Wirtschaft

Die bayerische M+E Industrie hat ein konjunkturell schwaches Halbjahr hinter sich. (Foto: Bilderbox)

09.08.2013

Moderater Anstieg von Produktion und Beschäftigung

Die bayerische Metall- und Elektro-Industrie geht mit vorsichtigem Optimismus in die zweite Jahreshälfte

Die bayerische Metall- und Elektro (M+E)-Industrie wartet weiterhin auf einen Konjunkturaufschwung. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm, geht davon aus, dass es für das Gesamtjahr eine Seitwärtsbewegung mit einem moderaten Anstieg von Produktion und Beschäftigung gibt. Mit einem echten Aufschwung rechnet er erst im kommenden Jahr. Das ist das Ergebnis der halbjährlichen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber unter ihren Mitgliedsbetrieben.
Für 2013 erwartet die bayme vbm einen leichten Anstieg der Produktion von knapp drei Prozent. Das Beschäftigungswachstum sieht Brossardt mit einem Plus von etwa 8000 Personen nur noch etwa halb so stark wie 2012. Im Jahresdurchschnitt 2013 wird die bayerische M+E Industrie voraussichtlich rund 778 000 Mitarbeiter beschäftigen, so viele wie seit 1993 nicht mehr. Die Umsatzrendite wird im Durchschnitt bei gut drei Prozent liegen. Das ist laut Brossardt zwar „nicht exorbitant, aber im Schnitt eine ordentliche Ertragslage“.
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zeigen, dass die Umfrageteilnehmer die gegenwärtige Situation negativer als vor einem halben Jahr beurteilen, aber vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken. Das Inlandsgeschäft bewertete ein gutes Fünftel der bayerischen M+E Betriebe im ersten Halbjahr 2013 als gut, 14 Prozent als schlecht. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen sank auf +7,7 Prozent (Winter: +12,4 Prozent).

Gutes US-Exportgeschäft


Das Auslandsgeschäft wurde besser bewertet als das Inlandsgeschäft: 37,5 Prozent bewerten das Exportgeschäft als gut, 16 Prpozent kommen zu einer negativen Einschätzung. Dies ergibt einen Saldo von +21,3 Prozent (Winter: +29,0 Prozent). Demgegenüber stieg der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen für das Inlandsgeschäft von -10,4 Prozent auf +13,2 Prozent. Darüber hinaus rechnen die bayerischen M+E Unternehmen mit einem besseren Exportgeschäft. Hier stieg der Saldo von +4,0 Prozent auf +16,5 Prozentpunkte.
Auf Branchenebene stellen sich laut Brossardt sowohl die aktuelle Lage als auch die Perspektiven sehr differenziert dar: Durchwegs positiv ist die Situation im IT-Sektor, die mehrheitlich eine weitere Verbesserung der Geschäftslage erwarten. In der Automobil- und Zulieferindustrie sowie bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen ist die aktuelle Geschäftslage positiv, die Erwartungen sind verhalten. Anders ist die Situation im Maschinenbau, in der Elektronikindustrie und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen. In allen drei Branchen halten sich positive und negative Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage in etwa die Waage. Die Unternehmen rechnen aber mit einer Verbesserung der Geschäftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte, erklärte Brossardt.
Im Auslandsgeschäft setzen die M+E Unternehmen ihre Hoffnungen auf Schwellenländer wie Rußland und China. Allerdings sei angesichts der jüngsten Konjunkturdaten aus diesen Ländern ein übertriebener Optimismus jedoch nicht angebracht. Ihre große Chance sieht die Branche im US-Geschäft. 2012 konnte die bayerische M+E Industrie ihre Ausfuhren nach Amerika um 19 Prozent steigern. Brossardt geht zwar davon aus, dass sich ein solches Plus nicht mehr wiederholen lässt, allerdings betrug die Exportquote in die USA zwischen Januar und April 2013 bereits 5,4 Prozent. Verantwortlich für das überaus gute US-Geschäft sind für Brossardt die „tollen bayerischen Autos“, das Zulieferwesen im Automobilbereich und der Maschinenbau, der in den USA keine solche Tradition hat. Generell passe das bayerische Produktportfolio sehr gut für den US-Markt. Nicht umsonst ist die USA für Bayern das wichtigste Exportland.
Mit Blick auf die Zeitarbeit erklärte der bayme vbm Hauptgeschäftsführer, dass die Firmen ihre Kapazitäten unter anderem durch einen weiteren Abbau der Zeitarbeit angepasst haben. Im ersten Halbjahr 2013 ging daher die Zahl der Zeitarbeiter in M+E Betrieben um rund 6000 auf 25 000 zurück. Vor zwei Jahren sei man noch bei gut 40 000 Zeitarbeitern gewesen. Allerdings ist für Brossardt der Anstieg von Zeitarbeit ein Indikator dafür, dass die Konjunktur wieder anläuft.
Angesichts schwacher Konjunktur und steigender Arbeitskosten mahnte Brossardt: „Wenn wir als Industriestandort weiterhin erfolgreich sein wollen, muss es uns gelingen, die komplette Wertschöpfungskette in Deutschland und in Bayern zu erhalten. Dies geht nur mit wettbewerbsfähigen Standortbedingungen. Die neue Bundesregierung muss alles unterlassen, was die Unternehmen zusätzlich belastet.“ Für ihn heißt das, dass die Unternehmen eine sichere Energieversorgung zu verkraftbaren Preisen brauchen und Steuererhöhungen „Gift für die Konjunktur und für die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen“ sind. Ferne brauche man stabile Lohnzusatzkosten. Der Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung müsse dauerhaft unter 40 Prozent bleiben. „Modelle wie die Bürgerversicherung führen in die falsche Richtung.“
(Friedrich H. Hettler)

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