Wirtschaft

Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt nicht in dem selben Tempo wie der Bioanbau in Bayern. (Foto: dpa)

17.06.2015

Nachfrage nach Bioprodukten steigt

Neben den Bürgern haben auch Freistaat und Unternehmendem ein neues ökologisches Bewusstsein entwickelt

Bayern weist in den letzten Jahren eine stetige Verbesserung der ökologischen Situation auf. Dies ist zurückzuführen auf eine Vielzahl von Aktivitäten in unterschiedlichsten ökologischen Handlungsfeldern seitens staatlicher Stellen, aber auch von Umweltorganisationen, Interessenverbänden und Forschungseinrichtungen. Dem entspricht auch ein gestiegenes ökologisches Bewusstsein bei Verbrauchern, Unternehmen und staatlicher Verwaltung.

Der "Umweltpakt Bayern 2010 bis 2015", der auf einer Vereinbarung zwischen der bayerischen Staatsregierung und der Wirtschaft basiert, zielt auf nachhaltiges Wachstum insbesondere durch Klimaschutz und sparsamen Energieverbrauch, energieeffizientes Bauen, energieeffiziente Produktionsprozesse, die Förderung alternativer Mobilitäts-Technologien und die Forschung und Entwicklung im Bereich der Umwelttechnologien.

Nach einer von der Staatsregierung vorgenommenen Zwischenbilanz nahmen im April 2013 über 3800 Unternehmen mit mehr als 650.000 Mitarbeitern am Umweltpakt Bayern teil. 60 Prozent der teilnehmenden Betriebe hatten zu diesem Zeitpunkt ein Umwelt-Management-System eingeführt. Teilnehmer des Pakts sind - neben Großunternehmen wie Deutsche Bahn, Siemens, Audi, Allianz und Wacker Chemie - vor allem Handwerksbetriebe sowie kleine und mittelständische Unternehmen.

Die Nachfrage nach Bioprodukten ist in den letzten Jahren bundesweit rasch angestiegen. Die Umstellung landwirtschaftlicher Betriebe auf Öko-Produkte verlief jedoch deutlich weniger dynamisch. Das Landesprogramm BioRegio Bayern 2020 strebt daher eine Verdoppelung der bayerischen Produktion landwirtschaftlicher Ökoprodukte bis 2020 an. Ob das Ziel erreicht wird, ist derzeit jedoch noch offen.

Aber auch privat organisierte Institutionen kümmern sich um ökologische Belange: So engagiert sich beispielsweise der Landesfischereiverband Bayern im Gewässer- und Artenschutz. Ziel des Verbandes ist die Gewährleistung einer nachhaltigen Gewässernutzung für Fischereizwecke. Der Fischereiverband strebt die Sicherstellung der Fischgesundheit und die Verbesserung gewässergebundener Lebensräume an und führt Artenhilfsprogramme durch.

212.000 Hektar Bio in Bayern

In den 25 Jahren zwischen 1989 und 2014 erhöhte sich die Anzahl ökologisch arbeitender Landwirtschaftsbetriebe von etwa 800 auf 6000. Damit wirtschaften heute 6,6 Prozent aller bayerischen Höhe auf 212.000 Hektar (sechs Prozent der Anbaufläche) nach den Regeln des ökologischen Landbaus. Bayern nimmt damit die Spitzenstellung in Deutschland ein.

80 Prozent aller Ökobetriebe sind den vier in Bayern vertretenen Öko-Verbänden Demeter, Naturland, Bioland und Biokreis angeschlossen. Deren Dachverband “Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern” (LVÖ) nimmt die Interessenvertretung gegenüber Verwaltung und Politik wahr, regt Forschungsprojekte an und informiert die interessierte Öffentlichkeit über die Vorzüge der ökologischen Landwirtschaft für Natur und Gesellschaft.

Zwar setzen sich Verbraucher und Unternehmen mit ökologischen Erfordernissen verstärkt auseinander und erkennen die Bedeutung des ökologischen Landbaus. Doch häufig fehlt es an der Bereitschaft (und nicht selten wohl auch an den finanziellen Möglichkeiten), höhere Preise für die mit größerem Aufwand hergestellten Bioprodukte zu bezahlen. Verbraucher, die aus Überzeugung Bioprodukte kaufen, achten häufig nicht auf die regionale Herkunft, so dass der Transport von Bio-Waren oft aus weit entfernten Gegenden erfolgt. Bei einigen Produkten (etwa bei Bananen und Kiwis) ist dies kaum vermeidbar. Ökologischen Grundsätzen widerspricht es jedoch sicherlich, dass jeder zweite in Deutschland konsumierte Apfel importiert wird. Abhilfe schaffen hierbei spezialisierte Online-Shops für Lebensmittel.

Insgesamt ist somit auch ein Bewusstseinswandel auf Unternehmensseite spürbar und immer mehr Firmen entdecken diese Nische für sich. Darüber hinaus wird mittlerweile die Auswahl der Strombeschaffung genauso wie das Kantinenessen immer mehr ökologischen Kriterien unterzogen.

Seit dem Jahr 2003 verfügt Bayern über ein eigenes Ökozeichen mit der Aufschrift “Öko-Qualität garantiert - Bayern”. Das Ökozeichen Bayern steht für qualitativ hochwertige, in der Region ökologisch hergestellte Produkte mit einer garantierten, nachvollziehbaren Herkunft sowie für kurze Wege zwischen Produzenten und Konsumenten. Das bayerische Öko-Zeichen erhalten Landwirte, die ihren gesamten Betrieb nach den Regeln der Kreislaufwirtschaft umstellen, sich strengen Einschränkungen beim Futterzukauf unterwerfen, auf organischen Dünger aus herkömmlicher Erzeugung verzichten und bei der Tierhaltung erhöhten Flächenanforderungen genügen. (BSZ)

Der bayerische Umweltpakt

Zu den 274 Projekten, mit denen sich bayerische Unternehmen am Umweltpakt Bayern beteiligt haben, gehören unter anderem:

● Der Landesverband Bayerischer Spediteure engagiert sich für die Implementierung “Grüner Logistik”. Der Verband fördert den Einsatz umweltfreundlicher Motorklassen im Straßengüterverkehr sowie für die Verlagerung von Straßentransporten in Richtung Bahn und Binnenschifffahrt. Auch der betriebliche Umweltschutz beispielsweise durch Photovoltaik auf Betriebsgebäuden von Mitgliedsbetrieben wird gefördert.

● Die Messe München GmbH hat durch Umrüstung von Dauerlichtquellen auf nutzungsorientierte LED-Technik den Stromverbrauch reduziert. Durch Verdichtung von Materialien vor Ort reduzierte die Messe-Gesellschaft Abfall- und Wertstoff-Transporte um mehr als 70 Prozent.

● Die MAN Nutzfahrzeuge AG verwendet in ihrem Motorenwerk Nürnberg ein Kalttestverfahren, bei dem Motoren ohne Diesel-Verbrauch überprüft werden können.

● Die Audi AG wird die im Unternehmen entstehenden CO2-Emissionen bis 2020 mit verschiedenen Maßnahmen um 40 Prozent gegenüber 2010 reduzieren. Die CO2-Emissionen von Audi-Fahrzeugen wurden zwischen 2007 und 2012 bereits um 20 Prozent gesenkt.

● Seit Juli 2011 nutzt E.ON in seinem Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk Irsching Turbinen, die einen im internationalen Vergleich hervorragenden Wirkungsgrad von 60,4 Prozent erreichen. Auch angesichts niedriger Stickoxid-Emissionen handelt es sich beim Kraftwerk Irsching um die weltweit umweltfreundlichste mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kraftwerksanlage.

● Die Siemens AG entwickelt Ladesäulen für Elektrofahrzeuge einschließlich der erforderlichen Software.

● Bayern fördert alternative Antriebstechnologien, insbesondere die Elektromobilität u. a. durch Ausbau entsprechender Forschungseinrichtungen. Die bayerische Staatsregierung hat beschlossen, bei der Dienstfahrzeug-Beschaffung Elektrofahrzeugen Vorrang einzuräumen.

● Die Bayerische Landesbank will Unternehmen aus der Umwelttechnologie-Branche verstärkt mit Krediten versorgen. Als Ergänzung der BayernLB-Mittelstandsstrategie wurde hierzu eine Serviceeinheit “Zukunftsmärkte” gegründet.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 41 (2017)

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 13. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Thomas Mütze, finanzpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen

(JA)

Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte beim Handelsverband Deutschland (HDE)

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.