshore-Windenergie ist nach den Worten des TÜV SÜD-Chefs das Unternehmen ein wichtiger Player am Markt. 2014 haben die Experten die Zertifizierung des niederländischen Gemini-Windparks in der Nordsee abgeschlossen und den Zuschlag für die Zertifizierung des Offshore-Projekts „Sandbank“ vor Sylt erhalten. TÜV SÜD werde auch den Windpark „Nordsee One“ vor Juist mit 54 Windenergieanlagen zertifizieren, der nach der Fertigstellung im Jahr 2017 den Strombedarf von rund 400.000 Haushalten decken wird.
Ein weiteres wichtiges Wachstumsfeld für den internationalen Dienstleistungskonzern ist die zunehmende Digitalisierung, die nahezu alle Bereiche der Wirtschaft und der Gesellschaft umfasst. „Wir unterstützen diese Entwicklung in den verschiedensten Bereichen, indem wir Pilotprojekte begleiten und eigene Lösungen entwickeln“, unterstrich Stepken. „Dabei geht es immer um die zentrale Frage, wie sich die Chancen der Digitalisierung nutzen und die damit verbundenen Risiken auf ein Minimum reduzieren lassen.“

Unabhängige Prüfungen

So ist das Unternehmen beispielsweise an der Technologie-Initiative SmartFactory KL beteiligt, die den praktischen Einsatz von innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien in der industriellen Produktion testet. Und auf der Hannover Messe haben die Experten vor Kurzem ein Positionspapier zur modularen Zertifizierung von integrierten Produktionssystemen vorgestellt, die in der Industrie 4.0 zum Einsatz kommen werden.
Klemens Schmiederer, seit Februar 2015 Vorstandsmitglied, betonte die Wichtigkeit unabhängiger Überprüfungen für die Marktakzeptanz neuer Technologien wie die E-Mobilität. „Das Angebot an teil- und vollelektrischen Autos wächst stetig. Die Verbraucher müssen auf die Reichweitenangaben und die Sicherheit der Fahrzeuge vertrauen können. TÜV SÜD unterstützt die Hersteller hierfür mit Performance-, Zuverlässigkeits- und Crashtests. Sechs Prüflabore in Deutschland, USA, Kanada, China, Korea und Singapur mit gleichwertigen Prüfeinrichtungen und Prüfabläufen stehen unseren Kunden dafür zur Verfügung. Ein siebtes kommt in diesem Jahr in Japan hinzu.“
Beim Thema „automatisiertes Fahren“ sieht Schmiederer für TÜV SÜD ebenfalls großes Potenzial: „In der Entwicklungsphase ebnen wir den Herstellern mit unserer Expertise den Weg in die Erprobung im öffentlichen Verkehr. Aber auch später ist unser Know-how für die Zulassung und den Betrieb gefragt.“ Über wertvolle Erfahrungen hierzu, die übertragen werden können, verfüge der Dienstleister dank langjähriger Expertise im Schienenverkehr, wo teil- und vollautonomes Fahren zum Alltag gehört.
Den immer komplexer werdenden Technologien im Automobilbau trägt der TÜV SÜD auch bei der Hauptuntersuchung (HU) mit neuen Prüfmethoden Rechnung. Ab 1. Juli 2015 setzen die Sachverständigen zur Überprüfung sicherheitsrelevanter Assistenzsysteme wie ABS oder ESP neue Prüfgeräte, die so genannten HU-Adapter, ein. Mit 5,3 Millionen Hauptuntersuchungen zeigt sich das klassische Fahrzeug-Prüfgeschäft auf dem deutschen Markt stabil; eine deutliche Steigerung war in der Türkei zu verzeichnen: Rund sieben Millionen Hauptuntersuchungen und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr erreichte TÜVTURK, die türkische Beteiligungsgesellschaft von TÜV SÜD.
1866 gegründet
Am 28. Januar 1865 explodierte kurz nach 13 Uhr ein Dampfkessel in der Mannheimer Aktienbrauerei. Ein Toter und vier Verletzte erschütterten die Stadt. Die Ursachen waren Wassermangel, zu hoher Druck und mangelhafte Wartung. Das Unglück veranlasste die ortsansässigen Fabrikbesitzer, eine Organisation ins Leben zu rufen, die für mehr Sicherheit an den technischen Anlagen sorgen sollte. 1866 gründeten sie die „Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln mit dem Sitze in Mannheim“, die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV SÜD.
„Die Idee der technischen Sicherheit“, so Stepken, „nahm mit der Mannheimer Gründung 1866 in Deutschland ihren Anfang – und die Aufgabe unseres Hauses ist seitdem unverändert: Unser Unternehmen sorgt dafür, dass Technologien sicher, zuverlässig und nachhaltig sind und damit akzeptabel für die Menschen, akzeptabel für unsere Gesellschaft. Dank unserer Arbeit können Menschen der Technik vertrauen – und Kunden ihrem Lieferanten, auch wenn dieser tausende Kilometer weit entfernt ist.“ (Friedrich H. Hettler)

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