Wirtschaft

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ärgert sich, dass die Stadt einen Aufschlag von 5 Prozent zahlen müsste, wenn sie GBW-Wohnungen von der Patrizia erwerben will. (Foto: dpa)

22.11.2013

Nach dem Verkauf ist vor dem Verkauf

Die Patrizia veräußert zahlreiche ehemalige Landesbank-Wohnungen und erhöht vielerorts die Mieten

Wer in einer der rund 32.000 Wohnungen des Immobilienkonzerns GBW lebt, konnte sich in der Vergangenheit in der Regel sicher sein, dass seine Miete auch in Zukunft eher günstig bleibt. Schließlich gehörte die GBW lange Zeit der Bayerischen Landesbank und war damit in staatlicher Hand. Allzu hohe Mietsteigerungen waren damit quasi tabu. Doch seit die Augsburger Patrizia AG im April für fast 2,5 Milliarden Euro den Zuschlag für 92 Prozent der GBW-Aktien bekam, ist die Angst bei vielen Mietern groß. Und auch bei Mieterschützern wächst der Unumut. „Ich bin stinksauer“, sagt Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin des Mieterbunds Bayern. Die Patrizia unterscheide sich nicht von anderen „Immobilienhaien“. Sie berichtet von zahlreichen Wohnblocks in ganz Bayern, in denen die GBW unlängst die Mieten erhöht habe: „In der Regel wurde die Miete gleich um 15 und, wo zulässig und möglich, sogar um 20 Prozent angehoben.“
Tatsächlich zahlen beispielsweise im mittelfränkischen Herzogenaurach die Bewohner von mehr als 130 GBW-Wohnungen seit Juli fast 20 Prozent mehr. Und auch in der Erlanger Südstadt müssen zahlreiche Mieter künftig um bis zu 15 Prozent mehr Miete berappen. Manche Stellplätze sollen künftig sogar das Doppelte kosten. Auch aus der bayerischen Landeshauptstadt klagen Mieter, sie müssten künftig 80 Prozent mehr für ihre Parkplätze hinblättern. Eine Vielzahl von Münchner Mietern wandte sich überdies jüngst an den Mieterverein, weil die GBW die maximal zulässigen 15 Prozent bei den Mieterhöhungen voll ausschöpfte.

Um 400 bis 700 Euro im Jahr sollen einem Medienbericht zufolge auch die Mieten von knapp 200 Eichstädter GBW-Bewohnern erhöht worden sein. Mieterklagen über kräftige Mieterhöhungen kommen zudem aus mehreren anderen Städten wie dem fränkischen Höchstädt.
In vielen der GBW-Wohnungen leben Rentner oder sozial Schwache. Mitunter sind die Mieter aber auch Familien aus der Mittelschicht. So wie im Fall des Puchheimers Jean-Marie Leone. Er wohnt mit seiner vierköpfigen Familie in einer GBW-Wohnanlage im Landkreis Fürstenfeldbruck. Wie die meisten seiner Nachbarn muss er von Januar nächsten Jahres an 15 Prozent mehr bezahlen. Künftig soll er für seine 78 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung rund tausend Euro aufbringen: „Das war schon ein Schock“, sagt er. Viele Bewohner hätten jetzt Angst, sich ihre Wohnung bald nicht mehr leisten zu können.
„Wir überprüfen regelmäßig unsere Mieten und passen diese den Marktgegebenheiten an“, begründete eine GBW-Sprecherin die Erhöhungen. Zum Gesamtumfang der derzeitigen Mietsteigerungen äußerte sich die Firma auf Anfrage allerdings nicht...(Tobias Lill)

Lesen Sie den vollständigen Bericht in der gedruckten Ausgabe der Bayerischen Staatszeitung vom 22. November 2013.

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