Wirtschaft

21.03.2014

Mehr Strom für die Region

Das Wasserkraftwerk Töging-Jettenbach soll modernisiert werden

Verbund – Österreichs führendes Stromunternehmen und Betreiber der bayerischen Innkraftwerke hat vor Kurzem darüber informiert, das Wasserkraftwerk Töging-Jettenbach zu modernisieren. Nach der Zustimmung des Bayerischen Landtags zur Anpassung der Rahmenverträge rund um das Kraftwerk prüft Verbund nun, ob und wie das fast 100-jährige Wasserkraftwerk mit moderner Technik ausgestattet werden kann.

Hierbei sind nicht nur die geltenden rechtlichen, technischen und ökologischen Rahmenbedingungen zu beachten, es sind auch die Belange des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Das neu formierte Projektteam stellte in einem ersten Gespräch mit Medienvertretern die anstehenden Planungen vor und zeigte auf, dass die Investition in den Standort Töging enorme Chancen für die Zukunft der Region bringt. Neben den volkswirtschaftlichen und regionalpolitischen Impulsen stellt der sanfte Ausbau der Wasserkraft auch einen wesentlichen Bestandteil der nachhaltigen Energiezukunft Bayerns dar.

Erfahrenes Experten-Team ist am Werk

Ein Wasserkraft-Projekt in der Dimension, wie es die geplante Modernisierung des Innkraftwerkes Töging-Jettenbach darstellt, braucht für eine erfolgreiche Planung und Umsetzung ein erfahrenes Experten-Team und einen kompetenten Projektleiter. Die Verbund Innkraftwerke GmbH stellten in Töging das Kernteam, rund um den Projektleiter Bernhard Gerauer vor. Bernhard Gerauer stammt aus der Region und sammelte bereits Erfahrungen bei der Planung von anderen Wasserkraftwerken in Niederbayern. Ihm unmittelbar zur Seite stehen als erfahrene Wasserkraft-Experten der Projektleiter-Stellvertreter Martin Kratochwill, der Werkgruppenleiter der Verbund Innkraftwerke Klaus Schöler und die themenerprobte Ökologie-Koordinatorin Patrizia Dreier.
„Der Inn ist der wasserreichste Fluss Bayerns und weist noch ein gewisses zusätzliches Erzeugungspotenzial auf“, informiert der neue Projektleiter Bernhard Gerauer. „Im Sinne der Energiewende haben wir uns überlegt, wie wir das bestehende Wasserdargebot im Innkanal durch den Einsatz neuer Wasserkrafttechnik besser nutzen können. Wenn unsere ersten Überlegungen auch bei einer vertiefenden Planung umsetzbar sind, können wir künftig rund 35.000 private Haushalte zusätzlich mit Strom aus heimischer Wasserkraft versorgen. Und das ohne zusätzliches Querbauwerk.“ Diese Zahl entspricht in etwa der Anzahl privater Haushalte in den Städten Töging, Altötting und Mühldorf.
Die nächsten Schritte im geplanten Vorhaben erläutert Gerauer: „Es sind noch einige sehr wichtige Randbedingungen in der Anfangsphase abzuklären. Neben den rechtlichen und technischen Restriktionen müssen wir die ökologischen Erfordernisse und die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigen. Wenn wir alle diese Aspekte auf den Tisch gebracht haben, können die Planer und Ökologen mit ihrer Arbeit beginnen und wir das Vorhaben weiterentwickeln.“ Konkret heißt das, dass das Projektteam 2014 und 2015 die umfassenden Genehmigungsunterlagen in den Bereichen Technik, Umweltverträglichkeit, Wasser und so weiter vorbereiten, um die Unterlagen dann in zusammengefasster Form 2015 bei der zuständigen Genehmigungsbehörde einzureichen.
Diese Investition stellt, wenn sie umgesetzt werden kann, einen wichtigen energie- und volkswirtschaftlichen Impuls und eine gewaltige Chance für die gesamte Region dar. Vor allem der Standort rund um Töging wird – wie es vergleichbare Wasserkraftprojekte von Verbund unter Beweis gestellt haben – wirtschaftlich von der Modernisierung profitieren können, sei es im bauwirtschaftlichen Bereich oder im Gastronomiebereich und Einzelhandelsgewerbe.
Am Standort Töging kann künftig mehr sauberer Wasserkraftstrom aus der Region für die Region erzeugt werden, womit die dezentrale Stromversorgung und die regionale Unabhängigkeit gestärkt wird. Als bedeutende Vorteile bietet der Standort Töging die bestehende Infrastruktur (Kraftwerksflächen, Schaltanlagen, Stromleitungen usw.), die auch nach der Modernisierung genutzt werden können.
„Die Wasserkraft hat in Bayern lange Tradition“, informiert der Werkgruppenleiter der 14 Innkraftwerke, Klaus Schöler. „Seit rund 100 Jahren wird mit der Kraft des Inns sauberer Strom in und für Bayern erzeugt. Der sanfte Ausbau der CO2-freien Wasserkraft an bestehenden Standorten und die langfristige Sicherstellung der Energieversorgung sind für uns das tägliche Brot und können als wesentlicher Bestandteil der Energiezukunft Bayerns entwickelt werden.“
Die Modernisierung, wie sie in Töging geplant ist, kann mit minimalen Eingriffen in das Gewässersystem erfolgen. Ökologie-Koordinatorin Patrizia Dreier meint dazu: „Wir wollen gleichzeitig mit dem Projekt am Inn die Umweltqualität verbessern, die Lebensbedingungen der verschiedenen Fischarten aufwerten und eine attraktive Flusslandschaft für Mensch und Natur gestalten.“ Der Fluss soll erlebbar gemacht und ein Naherholungsraum entwickelt werden.

Ökologische Verbesserungen angepeilt


„Die Bauzeit wird zwar ein temporärer Eingriff sein, wichtig ist aber danach das Ergebnis, das wir ökologisch etwas verbessern konnten“, so Dreier und verweist auf die anstehenden ökologischen Arbeiten wie Bestandserhebungen der Lebensräume, Pflanzen und Tiere und die Entwicklung von ökologischen Maßnahmen. Wie derartige gewässerökologische Maßnahmen aussehen können, zeigen die zahlreichen von Verbund bereits am Inn umgesetzten oder in Bau befindlichen Strukturierungsmaßnahmen. Es handelt sich dabei um Fischwanderhilfen, die Schaffung von Kiesbänken, die Wiederanbindung und Entlandung von Altarmen sowie Uferrückbau und -strukturierungen. „Bereits jetzt wissen wir, dass der Inn zwischen Jettenbach und Töging noch viele Möglichkeiten zur Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen bietet, die den unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten zu Wasser und zu Lande zugute kommen werden“, so Dreier.
In den nächsten Wochen wird ein erfahrenes Team an Ökologen und Umweltgutachtern zusammengestellt, das gemeinsam mit den technischen Planern die notwendigen landschaftsökologischen Unterlagen für die Genehmigung ausarbeiten wird.
(Eveline Fitzinger)

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