Wirtschaft

Gerhard Glatz ist überzeugt davon, dass mit der Verzinsung des Kapitals von rund 3,5 Prozent Lebensversicherungspolicen angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase durchaus Sinn machen. (Foto: Schweinfurth)

05.09.2014

„Mit der Rente wird es immer knapper“

Vorstandschef der Universa-Versicherungsgruppe hält Lebensversicherungen weiterhin für sinnvoll

Angesichts der anhaltenden Niedrig- bzw. Nullzinsphase in Europa stellen sich viele Menschen die Frage, ob sich eine Lebensversicherung (LV) noch lohnt. Entsprechende Medienberichte befeuern diese Skepsis. Doch es gibt einen ganz zentralen und sehr guten Grund, weshalb man so eine Police haben sollte: die Ruhestandsphase.
„Weil es mit der Rente immer knapper wird, sollte jeder fürs Alter privat vorsorgen, zum Beispiel mit einer Lebens- oder Rentenversicherung“, sagt Gerhard Glatz, Vorstandsvorsitzender der Universa Versicherungsunternehmen aus Nürnberg, der Staatszeitung. Mit einer Verzinsung des Kapitals von derzeit rund 3,5 Prozent biete so eine Police angesichts des derzeitigen allgemeinen Zinsniveaus eine durchaus solide Geldanlagemöglichkeit, um dann im Rentenalter genügend Finanzmittel zur Verfügung zu haben, um nicht jeden Cent umdrehen zu müssen. Zudem erleichtern staatliche Zulagen und steuerliche Förderungen die Altersvorsorge.
Aber die andauernde Niedrig- bis Nullzinsphase macht den Versicherern das Leben schwer. Sie müssen das Kapital erwirtschaften, das sie ihren Kunden über den Garantiezins in der Lebensversicherung versprechen. „Wir haben in Staatspapiere, deutsche Unternehmensanleihen und über Fonds in Büroimmobilien, Infrastruktur und erneuerbare Energien investiert“, erklärt Universa-Chef Glatz. Damit fahre das Unternehmen, besser gesagt, der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ganz gut.
Doch auch die Politik legt den Versicherern so manche Bürde auf. So habe die Universa Glatz zufolge bereits 25,4 Millionen Euro in die Zinszusatzreserve gegeben. Das ist eine zusätzliche Rückstellung, die erwirtschaftet werden muss und als weitere Sicherheit zur Finanzierung der Garantien zur Verfügung steht. Positiv am neuen LV-Reformgesetz sieht Glatz die Änderung bei der Beteiligung an den Bewertungsreserven, weil damit eine Ungleichbehandlung zulasten des Bestandes vermieden wird. Die Änderung bei den Risikogewinnen hält er eher für kritisch, da sie die Unternehmen in ihrem Handlungsspielraum einschränkt.
Der Vorstandschef sieht auch im Immobilienkauf für die Altersvorsorge keine echte Alternative, denn die Preise seien derzeit exorbitant. Das liege unter anderem an der derzeit starken Nachfrage. Von einem Immobilienmakler wisse er, wie die Sache läuft. So fragen sogar ausländische Investoren bei Maklern verstärkt nach, was sie derzeit zum Verkauf haben.
Insgesamt ist Glatz mit der Entwicklung bei der Universa sehr zufrieden. „Wir haben uns in einem schwierigen Marktumfeld erneut gut weiterentwickelt und sind für unsere Versicherten und Vertriebspartner nach wie vor ein stabiler und zuverlässiger Partner“, sagt der Vorstandschef über das Geschäftsjahr 2013. Bei allen drei Unternehmen, also der Universa Krankenversicherung a.G., der Lebensversicherung a.G. und der Allgemeine Versicherung AG, konnte ein Beitragswachstum erzielt werden. Im Gesamtergebnis stiegen die gebuchten Bruttobeiträge um 2,5 Prozent auf 663 Millionen Euro. Aus den Kapitalanlagen konnte ein Ergebnis von 176,5 Millionen Euro (Vorjahr 165,3) erwirtschaftet werden. Die Bruttoleistungen betrugen 757,2 Millionen Euro (Vorjahr 714,4). Das Geschäftsergebnis nach Steuern konnte von 79,6 auf 99,5 Millionen Euro gesteigert werden. Davon wurden der Rückstellung für Beitragsrückerstattung, die den Versicherten zugutekommt, 85,2 Millionen Euro (Vorjahr 67) zugeführt. Das ist laut Glatz der höchste Wert in der Unternehmensgeschichte der Universa. Auch das Eigenkapital konnte gestärkt werden. Es erhöhte sich von 195,1 auf 207,8 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt damit in der Lebensversicherung bei 41,8 Promille, in der Krankenversicherung bei 26,2 Prozent und in der allgemeinen Versicherung (Haftpflicht, etc.) bei 102,3 Prozent.
Da die Universa auch ein starker Krankenversicherer ist, ist Glatz froh, dass die Bürgerversicherung nicht gekommen ist. Er sieht aber angesichts des demografischen Wandels, also der Überalterung der Bevölkerung und der damit einhergehenden höheren Aufwendungen für Gesundheitsleistungen, einen enormen Reformbedarf in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). In der privaten Krankenversicherung (PKV) sei der Demografie bereits Rechnung getragen worden: „In der PKV haben wir in ganz Deutschland Alterungsrückstellungen von 190 Milliarden Euro. In der GKV null“, sagt Glatz. Und die gesetzlichen Kassen werden wohl bis 2017 individuelle Zusatzbeiträge erheben. Diese dürften sich im Durchschnitt nach Expertenprognosen zwischen 1,3 und 1,7 Prozent der beitragspflichtigen Einkünfte bewegen.
Die Universa wird ein neues Marktsegment bedienen. So hat sie aktuell eine betriebliche Krankenversicherung mit sechs Spezialtarifen auf den Markt gebracht, die Arbeitgeber für ihre Beschäftigten als Ergänzung zur GKV mit Sondervorteilen abschließen können. „Für Arbeitgeber und Personalentscheider ist sie ein wertvolles Instrument zur Mitarbeiterbindung und zur Gewinnung von Fachkräften“, erläutert Glatz.
Abschließend verweist er noch auf die gute Solvabilitätsquote der Universa-Krankenversicherung. Während sie im Markt bei 248 liegt, sei sie bei der Universa bei 455. (Ralph Schweinfurth)

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